Düren - Arena wird zum Volleyball-Hexenkessel

Arena wird zum Volleyball-Hexenkessel

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Mit tollen Plakaten feuern die Stockheimer Grundschüler am Samstag beim Auftakt zu den Play-off-Spielen in der Volleyball-Bundesliga vor allem die beiden kanadischen Volleyballer tüchtig an. Foto: Sandra Kinkel
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Edgar Klein (rechts), Bruder von Volleyballer Georg Klein, macht bei den Wischer-Kindern mit. Leo Laumann freut sich über die Unterstützung. Foto: Sandra Kinkel
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Daumen drücken: Fabian, Juli, Carina, Leni, Ida und Emma (von rechts) von der KGS Stockheim wollen unbedingt, dass Düren gewinnt. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Für Edgar Klein (12) ist es ein besonderes Spiel. Der Junge aus Leipzig ist der Bruder von Georg Klein. Der 23-Jährige ist seit knapp vier Jahren Mittelblocker bei den SWD Powervolleys in Düren – und Edgars Bruder. „Ich mache heute Abend bei den ‚Ball-Rollern’ und den ‚Quick-Wischern’ mit“, sagt Edgar. „Damit wenigstens einer aus unserer Familie bei diesem wichtigen Spiel dabei ist.“

Es ist Samstagabend, 19.15 Uhr. Und die Powervolleys um Trainer Michael Mücke bestreiten in wenigen Minuten ihr erstes Play-off um die deutsche Meisterschaft im Volleyball. Gegner ist der TV Rottenburg und Düren plagen große Verletzungssorgen. Nicht nur Georg Klein, auch Oskar Klingner und Jan-Philipp Marks sind angeschlagen. Viele Fans in der Halle rechnen mit einer deutlichen Dürener Niederlage. „Ich glaube, dass Düren gewinnt“, sagt dagegen Edgar. „Das müssen die, damit mein Bruder nicht mehr so traurig ist.“

Und der Junge, der extra aus Leipzig zu dem Spiel nach Düren gekommen ist, sollte Recht behalten. Düren gewinnt das Spiel deutlich mit 3:0 (25:17, 25:23 und 25:23) – und 2000 Fans feiern mit Edgar und der Mannschaft ein rauschendes Volleyballfest.

Edgar ist schon ein alter Volleyball-Hase. „Ich bin in Leipzig auch Quick-Wischer“, erzählt er. Für mich ist das nichts Neues.“ Für Leo Laumann (9) eigentlich auch nicht, schließlich ist er bei fast jedem Heimspiel mit einem Lappen bewaffnet dabei, um den Schweiß der Spieler vom Spielfeld zu wischen. „Jedes Spiel ist besonders“, sagt Leo. „Weil Düren jedes Spiel gewinnen muss. Aber vor 2000 Leuten zu wischen, ist schön. Und das ist auch ein hoher Anspruch.“

Die Arena Kreis Düren ist am Samstag so voll wie selten. Die Halle ist ein echter Hexenkessel, der jeden Punkt der Powervolleys frenetisch bejubelt. Mit dabei sind auch Juli (9), Emma (9), Leni (10), Fabian (9), Ida (10) und Carina (9) von der Katholischen Grundschule in Stockheim. Die Kinder hatten vor wenigen Wochen Besuch in der Englischstunde – Abwehrchef Blair Bann und Spielmacher Ciaran McGovern waren zu Gast in der Schule, haben Fragen der Jungen und Mädchen beantwortet und mit den Kindern eine Runde Fußball auf dem Schulhof gespielt.

„Die waren total nett“, sagt Fabian. „Ich habe die eben alle abgeklatscht. Und deswegen sind wir auch heute hier. Das ist ein wichtiges Spiel, wir wollen die Dürener Mannschaft unterstützen.“ Die Stockheimer Grundschüler haben Plakate gemalt, mit denen sie Bann und McGovern grüßen und klatschen, jubeln, feuern an, was das Zeug hält. „Morgen sind wir alle heiser“, meint Juli. „Aber das ist egal. Hauptsache Düren gewinnt.“

Die Kinder sind zum ersten Mal bei einem Volleyball-Bundesligaspiel dabei, überhaupt sind sie zum ersten Mal bei einem größeren sportlichen Ereignis. „Das ist total cool“, sagt Leni. „Die Stimmung ist einfach Wahnsinn.“ Mit den Volleyballregeln so richtig vertraut, sind die Kinder nicht. „Ich finde es doof, wenn die anderen ein Tor machen“, sagt Emma, als Rottenburg einen Punkt macht. „Und es ist auch ein bisschen traurig, dass die gar keine Fans hier haben.“ „Die haben ein paar hier“, erwidert Fabian. „Und wir sind hier in Düren. Da ist es normal, dass die Heimmannschaft mehr Fans hat.“

Auch Andreas Buchta aus Merzenich war von Anfang überzeugt, dass Düren gewinnt. „Wer denn sonst? Die werden kämpfen ohne Ende, und das Spiel gewinnen.“ Buchta spielt selbst Volleyball. In der Mixed-Mannschaft des TV Merzenich, den „Crocodiles“. „Vier von uns sind eigentlich bei jedem Heimspiel“, sagt Buchta, der eine Kuhglocke dabei hat, um die Powervolleys anzufeuern. „Die macht tüchtig Krach“, sagt er lachend. „Das brauchen wir heute.“

Nach rund 70 Minuten ist die Partie zu Ende – und Düren dem Einzug ins Halbfinale ein deutliches Stück näher. Edgar lacht und läuft zu seinem Bruder, der auf der Tribüne sitzt. Wenn alles gut geht und Düren das zweite Play-off am Samstag, 21. März, in Rottenburg gewinnt, wird an Ostersonntag, 5. April, die erste Halbfinalbegegnung gespielt – wieder an der Rur. Und vielleicht kommt Edgar dann auch noch mal nach Düren. Als Wischer-Kind, oder einfach nur, um seinen Bruder Georg tüchtig anzufeuern.

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