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Antoniuskapelle sucht neue „Schutzpatrone“

Von: Stephan Johnen
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Auf der Einsparliste: Die Antoniuskapelle in Lendersdorf wurde vor einigen Jahren Dank großzügiger Spenden vor dem drohenden Verfall bewahrt. Foto: Stephan Johnen
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Konrad Bauer (l.) und Norbert Weber sehen die Zukunft des 2009 restaurierten barocken Baus erneut in Gefahr. Foto: Stephan Johnen

Lendersdorf/Rölsdorf. „Wenn das die Botschaft der Kirche ist, muss sie sich nicht wundern, wenn es bald keine Schäfchen mehr in der Herde gibt“, sagt Norbert Weber. Die Nachricht, dass neben der Rölsdorfer Nikolauskirche auch die Lendersdorfer Antoniuskapelle auf der „roten Liste“ der Gemeinschaft der Gemeinden St. Elisabeth (GdG) steht, hat er aus der Zeitung erfahren.

Er wollte seinen Augen nicht trauen. Schließlich haben der Ortsvorsteher und sein Mitstreiter Konrad Bauer ein Vierteljahrhundert lang für den Erhalt des barocken Baus gekämpft. Der Zahn der Zeit hatte an der 350 Jahre alten Kapelle genagt, das Fundament war brüchig, das Dach undicht, das Gebäude drohte einzustürzen. Der Ortsvorsteher begann, Klinken zu putzen. Ursprünglich sollte die Restauration 52.500 Euro kosten, letztlich waren es 100.000. Geld, das die Bürger und einige Unternehmen gespendet hatten, um ein Wahrzeichen des Ortes zu erhalten. 2009 wurde die generalüberholte Kapelle wieder eingesegnet.

Doch nun kam die für viele Lendersdorfer wenig frohe Botschaft, dass die Kapelle wie viele andere kirchliche Immobilien in Lendersdorf, Rölsdorf, Gürzenich und Birgel zur Disposition stehen. „Soll die ganze Arbeit umsonst gewesen sein?“, fragen nun Norbert Weber und Konrad Bauer. Sie haben bereits Fühler zu Mitgliedern und Vereinen in den anderen Pfarrgemeinden von St. Elisabeth ausgestreckt. „Wir werden diesen Entschluss nicht unkommentiert lassen“, sagt Konrad Bauer.

„Niemand hat sich den Entschluss leichtgemacht“, verweist Pfarrer Hans Tings auf den in den Gremien der GdG St. Elisabeth gefassten Beschluss, Gebäude wie die Rölsdorfer Kirche und die Lendersdorfer Antoniuskapelle auf die Einsparliste zu setzen. Jede Gemeinde müsse ihr Scherflein dazu beitragen, die Instandhaltungsbeilage um ein Drittel beziehungsweise 53 000 Euro zu reduzieren. Im Rahmen des Kirchlichen Immobilienmanagements (KIM) ist es bistumsweit Vorgabe, 33 Prozent bei den Instandhaltungskosten einzusparen. „Wir mussten eine Kirche auf die Liste setzen, um das Sparpotenzial zu erreichen. Alle anderen Immobilien zusammen hätten nicht gereicht“, sagt Tings.

Keine Immobilie soll aber so schnell wie möglich verkauft werden, versichert der Pfarrer. Gerade den Bestand der Schlosskapelle in Gürzenich und der Lendersdorfer Antoniuskapelle sieht der Seelsorger nicht gefährdet. „Wir sind überzeugt, Menschen zu finden, die die Kapellen in ihre Obhut nehmen“, ist auch Gemeindereferentin Claudia Gibbels-Tack überzeugt. Noch zu gründende Fördervereine könnten die Instandhaltungskosten übernehmen. Schließlich sei der Erhalt dieser Kapellen „eine Herzensangelegenheit“.

Absehbar ist, dass beispielsweise das Jugendheim in Rölsdorf verkauft werden soll. „Die Baubsubstanz ist schlecht, wir müssten viel Geld für den Erhalt in die Hand nehmen“, sagt Tings. Die Jugendarbeit in der GdG soll in vollem Umfang fortgeführt werden. Es sei aber zu früh, etwas Verbindliches über die Zukunft der Rölsdorfer Kirche zu sagen. Fakt sei jedoch, dass sie mittlerweile „zu groß für die Gemeinde“ sei.

Das Pastoralkonzept werde derzeit erarbeitet, erklärt Hans Tings, Auch der Umgang mit schwindenden Ressourcen müsse thematisiert werden. „Kirche ist mehr als Gebäude“, betont Gemeindereferentin Birgit Salentin. Seelsorge solle weiterhin „ohne weiße Flecken auf der Landkarte“ möglich sein. Das bedeute aber, dass es neue Orientierungspunkte auf der Karte geben kann. Es gelte daher, Ideen für die Zukunft der Nikolauskirche zu sammeln und diese zu diskutieren. Einen Gebetsraum und Treffpunkt für die Gemeindemitglieder soll es weiterhin in Rölsdorf geben. Ob dies mit einem Umbau der Kirche oder einem Neubau ermöglicht wird, sei offen. „Wir haben alle Möglichkeiten in der Hand“, wirbt Hans Tings um Unterstützung, „notwendige Veränderungen“ zu begleiten.

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