Wollersheim - Archäologin skizziert die Siedlungsgeschichte der Region

Archäologin skizziert die Siedlungsgeschichte der Region

Von: Stephan Johnen
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Die Bestimmung der Funde wird in Wollersheim vorgenommen. Bei diesem Stück, das Archäologin Petra Tutlies in den Händen hält, handelt es sich um ein Mühlstein-Bruchstück aus der Eisenzeit. Foto: Stephan Johnen

Wollersheim. Hunderte Scherben und Bruchstücke liegen säuberlich aufgereiht auf den Tischen. Jemand hat zwar Ordnung in das Chaos gebracht, doch außer Scherben und Bruchstücken ist für den ungeübten Betrachter nicht viel zu erkennen. So sieht an vielen Tagen im Jahr Archäologie aus.

Zwar gibt es spektakuläre Funde wie die jungsteinzeitliche „Lilith“, deren versteinertes Skelett 2010 bei Arnoldsweiler freigelegt wurde. Doch überwiegend sind es kleine, unscheinbare Puzzleteile, die Petra Tutlies und ihre Kollegen vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege ans Tageslicht bringen. „Diese Stücke ergeben nach und nach ein Bild der archäologischen Landschaft“, erklärt die Leiterin der Außenstelle Nideggen (siehe Infokasten), warum es dennoch wichtig ist, jedes Fundstück zu dokumentieren und zu kartographieren.

Immer zu Beginn des neuen Jahres lässt die Archäologin in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Wollersheim das abgeschlossene Grabungsjahr Revue passieren. Im Denkmalschutzgesetz ist geregelt, dass ihr Amt schon in der Planungsphase von Bauprojekten einbezogen wird. Egal ob Neubaugebiet, Straße oder Tiefgarage – die Devise lautet: Erst bergen, dann bauen. Sollten Bauherren abseits bekannter Bodendenkmäler plötzlich im eigenen Garten auf Reste römischen Mauerwerks stoßen, ist es ihre Pflicht, den Denkmalschutz zu informieren. „Unsere Aufgabe ist es, für die Nachwelt festzuhalten, was einst war und zu dokumentieren, was aus wirtschaftlichen Gründen nicht bleiben kann“, sagt Petra Tutlies.

Vorwürfe, die Arbeit der Archäologen verzögere die Bauzeit oder treibe die Kosten unnütz in die Höhe, lässt sie nicht gelten. „Wir vertreten ein öffentliches Interesse“, sagt sie. Ähnlich wie sich der Blick auf Altlasten oder den Umweltschutz richte, gehöre auch der Denkmalschutz dazu. „Wir haben leider keine besonders große Lobby“, bedauert die Archäologin.

Fundstücke gebe es im Rheinland beinahe auf Schritt und Tritt, frühsteinzeitliche Siedlungsspuren ebenso wie römische Gehöfte und merowingerzeitliche Gräberfelder. In Poll beispielsweise tauchte 2014 ein frühzeitlicher Anhänger auf. Unscheinbar zwar, aber eine kleine Sensation. Nur drei Funde vergleichbarer Machart gibt es in Deutschland, an der Krim jedoch waren diese Schmuckstücke weit verbreitet. „Das zeigt, wie unsere Vorfahren Handel getrieben haben“, erklärt Petra Tutlies. So lässt sich auch erklären, warum Langerweher Vasen aus der Bronzezeit weit verbreitet sind.

„Wir finden in unserer Region sehr viel. Nörvenich beispielsweise ist ab der Jungsteinzeit beinahe durchgehend besiedelt“, weiß die Archäologin. Die Großstädte habe es zwar nicht gegeben, das Rheinland jedoch war mit Dörfern und Siedlungen überzogen. Von der Steinzeit über die Römer bis in die heutige Zeit. Diese reiche (Kultur-)Geschichte gelte es zu bewahren und die Funde für Forschungen zu konservieren. Das Puzzle ist noch nicht vollständig gelegt.

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