Arbeitsmarkt im Kreis Düren gleicht einem Laufband

Von: Jörg Abels
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Im neuen Berufsinformationszentrum (BIZ) können sich nicht nur Schüler informieren. Auch Erwachsene finden Beratung und den „Job to go“ – Arbeitsangebote noch vor einem ersten Beratungsgespräch. Foto: Abels
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Sprechen von einem stabilen Arbeitsmarkt im Kreisgebiet mit hoher Dynamik: Jürgen Koch und Hubert Wehren (r.) von der Arbeitsagentur.

Kreis Düren. „Viel ist in Bewegung, aber so recht kommen wir nicht vom Fleck.“ Jürgen Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, vergleicht die Situation des Arbeitsmarktes im Kreisgebiet im abgelaufenen Jahr mit einem Laufband. Die Arbeitslosenquote war mit durchschnittlich acht Prozent stabil, die Dynamik aber hoch.

Fast 24.000 neu gemeldeten Arbeitslosen standen fast ebenso viele Abgänge gegenüber. Der leichte Anstieg basiert vor allem auf dem Bereich der von der Job-com betreuten Langzeitarbeitslosen.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten hat im Zehnjahresvergleich zum dritten Mal in Folge mit nunmehr 75.081 einen Rekordstand erreicht. Auf den ersten Blick eine positive Entwicklung. Erst der zweite zeigt, dass der Anstieg einmal mehr der Teilzeitbeschäftigung zu verdanken ist. Mit nur noch 54.200 Stellen hat die Zahl der Vollzeitbeschäftigten seit 2006 (55.972) einen neuen Tiefstand erreicht. Im Vergleich zum Höchstwert 2009 zählt die Arbeitsagentur knapp 3000 Vollzeitstellen weniger. Demgegenüber ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten seit 2006 um 58 Prozent auf 20.874 gestiegen.

Auch wenn die Arbeitgeber zum Jahresende – vor allem im Oktober und November – wieder mehr offene Stellen meldeten und dies Jürgen Koch optimistisch in die Zukunft blicken lässt, „kann von einer Belebung des Arbeitsmarktes noch keine Rede sein“. Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Düren sieht Koch in den kommenden Monaten vor allem im Hoch- und Tiefbau. Auch im Druckgewerbe könnten aufgrund von Fluktuation wieder mehr Stellen zur Verfügung stehen. „Pflege und Erziehung bleiben auch weiter ein Thema“, betont der Agenturchef, allerdings sei hier die benötigte Qualifikation eine höhe Hürde.

Potenzial sieht er auch im „Beherbergungsbereich ohne spezielle Gastronomie“, im Handwerk bei Sanitär- und Heizungstechnikern sowie in der Industrie bei CNC-Drehern und -Fräsern. „Insgesamt müssen wir mehr Arbeitslose auf das Laufband kriegen“, betont Koch. Denn zuletzt profitierten vor allem Zuwanderer, Berufsrückkehrer und nicht arbeitslos gemeldete Seiteneinsteiger vom Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen.

Koch fordert deshalb von der Politik, dass sich zum Beispiel sozialpädagogische Begleiter in kleinen und mittelständischen Betrieben um die Wiedereingliederung kümmern. Und weil rund ein Drittel aller Arbeitslosen keine abgeschlossene Ausbildung, darunter viele auch keinen Schulabschluss vorweisen können, steht die „Abschlussorientierte Qualifizierung“ im kommenden Jahr bei der Arbeitsagentur an oberster Stelle, um dem Fachkräftebedarf zu begegnen.

Vier sogenannte Integrationsberater stehen dazu allein in Düren zur Verfügung. „Wir werden jeden im kommenden Jahr beraten“, kündigte Koch an. Sehr gut angelaufen ist im umgebauten Berufsinformationszentrum an der Moltkestraße das Projekt „Job to go“, betont Standortleiter Hubert Wehren. Ziel ist es, Menschen, die sich arbeitslos melden, noch vor dem Termin mit einem Berater erste Arbeitsangebote mit an die Hand zu geben. Von 961 Bewerbern konnte auf diesem Weg schon jeder zehnte erfolgreich vermittelt werden, betont Wehren.

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