Anwalt vor Gericht: 80.000 Euro unterschlagen?

Von: wos
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Aachen/Düren. Beinahe vier Jahre lang war Ex-Anwalt Antonius Peter S. (50) aus Aachen verschwunden, war wie vom Erdboden verschluckt, wurde sogar über die TV-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gesucht. Bis der aus Düren stammende Rechtsanwalt im vergangenen Jahr endlich in seiner Heimatstadt aufgestöbert wurde.

Jetzt muss er sich vor der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen Untreue in 18 Fällen – begangen zwischen 2007 bis 2009 – in seiner Aachener Kanzlei verantworten. Laut Anklage habe der im Jahr 2011 aus der Anwaltschaft entlassene Jurist bei Abrechnungen mit seinen Mandanten sogenannte Fremdgelder im Gesamtwert von rund 80.000 Euro unterschlagen.

Dabei sei er, so Oberstaatsanwalt Christian Burr bei der Anklageverlesung, „gewerbsmäßig“ vorgegangen, indem er nicht wie erforderlich die fremden, ihm aus Rechtsstreiten anvertrauten Gelder über sogenannte Anderkonten abgerechnet habe, sondern sie über sein eigenes Bankkonto laufen ließ. Dabei habe er bei den meisten der angeklagten Fälle nicht die gesamten Beträge „wieder ausgekehrt“, wie der Staatsanwalt es formulierte, sondern der Angeklagte habe sie teilweise oder auch ganz für sich behalten.

Vor der Kammer (Vorsitz Richterin Regina Böhme) fanden sich am Freitag die Parteien zunächst zu einem Rechtsgespräch zusammen, dessen Ergebnis Staatsanwalt, Angeklagter und Verteidigung letztlich zustimmten.

Danach wird der mutmaßlich wegen Untreue zu verurteilende Ex-Anwalt mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, die mindesten ein Jahr und acht Monate, aber nicht mehr als zwei Jahre betragen darf. Eine Bewährungszeit kann bis zu einer Strafhöhe von zwei Jahren ausgesprochen werden.

Bereits vor dem Rechtsgespräch hatte Verteidiger Bastian Bödeker vorgetragen, dass sein Mandant nicht allen Punkten geständnisgleich zustimmen könne, da in der Anklage Summen aufgeführt seien, die ihm noch aus Honoraren zustünden. Das müsse verrechnet werden.

Über seine Motive will der Ex-Anwalt am kommenden Termin, das ist der 22. Januar, ausführlich Auskunft geben. Er sei, so sagte er in der Einlassung zu seinen persönlichen Verhältnissen, in Düren in einem normalen, geordneten Elternhaus aufgewachsen, der Vater sei ein pensionierter Postbeamter. S. studierte in Köln Jura, arbeitete bei der Bezirksregierung, hat einen Sohn.

Als er wegen einer mutmaßlichen Verfehlungen auf der Flucht war, habe sich seine Ehefrau von ihm scheiden lassen. Anwalt Bödeker: „Er hat erst aus den Akten erfahren, dass er geschieden ist.“

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