Annakirmes: „Sicherheitsgarantie gibt es nicht”

Von: Sarah Maria Berners
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Für den Notfall ist vorgesorg
Für den Notfall ist vorgesorgt: „Trotzdem gibt es kein Konzept, das nicht noch verbessert werden könnte”, sagt Staatssekretär Thomas Rachel. Im Projekt „BaSiGo” soll genau das passieren. Foto: Abels

Düren. „Wir werden kein Programm erstellen können, dass Veranstaltern sagt: ,Wenn Ihr diese Punkte beherzigt, dann kann Euren Besuchern nichts passieren”, sagt André Plischek. „Diese Garantie kann es nicht geben. Aber sie sollen sagen können: ,Wir haben alles Menschenmögliche getan.”

André Plischek ist einer der obersten Feuerwehrmänner in Berlin und als solcher unter anderem zuständig für Großereignisse wie den Christopher-Street-Day zuständig. Jetzt hat der Berliner mit seinen Dürener Kollegen und Projektpartnern aus ganz Deutschland - unter anderem dem Forschungszentrum Jülich, der Bergischen Universität Wuppertal, der Uni Siegen und der Münchener Feuerwehr - die Annakirmes erkundet.

Es war eines der Arbeitstreffen für das Projekt „Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen” (BaSiGo), das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Wachvorsteher Patric Ramacher erläuterte den Teilnehmern, welche Sicherheitsvorkehrungen es auf der Kirmes bereits gibt, und erklärte die Abläufe bei einer Rettungsaktion.

So würde beispielsweise vermieden, dass Krankenwagen über den Platz fahren würden. Stattdessen seien Fußtrupps im Einsatz, die Verletzte zu bestimmten Aufnahmestellen bringen würden. Bei dringenden Durchsagen würden die Pegel der Musikanlagen runtergefahren. Zwölf Brandschützer, rund 20 Rettungskräfte und ein Notarzt seien stets vor Ort, auf zwei Wachen verteilt.

Im nächsten Jahr wollen die Wissenschaftler und Praktiker die Annakirmes genau unter die Lupe nehmen. Sie wollen Besucherströme, Anreiseverkehr, Fluchtwege, Sicherheitskonzepte analysieren und Evakuierungsszenarien durchspielen. Um das vorzubereiten, war es für die Projektpartner wichtig, die Kirmes samt Lageplänen von Fahrgeschäften und Fluchtwegen kennenzulernen. Das Treffen in der Feuerwache und auf dem Platz diente auch dazu, um organisatorische Fragen zu klären, schließlich wollen viele Projektpartner koordiniert werden.

Düren ist unter anderem aufgrund des umfangreichen Erfahrungswissens einer der Projektpartner. Für den Berliner Feuerwehrmann ist Düren aber auch in anderer Hinsicht beispielhaft: „Es gibt hier eine freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. Das spiegelt die Situation wider, die wir in Deutschland in vielen Städten haben.” Die Teilnehmer machten auch deutlich, dass es nicht immer nur um das Katastrophenszenario „Bombendrohung”, sondern auch um die Lenkung der Besucherströme bei Unwettern oder Stromausfällen gehe.

Im nächsten Jahr werden auf der Annakirmes dann auch Messungen angestellt. Außerdem werden die Wissenschaftler des Forschungszentrum in Jülich unter Laborbedingungen mit bis zu 1000 Teilnehmern Szenarien untersuchen.

Daraus wollen sie Simulationsprogramme entwickeln. „Unser Ziel ist es, Großveranstaltungen so zu organisieren, dass es gar nicht erst zu einer hohen Dichte von Menschen und damit zu Gedränge und kritischen Situationen kommt”, sagt Armin Seyfried vom FZJ.
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