Asylbewerber über Jeckes Brauchtum informiert

Von: smb/ja
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Maurizio Cremonesi, Leiter der Einrichtung in Gürzenich Wald. Foto: smb

Düren. Menschen in bunten Kostümen, Personen, die Süßigkeiten von Lastwagen werfen, Leute, die auf der Straße singen und Schunkeln, Mädchen in knapper Kleidung – wer noch nie etwas von Karneval gehört hat, der kommt in den kommenden Tagen, beim ersten Kontakt mit dem jecken Treibenn mit Sicherheit so manches Mal ins Staunen.

Das gilt vor allem für die vielen Flüchtlinge, die neu in Deutschland sind und im Kreis Düren leben. „Wir bereiten die Flüchtlinge auf die tollen Tage vor. Wir erklären ihnen, was hier an Karneval passiert und was das bedeutet“, sagt Maurizio Cremonesi, der Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Kaserne Gürzenich-Wald.

Dabei greifen die Malteser, die die Unterkunft betreiben, auf eine Veröffentlichung der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg zurück. „Unsere arabischen und persischen Dolmetscher werden den Flüchtlingen in einfachen Sätzen erklären, was an den kommenden Tagen hier passiert und welche Verhaltensregeln es gibt. Mit diesen Sprachen erreichen wir 80 bis 90 Prozent der hier lebenden Flüchtlinge“, erklärt Cremonesi. Aktuell sind in der ehemaligen Kaserne 160 Flüchtlinge untergebracht, Platz ist dort für mehr als 1000.

In den Hinweisen der Bezirksregierung für Flüchtlinge zum närrischen Brauchtum geht es um das Verhalten im Besonderen gegenüber Frauen und um Kostüme, zu denen auch Waffen gehören. „Auch wenn Frauen und Mädchen sich reizvoll oder provokant kleiden. Das ist keine Einladung oder Aufforderung“, heißt es in den Hinweisen. Toleranz und Respekt seien wichtige Grundsätze im Karneval. Außerdem wird den Flüchtlingen das Brauchtum des „Bützens“ nähergebracht. „Wer im Karneval viel Spaß hat, der verteilt auch gerne mal freundschaftliche Küsschen. Meistens sind es Frauen, die Männern einen Kuss auf die Wange geben. Das aber ist nur eine Begrüßung im Karneval und nur akzeptiert, wenn die Frau damit eindeutig einverstanden ist“, erläutert die Bezirksregierung.

Darüber hinaus weist die Behörde darauf hin, dass auch Kostüme an der Tagesordnung seien. Darunter auch Kostüme als Polizist oder Soldat. Zudem werden die Flüchtlinge auf die Waffenattrappen hingewiesen, die zu vielen Kostümen dazu gehören

„Die echte Polizei ist außerdem während der Karnevalszeit vermehrt im Einsatz. So wird sichergestellt, dass die Menschen den Karneval sicher feiern können. Die Polizei stellt so aber auch sicher, dass Ausschreitungen, Diebstähle und sexuelle Übergriffe wie zu Silvester unterbunden werden. Die Anweisungen der echten Polizei sind daher auch im Karneval auf jeden Fall zu befolgen“, unterstreicht die Bezirksregierung.

Und dann folgen noch Warnhinweise zum Alkoholkonsum an den jecken Tagen: „Man kann schwer stürzen, sich verletzen und am nächsten Tag geht es einem meistens sehr schlecht. Auch kann es unter Alkoholeinfluss zu Vorfällen kommen, für die man sich nachher schämt oder die strafrechtlich verfolgt werden können.“ Alkohol sei Gift für den Körper und solle deshalb nur in kleinen Mengen getrunken werden.

Auch in der Stadt Düren werden die Flüchtlinge auf das närrische Treiben vorbereitet. „Unsere Flüchtlingsbeauftragte Nihal Cekme ist in den vergangenen Tagen in die großen städtischen Unterkünfte gefahren und hat die Bewohner über das Brauchtum informiert“, erklärt der städtische Pressesprecher Helmut Göddertz. Auch Ehrenamtler seien im Einsatz, um über Kostümierungen zu informieren und ein paar Verhaltensregeln zu erklären.

Aktuell arbeitet die Stadt im Übrigen an einer generellen Orientierungshilfe für Flüchtlinge, die in mehreren Sprachen gedruckt werden soll. Sie soll eine Hilfestellung sein, sich besser in der deutschen Gesellschaft mit ihren Regeln, Sitten und Gebräuchen zurechtzufinden. Die Arbeiten daran seien kurz vor dem Abschluss.

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