Ansturm auf die Gesamtschulen im Kreis hält an

Von: Christoph Lammertz
Letzte Aktualisierung:

Kreis Düren. Der Ansturm auf die vier Gesamtschulen im Kreis Düren hält an.

Für fast jeden dritten Viertklässler, dessen Eltern sich für die Gesamtschule entschieden haben, ist dort kein Platz. 810 Anmeldungen stehen 570 Plätze gegenüber.

Die größte Diskrepanz meldet die Anne-Frank-Schule in Mariaweiler. Dort erhielten 83 Kinder eine Absage. Angesichts dieser Zahlen steht die Forderung nach einer zusätzlichen Gesamtschule wieder im Raum.

„Ich denke, dass wir eine weitere brauchen”, sagt Heinz Moll, Leiter der Gesamtschule Langerwehe. 62 Kinder, die gerne ab Sommer in seiner Schule unterrichtet worden wären, musste er die Aufnahme verwehren. Und er glaubt, dass sich die Entwicklung verschärfen wird.

Denn neben der Möglichkeit, erst in der Sekundarstufe I zu entscheiden, auf welchen von vier Abschlüssen es hinauslaufen soll, gebe es nun ein weiteres starkes Argument für seine Schulform, sagt Moll: „Die Angst vor dem Turbo-Abitur am Gymnasium macht die Gesamtschule für viele Eltern, deren Kinder mit Gymnasialempfehlung von der Grundschule kommen, noch interessanter.

Wenn man im Bekanntenkreis hört, dass es auf dem Gymnasium nur noch mit Nachhilfe klappt, dann überlegt man sich ganz genau, ob man seine Kinder diesem Druck aussetzen will.” Unter den Schülern, die nicht aufgenommen werden können, seien deshalb immer öfter auch potenzielle Gymnasiasten, deren Eltern für ihre Kinder den neunjährigen Weg zum Abitur bevorzugten, betont Moll.

Das ist an der Heinrich-Böll-Schule in Düren anders. Dort habe man überwiegend schwächere Schüler (insgesamt 44) nicht aufnehmen können, weil es einfach mehr Anmeldungen aus der Leistungsklasse II (Notendurchschnitt in der Grundschule unter 3,0) gab.

Vor diesem Hintergrund wird auch die Einstellung von Schulleiter Hermann Josef Geuenich zur Forderung nach einer weiteren Gesamtschule nachvollziehbar: „Ich bin davon überzeugt, dass dies eine falsche Entscheidung wäre. Wir müssten dafür eine Hauptschule, eine Realschule und ein kleines Gymnasium schließen. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass die neue Schule eine Hauptschule mit anderem Etikett wird.”

Auch Geuenichs Mariaweiler Amtskollege Hans-Willi Stollenwerk hält die Forderung nach einer fünften Gesamtschule im Kreis für zu kurz gegriffen. „Das ist kein Problem, dass wir lokal nicht lösen können”, sagt der Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG).

„Es ist ein Thema für die große Politik. Was wir brauchen, ist eine Schulstrukturreform.” Die AFG ist die einzige der vier Gesamtschulen im Kreis, die nicht fünf, sondern nur vier 5. Klassen hat. Trotz 203 Anmeldungen für die 120 Plätze steht Stollenwerk zu dieser Entscheidung: „Ich bin froh, dass wir uns für Qualität und nicht für Quantität entschieden haben.”

„Ich glaube, man würde nicht am Willen der Eltern vorbeiplanen”, drückt Hermann Josef Gerhards, Leiter der Gesamtschule Niederzier/Merzenich, seine Forderung nach einer weiteren Gesamtschule diplomatisch aus. Er hat für das kommende Schuljahr 51 Kindern absagen müssen.

Und auch Gerhards sieht eine Entwicklung dahin, dass sich immer mehr Eltern von potenziellen Gymnasiasten für die Gesamtschule entscheiden: „Diese Eltern lehnen den G-8-Stress ab und wünschen sich, dass ihre Kinder in Ruhe zum Abitur geführt werden.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert