Artenschutz: Bittere Pille für die Landwirte

Von: Jörg Abels
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Die Bechsteinfledermaus und weitere 150 Tierarten erfordern das Schutzkonzept.

Hambach/Nörvenich. Es ist eine bittere Pille, die die Landwirte aus Gründen des Artenschutzes rund um den Tagebau Hambach schlucken müssen. Daraus machten die über 60 Betroffenen, die am Mittwochabend der Einladung der Nörvenicher CDU und der Ortsbauernschaft zu einem Info-Abend ins Rathaus gefolgt waren, keinen Hehl.

Und trotz unverrückbarem EU-Arten- und Bundesnaturschutzgesetz eine schwer nachvollziehbare: „Wer sagt denn, dass sich die Bechsteinfledermäuse und andere Tierarten aus dem Hambacher Forst tatsächlich einmal im Nörvenicher Wald in der Nähe eines lärmintensiven Fliegerhorstes ansiedeln werden”, sprach Dr. Eberhard Peill vielen Landwirten aus dem Herzen.

Der Nörvenicher Wald ist Teil des Artenschutzkonzeptes, das Tagebaubetreiber RWE aufstellen muss, um neuen Lebensraum für die gut 150 Tierarten zu schaffen, die zwingend auf den Lebensraum „Altwald” angewiesen sind und vor den anrückenden Schaufelradbaggern aus dem Hambacher Forst bei Morschenich „umgesiedelt” werden müssen.

Über Querungshilfen wie Alleen, Hecken und Ackerrandstreifen sollen die Tiere die Möglichkeit erhalten, in die Altwälder rund um das Forschungszentrum Jülich, im Naturschutzgebiet Steinheide und eben im Bereich Nörvenich/Kerpen abzuwandern.

Insgesamt 1450 Hektar Land, darunter 700 Hektar Ackerfläche benötigt RWE Power zur Umsetzung des Konzepts, 130 Hektar Ackerland auf dem Gebiet der Gemeinde Nörvenich, erklärt Markus Kosma, Leiter Tagebauplanung bei RWE Power, den Betroffenen. Parzellen, die umgestaltet und nicht mehr wie bisher intensiv bewirtschaftet werden können.

Nicht wenige Landwirte fürchten deshalb um ihre Existenz, auch wenn Kosma zusicherte, die Landwirte wie die Bürger in den Umsiedlungsdörfern zu behandeln. Eine Sorge, die auch Johannes Rütten, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes Bonn, nur zum Teil mit Blick auf das mit RWE Power ausgehandelte „Handlungskonzept Landwirtschaft” entkräften konnte. „Wir konnten in den Verhandlungen sicherstellen, dass kein Betrieb einen Schaden davontragen wird”, zeigte sich Rütten betont stolz auf das Ergebnis.

Das heißt vor allem: Vollständiger Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile der Grundeigentümer und Pächter in Form von Ersatzland oder Nutzungsentschädigungen, die in der Spitze bis zu 1700 Euro pro Jahr und Hektar betragen können, erklärte Rütten. „Wer seinen Schaden richtig einschätzt, wird am Ende keinen Schaden haben”, versicherte er seinen Berufskollegen. Nur verhandeln muss jeder Landwirt mit RWE Power selbst. Juristische Hilfestellung seitens des Verbandes sagte Rütten bei Bedarf zu.

Bei allen anstehenden Flurbereinigungsmaßnahmen im Zuge des Artenschutzkonzeptes sagten die RWE-Vertreter zu, ausreichend eigene Fläche ins Verfahren einzubringen, so dass kein Landwirt am Ende auf Fläche verzichten müsse. Dass allerdings könnte einen weiteren Anstieg bei den Ackerland- und schlussendlich auch bei den Pachtpreisen bedeuten, fürchten einige Landwirte.

Noch bis zum 29. Februar haben Betroffene die Möglichkeit, Bedenken gegen den Sonderbetriebsplan Artenschutz bei der Abteilung Bergbau und Energie der Bezirksregierung Arnsberg in Düren, Josef-Schregel-Straße 21, vorbringen. Träger öffentlicher Belange, darunter Kommunen und Verbände, können noch bis zum 10. April ihre Stellungnahme formulieren.
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