Arzt aus Düren operiert in Gaza 36 Menschen

Von: Sarah Maria Berners
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In der Welt unterwegs, um verletzten und kranken Menschen zu helfen: Stefan Krieger, Handchirurg aus Düren. Foto: Ärzte ohne Grenzen

Düren/Gaza. Die Hand eines Arztes stützt die Hand einer jungen Frau. Nur die Finger ragen aus dem Verband hervor. „Und jetzt versuchen Sie mal, den Daumen zu bewegen”, sagt eine Stimme. Zögerlich bewegt sich der Daumen, ein kleines bisschen hin und her. Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass die Mutter von fünf Kindern, einen ihrer Finger bewegen kann.

„Ich bin so glücklich”, sagt die Frau. Wirklich fassen kann sie ihr Glück noch nicht.

Stephan Krieger hat das Video mit seinem Smartphone gemacht, als er für „Ärzte ohne Grenzen” in Gaza war. Drei Wochen lang. Es ist nicht sein erster Einsatz für die Organisation. „Die Dankbarkeit der Menschen ist so intensiv, dass sie immer wieder gehen wollen”, sagt Krieger. Tschad, Ruanda, Kongo, Sierra Leone - der 49-Jährige war schon in vielen Krisen- und Kriegsgebieten im Einsatz.

Seine Ehefrau hat er kennengelernt, als er von einem Einsatz im Tschad zurückkam. Sie, eine Krankenschwester, war kurz zuvor in Darfur. Seit Stefan Krieger Kinder hat, sucht er lieber weniger gefährliche Gebiete auf. Wobei „weniger” relativ ist. In ihrer Unterkunft in Gaza hatten die „Ärzte ohne Grenzen” zum Schutz vor Raketen eine Flagge auf dem Dach. Jeden Morgen wurde in einer Sicherheitsbesprechung geklärt, ob die Gruppe ins Krankenhaus fahren kann oder nicht. In den drei Wochen, in denen Krieger in Gaza war, konnte er jeden Tag arbeiten. In einem Zelt vor dem Krankenhaus. „Dort gab es eine einfache, aber funktionelle Ausrüstung”, beschreibt Krieger. Gleichwohl brauche man als Arzt alle Sinne, um eine Diagnose zu stellen, um zu entscheiden, ob operiert wird.

„Die Menschen freuen sich, dass wir da sind. So wissen sie, dass sie nicht vergessen werden”, sagt Krieger. 36 Patienten hat er in Gaza operiert, die meisten davon waren Kinder. Krieger hat angeborene Fehlstellungen korrigiert, und solche, die Folge von Verbrennungen waren. Auch Menschen mit Schussverletzungen lagen auf seinem OP-Tisch.

„Wenn mal wieder der Strom abgeklemmt wird, heizen die Menschen mit Gas und Öl”, erklärt Krieger. Vor allem Kinder verletzen sich dann häufig. Den Verbrennungen folgen oftmals Fehlstellungen. „Dann sind diese Menschen sozial amputiert”, sagt Krieger. Sie können die Schule nicht besuchen, finden keine Arbeit und können nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Für Stefan Krieger sind die Operationen daher mehr als nur medizinisch notwendig. Der Arzt spricht vom „Social-Life-Saving”, der Rettung des sozialen Lebens seiner Patienten.

Die Geräusche der Raketen

Wenn es die Operationen zuließen, mussten die Mediziner den Heimweg antreten, bevor es dunkel wurde. Aus Sicherheitsgründen. Bis Sonnenaufgang galt eine Ausgangssperre. „Man muss schon eine gewisse innere Ruhe mit sich bringen, um in solchen Gebieten zu arbeiten”, sagt der Chirurg. Aber Gaza sei ja „stabil auf niedrigem Niveau”. In Sri Lanka, Sierra Leone, Ruanda und Kongo hat der Arzt „in aktiven Kriegssituationen” gearbeitet. Die Geräusche, die Raketen machen, haben dazugehört. „Und wenn wir uns beim Teetrinken unter die Tische begeben mussten, haben wir einfach danach weiter getrunken.” Mit den Einsätzen in den Krisengebieten hat sich für Krieger vieles relativiert. Er rege sich über weniger Dinge auf, sagt er.

Krieger ist seit 1995 für die „Ärzte ohne Grenzen” tätig. Von 2001 bis 2009 engagierte er sich im Vorstand, fünf Jahre davon als Präsident. Schon als junger Mann war für Stefan Krieger klar: „Wenn ich groß bin, werde ich ?Arzt ohne Grenzen.”

Manchmal, sagt Krieger, sei es frustrierend, weil er wisse, dass in Deutschland für die Menschen noch mehr machen könne. „Aber ich weiß ja auch, wie es den Menschen gehen würde, wenn wir nicht da wären.” Krieger versucht, andere Ärzte für ein Engagement zu gewinnen. Leicht sei das nicht. Aber er selbst wird ganz sicher bald wieder im Ausland operieren.
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