Asphalt- und Eisstockschießen: Technik, Taktik und viel Geselligkeit

Von: Stephan Johnen
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Mit einem Handgriff lässt sich das Sportgerät vom Eis- zum Asphaltbetrieb umrüsten. Saison ist daher das ganze Jahr. Foto: Stephan Johnen

Niederau. Eisstockschießen mag ein toller Sport sein, doch die Sache hat einen Haken: die Witterung. Wer seinem sportlichen Hobby frönen will und gerade keine Eissporthalle zur Hand hat, braucht mindestens einen zugefrorenen See. Eine Lokalität, die in unseren Breiten den größten Teil des Jahres eher Mangelware ist.

Dass es in Niederau dennoch seit 25 Jahren den „Sportclub für Asphalt- und Eisstockschießen“ (SCAE) gibt, ist den Erfindern der Gummisohle zu verdanken, mit der die Stöcke kurzerhand für den Einsatz von Eis auf Asphalt umgerüstet werden können. Ein große Rolle spielt in diesem Stück auch die österreichische Partnerstadt Altmünster.

Dort nämlich gehört das Stockschießen im Sommer und im Winter zum gesellschaftlichen Leben. Zur Einweihung der „Niederauer Straße“ im Winter 1988 lernten die Gäste aus dem Rheinland diesen Brauch in Altmünster kennen und schätzen. „Uns war klar, dass wir so etwas auch haben möchten“, sagt Michael Kessel, Vorsitzender des aktuell 120 Mitglieder zählenden Vereins. Der Geburtstag wird zwar erst am 10. Juli gefeiert, doch bereits an diesem Wochenende findet in Niederau das Dorfturnier statt, zu dem sich mehr als 20 Mannschaften angemeldet haben. Gäste sind eingeladen, einmal ihr Glück mit dem 3,5 Kilogramm schweren Stock zu versuchen.

Im Unterschied zum „Curling“ ist es beim Stockschießen Ziel, das Sportgerät möglichst nahe an den „Daube“ getauften Gummiring zu platzieren. Die Daube kann während des Spiels die Position wechseln: Wird sie von einem Stock aus dem markierten Zielgebiet geworfen, wird sie in der Mitte neu platziert. Dadurch kann die ganze Taktik einer Mannschaft zunichtegemacht werden. „Das macht den besonderen Reiz des Spiels aus“, findet Vereinsmitglied Wolfgang Floß. Dass der „Stock“ überhaupt über den Asphalt schliddert, liegt an einem besonderen Kunststoffboden. Im Winter wird dieser gegen Gummi ausgetauscht, sofern denn der Schlossweiher zugefroren ist. Ansonsten gelten die gleichen Spielregeln.

35 Spieler nehmen für den Niederauer Verein regelmäßig an Turnieren teil. Maria Strick, Jahrgang 1933, gehört zu den ältesten aktiven Spielern. „Bei diesem Sport können Jung und Alt zusammen in einer Mannschaft spielen“, sagt sie. Zweimal in der Woche wird trainiert, die Niederauer mischen im Ligabetrieb mit. Aber auch Geselligkeit kommt nicht zu kurz. „Wir sind der westlichste Verein in NRW“, sagt Wolfgang Floß. Aber als Exoten würden sie sich nicht bezeichnen. „Wir dachten anfangs, Exoten zu sein. Aber es gibt viele Clubs im Land“, sagt Floß.

Doch wie wird der Sport überhaupt ausgeübt? „Nicht Kraft ist entscheidend, sondern Technik und Taktik“, erklärt Michael Kessel. Nach kräftigem Schwungholen wird der Stock auf die Bahn gesetzt – danach schlingert er Richtung Daube. Für den Sportler bleibt: Bangen, Zittern, Jubelsprünge, Haare-Raufen – je nach Handicap und Übung. Eigentlich ist es ganz einfach, findet Maria Strick. „Man muss den Stock zum richtigen Zeitpunkt loslassen“, sagt sie. Es könne jedoch Tage bis Monate dauern, bis man im Training den richtigen Zeitpunkt gefunden hat.

„Ich wünschte, es wäre bei mir einmal so weit“, sagt Helmut Bardon augenzwinkernd. Wie seine Frau Marlis hat er zunächst nur beim Dorfturnier gespielt, mittlerweile gehört er zur Wettkampfmannschaft. Angesichts des regen Interesses überlegt der Verein, einen Antrag an die Stadt zu stellen, die Anlage im Franz-Josef-Keimes-Sportpark um eine dritte Bahn zu erweitern. Etwa 15 000 Euro dürfte dies kosten. Angesichts der Haushaltslage der Stadt stellen sie sich darauf ein, auf Sponsorensuche zu gehen und Klinken zu putzen.

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