Heimbach - Archäologen erfolglos bei Suche nach Königspfalz Vlatten

Archäologen erfolglos bei Suche nach Königspfalz Vlatten

Von: bwp
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Petra Tutlies nahm ihre Zuhörer mit auf eine archäologische Zeitreise. Foto: bwp

Heimbach. Wie spannend, arbeitsintensiv und manchmal auch ernüchternd „Archäologie vor Ort“ sein kann, stellte Petra Tutlies in einem Jahresrückblick vor. „Bei uns in der Bodendenkmalpflege ist es Brauch, die Grabungs- und Forschungsergebnisse des Jahres öffentlich vorzustellen.“ Auch 2012 war die Wollersheimer Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege großflächig im Einsatz: Vom Kreis Heinsberg, über Linnich bis zum Mechernicher Trias-Dreieck mussten zahlreiche Grabungen begleitet werden, um das kulturelle Erbe zu schützen, zu bergen und historisch auszuwerten.

Fotobeispiele von Flächenausgrabungen in Großvernich, wo bereits 2011 eine eisenzeitliche Siedlung entdeckt worden war, belegten den oft zeit- und arbeitsaufwändigen Einsatz der Archäologen: Erst wenn der Oberboden mit Kettenbaggern großflächig abgezogen ist, geben kleinste Verfärbungen und schemenhafte Konturen im Erdreich Hinweise auf eine frühe, menschliche Besiedlung.

Bei dieser Grabung, die die Archäologen auch 2012 noch beschäftigte, wurden neben Vertiefungen für Pfostenbauten auch zylindrische Gruben entdeckt, die 2500 vor Christus vermutlich als Vorratslager von Saatgut dienten. „Vielleicht eine ‚Raiffeisenzentrale’ der Eisenzeit.“, mutmaßt Tutlies. Ein feststehendes Gefäß mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern gibt den Wissenschaftlern weiter Rätsel auf. Wurden darin Met, Bier öder Öl aufbewahrt? „Sobald wir wieder Geld haben, werden wir die Scherben auf Lipide untersuchen lassen“, kündigt Petra Tutlies an.

Erst einmal ernüchternd war 2012 die Spurensuche in Vlatten, wo die Archäologen eine historische Königspfalz aus dem 9. Jahrhundert vermuten. Drei Aufenthalte karolingischer Könige in dem Ort sind urkundlich belegt: Im Jahr 839 weilte Ludwig der Fromme hier, sieben Jahre später Lothar I. Zwischen 855 und 869 soll Lothar II Station gemacht haben. Da Pfalzbauten stets in unmittelbarer Nähe der Kirche errichtet wurden, untersuchten die Spezialisten die unverbauten Wiesen und Weiden rund um die 838 erstmals erwähnte Kirche mit geomagnetischen und geoelektrischen Messgeräten. Doch: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, interpretierte Petra Tutlies, die selber in Vlatten wohnt, die ausgewerteten Bilder und Messergebnisse.

Wie vielfältig die Einsatzbereiche der Bodendenkmalpfleger sind, zeigten weitere Projekte aus dem vergangenen Jahr: In Zülpich mussten römische Matronensteine geborgen, im Brühler Schloss Augustusburg die historische Gartenanlage rekonstruiert und im Freilichtmuseum Kommern die Bunker der ehemaligen Flak-Stellung „entschuttet“ werden. Mit dreizehn Kommunen erarbeiten die Wollersheimer Archäologen zudem einheitliche Beschilderungstafeln, mit denen künftig auf Bodendenkmäler aufmerksam gemacht werden soll.

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