Anselm Grün: Ein Weisheitslehrer im Mönchsgewand

Von: Christoph Hahn
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Riesenandrang in der Marienkirche: Rund 400 Zuhörer fanden sich zu dem Vortrag von Pater Anselm Grün ein, den Pfarrer Toni Straeten nach Düren eingeladen hatte. Foto: Christoph Hahn

Düren. Geistlicher Lehrer, Sinnstifter, Weisheitslehrer im Mönchsgewand: Diese Begriffe fallen dem Beobachter zu Anselm Grün ein. Eingeladen von Pfarrer Toni Straeten und den Aktiven der Lebens- und Trauerhilfe, hielt der Benediktiner aus dem Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg zuerst ein Seminar in Düren, bevor er am Sonntagmorgen als Prediger das Wort an die Gläubigen richtete.

Zwischendurch fand der Ordensmann am Samstagabend noch Zeit, rund 400 Zuhörern in der Marienkirche seine Weltsicht zu präsentieren, mit ihnen zu diskutieren und Bücher zu signieren.

Anselm Grün ist beliebt; seine Worte werden von den Menschen im Kirchenraum aufgesogen wie Wasser von einem Schwamm. Während der 69-jährige Pater mit den langen Haaren und dem Rauschebart spricht, herrscht jene konzentrierte Stille, die jeden Lehrer glücklich macht.

„Themen, die immer wieder zur Sprache kommen“, rückte Pater Anselm in den Mittelpunkt, unter anderem thematisierte er den Burnout. Dabei zeigte sich direkt das Lebensnahe und -praktische, das bei Grün immer neben dem Theologischen steht. Denn zum einen sieht der katholische Priester die Ursachen des Burnouts darin, „dass Menschen aus trüben Quellen und nicht aus denen des Heiligen Geistes schöpfen“. Zum anderen benannte er die Fremdbestimmtheit des Lebens als Wurzel des Übels und beschrieb dieses Gefühl mit dem Satz: „Die Erwartungen, die zerreißen mich.“

Die Fremdbestimmtheit führe auch dazu, dass Betroffene „zu viel Energie für die Erhaltung der Fassade brauchen“. In diesem Zusammenhang plädierte der erfahrene Begleiter von Menschen in Krisensituationen dafür, das Gefühl der Müdigkeit, das Erkrankte vielfach empfinden, zuzulassen. Selbst hat sich der Seelsorger dafür ein Ritual ausgedacht: „Ich lege mich eine Viertelstunde aufs Bett und genieße die Müdigkeit.“ Darüber hinaus sei die Müdigkeit ein wichtiger Indikator: Sie könne bedeuten, dass Körper und Seele „sich das holen, was sie brauchen“, also ein Defizit anzeigen.

Auch an anderer Stelle verknüpfte Anselm Grün Theologie und Mystik mit der Wirklichkeit: „Immer wieder, wenn sie in der Pfarrgemeinderatssitzung müde werden, zeigt das, dass Sie über die falschen Themen reden.“

Ob es nun um das Betrauern verpasster Lebenschancen oder geliebter Menschen ging: Immer wieder gab der populäre Pater, der auch den Umgang mit Schicksalsschlägen unter die Lupe nahm, Ratschläge – und das in einer zugänglichen Sprache. „Es gibt keine Liebe ohne Verletzungen“, merkte er an und rief seinen Zuhörern zu: „Wir sollten dankbar sein, wenn die Seele rebelliert.“

Ganz nebenbei verriet er noch etwas: Seine längst verstorbene Mutter kam aus Dahlem. Der Mann im schwarzen Mönchskleid der Benediktiner ist ein halber Eifeler. Vielleicht ist die Nähe der Kreisstadt zur Eifel ja auch der Grund, warum Anselm Grün nicht zum ersten Mal in Düren zu Gast war.

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