Düren - Asylbewerberheime: Stadt sucht nach Immobilien

Asylbewerberheime: Stadt sucht nach Immobilien

Von: Stephan Johnen
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Die Stadt hat dieses Gebäude an der Alten Jülicher Straße bis 2020 für eine Nutzung als Übergangsheim gepachtet. Eine Reaktivierung sei wegen Problemen mit der Statik nicht möglich. Foto: Stephan Johnen

Düren. Die zwei städtischen Übergangswohnheime für Asylbewerber sind ausgelastet, 134 Menschen leben dort. „Wir müssen täglich mit neuen Zuweisungen rechnen“, betonte Dürens Sozialamtsleiter Christian Sanfleber im Sozialausschuss. Um einen „Puffer“ zu schaffen, hatte die Stadt überlegt, den alten Bahnhof in Merken für zwei Jahre anzumieten.

Zuvor müsste die Immobilie für 20.000 Euro renoviert werden. Dieser Plan stieß bei der gemeinsamen Sitzung des Sozialausschusses und des Bezirksausschusses Merken zum Teil auf erhebliche Zweifel.

Die Immobilie sei in einem „desolaten Zustand“, hieß es aus Merken. Die angesetzte Summe zur Renovierung sei unrealistisch. Zudem blockiere ein Übergangsheim an dieser Stelle die Entwicklung des Stadtteils. CDU-Politiker Thomas Floßdorf warf die generelle Frage auf, ob es Aufgabe der Stadt sei, Wohnungen für Vermieter zu renovieren.

Rolf Braun (SPD) regte an, noch einmal auf dem Wohnungsmarkt nach Privatunterkünften suchen. Als Alternative zur Merkener Immobilie schlug Bruno Voß von den Grünen vor, für „bekannte Familien im Übergangsheim, die von Sozialarbeitern betreut werden, Wohnungen auf dem freien Markt anzumieten“, um 20 Plätze zu schaffen. Dieser Vorschlag soll nun von der Verwaltung überprüft werden. Parallel bleibt auch der alte Bahnhof eine Option. Die Stadt hält ihn weiter für geeignet.

„Viele Vermieter sind gar nicht bereits, an uns als Stadt zu vermieten, wenn Asylbewerber in die Wohnungen einziehen sollen“, verdeutlichte Christian Sanfleber das Dilemma. Zumal habe die Stadt in der Vergangenheit „schlechte Erfahrungen“ gemacht und sei auf hohen Regressforderungen sitzengeblieben.

Die Wohnungen, die angeboten werden, seien entweder zu teuer, oder könnten ernsthaft kaum in Erwägung gezogen werden. Häuser, die seit Jahrzehnten leerstehen und die erst saniert werden müssten, seien beispielsweise keine Alternative. Rechtlich dürften Asylbewerber erst nach 48 Monaten im Asylverfahren aus dem Übergangsheim in eine eigene Wohnung ziehen.

Mit Blick auf die theoretisch in Frage kommenden städtischen Immobilien zeigt sich, dass viel Geld in die Hand genommen werden müsste. Die ehemaligen Übergangsheime an der Rurstraße, die aus Kostengründen im Jahr 2009 angesichts rückläufiger Asylbewerberzahlen aufgegeben worden sind, seien nach Vandalismusschäden quasi im Rohbauzustand. Eine Sanierung koste 100.000 Euro.

Das ehemalige Übergangsheim an der Alten Jülicher Straße sei aus Gründen der Statik im ersten und zweiten Obergeschoss unbenutzbar. Ein Umbau der Kita an der Maarstraße komme nicht in Frage, da das „Wohnumfeld nicht zusätzlich belastet werden soll“. Die Liste des Sozialamtes war lang, doch Alternativen zum Bahnhof gab es aus Sicht der Verwaltung keine.

Wesentlich leichter sei es, für die etwa 50 bis 60 syrischen Kriegsflüchtlinge, die im Kreis Düren erwartet werden, Unterkünfte zu finden, betonte Sanfleber. „Diese Menschen sind der Zuständigkeit der Job-com unterstellt, sie sind rechtlich gleichgestellt mit Hartz-IV-Empfängern“, erklärte Sanfleber.

Die Flüchtlinge hätten anders als Asylbewerber eine auf zwei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis, sie dürfen ab dem ersten Tag eine Wohnung anmieten und eine Arbeit antreten. In der Vergangenheit habe es keine Probleme gegeben, Wohnungen auf dem freien Markt zu finden.

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