Anne Franks Schriften: Lesung mit Schauspielerin Pegah Ferydoni

Von: Anke Holgersson
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Pegah Ferydoni (rechts) las aus Anne Franks Tagebuch und ihren Briefen und Geschichten. Die Musikerinnen Lauma Skride (Klavier) und Franziska Hölscher (Violine) spielten Werke, deren Aufführung während der NS-Zeit verbotenen war. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Mit Schreiben werde ich alles los. Mein Kummer verschwindet, mein Mut lebt wieder auf. Aber, und das ist die große Frage, werde ich jemals etwas Großes schreiben können?“, fragte Anne Frank sich in ihrem berühmten Tagebuch, aus dem die Schauspielerin Pegah Ferydoni (bekannt aus der Fernsehserie „Türkisch für Anfänger“) im Haus der Stadt las.

Die Antwort lautet: Ja, Anne Frank hat etwas Großes geschaffen, eines der bewegendsten Zeitdokumente über ein menschliches Schicksal in einer Zeit von Unterdrückung und Verfolgung. Zu verdeutlichen, dass Annes Schriften auch eine große frühe literarische Leistung sind, war der Anspruch bei der Veröffentlichung der erst 2013 erschienenen Gesamtausgabe von Anne Franks Schriften, die der musikalischen Lesung ‚Anne Frank. Ein Mädchen schreibt Geschichte‘ zugrunde lag.

Pegah Ferydoni las aus Anne Franks Tagebüchern sowie aus ihren Briefen, in denen sie sich zum Beispiel philosophisch über das Wesen des Menschen äußert, dem es partout nicht gelingen will, anzuerkennen, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Glück haben. Franziska Hölscher an der Violine und Lauma Skride (Klavier) begleiteten die Rezitation musikalisch, indem sie Werke verbotener Komponisten aus Anne Franks Zeit, den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, spielten.

Das Schicksal von Anne Frank kennen die meisten Menschen. Die junge deutschstämmige niederländische Jüdin versteckte sich mit ihrer Familie und einigen Freunden von 1942 bis 1944 in einem nur 60 Quadratmeter großen Amsterdamer Hinterhaus. Dann wurden sie verraten und schließlich in Konzentrationslager gebracht, wo die meisten von ihnen getötet wurden.

Annes Vater überlebte und veröffentlichte die Tagebücher seiner Tochter. In ihrer Zeit im Hinterhaus schrieb Anne unermüdlich Tagebuch. Sie ist 13 Jahre alt, als sie ihre ersten Briefe an die erfundene Freundin Kitty richtet. Sie vertraut ihr an, was sie bei ihren Mitbewohnern im Hinterhaus beobachtet: Liebe, Neid, Großzügigkeit, Lagerkoller, Eitelkeit, Hoffnungslosigkeit, Freude. Anne Frank war eine begnadete Beobachterin, die in der Lage war, das, was sie sah, in mitreißende Literatur zu verwandeln.

Pegah Ferydoni gelang es zum einen, die Zuschauer teilhaben zu lassen an Anne Franks Welt: An der Enge, die das Mädchen mit Humor und Fantasie zumindest zeitweise überwinden kann. Zum anderen machte ihr Vortrag deutlich, wie literarisch und philosophisch talentiert diese junge Autorin, die ihr Werk im Alter von 13 bis 15 Jahren schrieb, war.

Die Auswahl der musikalischen Werke passte gut zu Anne Franks Geschichte und ihren Gefühlen zwischen Eingesperrtsein und sich Herausträumen. Sehnsuchtsvoll, zuweilen dissonant-modern für die damalige Zeit, an manchen stellen heiter und leicht zeigten sich die Musikstücke der einst verfemten Komponisten.

Wer im Haus der Stadt war durfte erleben, wie unverstaubt Annes Beobachtungen über menschliche Schwächen sind. Sie drückte aus, was auch heute noch junge Menschen in der Zeit ihres Erwachsenwerdens empfinden. Ferydonis Vortrag kam an keiner Stelle betulich oder moralisierend daher. Er war einfach voller Sympathie für eine bezaubernde, schlaue, lustige Anne, der wieder- und teilweise neu zu begegnen, ein lohnendes Theatererlebnis war.

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