Annakirmes: Heftiger Streit im Ausschuss

Von: Jörg Abels
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Das vor allem bei jugendlichen Kirmesfans beliebte Kultgeschäft „Breakdance“ wird 2016 nicht auf die Annakirmes zurückkehren. „Ampel“ und AfD entschieden sich gegen den Stammbeschicker. Foto: Abels

Düren. Sitzungsunterbrechungen, geheime Abstimmungen, verbale Angriffe: In einer nicht-öffentlichen Sitzung, die Teilnehmer im Umgang miteinander als „unterirdisch“ beschreiben, hat der für die Platzvergabe zuständige Steuerausschuss der Stadt Düren am Mittwochabend über die Zulassung der Schausteller zur Annakirmes 2016 entschieden.

Vom früher üblichen Konsens zwischen Verwaltung und Ausschuss sei nicht mehr viel übriggeblieben, hieß es von Ausschussmitgliedern. Lediglich die Spielgeschäfte und Gastronomiebetriebe wurden noch einmütig ausgewählt.

„Platzmeister Achim Greiff bekam nicht einmal die Gelegenheit, seine Überlegungen zur Auswahl der Fahrgeschäfte zu präsentieren und zu begründen“, war CDU-Fraktionschef Stefan Weschke noch am Tag nach der Sitzung erschüttert. Einzig, die von der „Ampel“-Koalition in Kooperation mit der AfD präsentierte Liste sei vom Ausschussvorsitzenden Hubert Cremer (FDP) zur Abstimmung vorgelegt und von der Mehrheit durchgedrückt worden.

Das zeugt von einem tiefen Zerwürfnis zwischen dem Ausschussvorsitzenden und dem Platzmeister, die sich gegenseitig vorwerfen, im Vorfeld Abstimmungsgespräche verweigert zu haben. Hubert Cremer wirft Achim Greiff zudem vor, zu sehr an alten Strukturen festhalten zu wollen, Stammbeschicker zu bevorzugen und dem Ausschuss zu wenige Alternativen vorgeschlagen zu haben.

Greiff hatte zuletzt gegenüber der DZ erklärt, man könne eine „Kirmes nicht auf Links drehen“, nur um möglichst viele Neuheiten präsentieren zu können. Vielmehr sei ein guter Mix aus Neuem und Bewährten und aus verschiedenen Branchen wichtig, der alle Altersgruppen anspreche. Schließlich sei die Annakirmes ein Volksfest für Alt und Jung.

Um attraktiv zu bleiben, müsse eine Kirmes in der Größenordnung von Düren „mit sensationellen Neuheiten aufwarten“, widerspricht Cremer. Man müsse die Kirmes dazu nicht „auf Links drehen“, kontert der FDP-Politiker, man müsse einfach nur „einen fachkundigen, klaren und engagierten Geist für das Wichtige besitzen“. Diese Attribute nimmt er für sich in Anspruch, dem langjährigen Platzmeister, der zum neunten Mal eine Annakirmes geplant hatte, spricht er sie ab.

„Ich bin im vergangenen Jahr auf vielen Volksfesten gewesen, habe mit Schaustellern gesprochen und kenne jedes Fahrgeschäft in Deutschland“, erklärt Cremer. Er habe einzelnen Schaustellern eigenmächtig Zusagen gegeben, die nun von seinen Koalitionskollegen nur noch abgenickt wurden, behauptet Weschke, der sich zudem über die „Ampel“-Kooperation mit der AfD sehr wundert. „Wir haben uns vom guten Stil des Miteinanders verabschiedet“, ärgert sich der CDU-Chef. Er spricht von „politischen Machtspielchen, die auf dem Rücken der Annakirmes, der Schausteller und der Besucher ausgetragen werden“.

Prominentestes Opfer ist das seit Jahren vor allem bei den jugendlichen Kirmesfans hoch im Kurs stehende Rundfahrgeschäft „Breakdance“, das nicht wieder zugelassen wurde. „Warum sollen wir einen Schausteller auswählen, der uns im vergangenen Jahr zugunsten von Düsseldorf den Rücken gekehrt hat“, verteidigt Cremer die Entscheidung. Stattdessen erhielt wie im vergangenen Jahr das Fahrgeschäft „Parkour“ den Zuschlag.

Gegen den Rat der Verwaltung

Das ist nur ein Beispiel. Auch andere Stammbeschicker blieben gegen den Rat der Verwaltung unberücksichtigt. „Beschicker, die zum Teil maßgeblich mit ihren jeweils neuesten Fahrgeschäften und den damit eingegangenen finanziellen Investitionen und Risiken an der positiven Entwicklung der Annakirmes in den vergangenen Jahrzehnten beigetragen haben“, argumentiert Greiff, der auch vor der Gefahr gewarnt hatte, dass die Ausgewogenheit der Platzgestaltung verloren gehe. „Es gibt keine Richtlinie, in der steht, dass Geschäfte regelmäßig wiederkehren müssen“, entgegnet Cremer.

Nachdem die Platzvergabe Mitte Dezember vertagt worden war, hatte bereits die Düsseldorfer Schaustellerfamilie Bruch ihre Bewerbung für die „Alpina-Bahn“ zurückgezogen und sich anderweitig orientiert. Greiff hätte die Großachterbahn gerne wieder nach Düren geholt, weil es nur noch zwei dieser Giganten auf der Reise gibt. Cremer und die Mehrheit des Ausschusses entschieden sich jedoch für eine weiterentwickelte „Wilde Maus“, den sogenannten „Drifting Coaster“.

Cremer spricht von einer von insgesamt zehn Neuheiten, einer Weltneuheit, bei der die Fahrgäste in den Kurven mit sich drehenden und wippenden Gondeln konfrontiert werden. Ein Fahrgeschäft. Dessen Bewerbung war auch Achim Greiff nicht verborgen geblieben war, das er aber bewusst nicht berücksichtigt habe, weil bislang nur Skizzen und keine Fotos vorlägen.

Wie es nach dem offenen Disput zwischen der Kirmesverwaltung und der Steuerausschussmehrheit nun weitergehen wird, ist offen. Achim Greiff macht jedoch schon einmal deutlich, dass die Annakirmes 2016 eine ist, die nicht er, sondern die Steuerausschussmehrheit zu verantworten habe. Und er stellt die Position des Platzmeisters in Frage: „Meine Arbeit kann sich nicht darauf beschränken, Bewerbungen abzutippen und nachher den Platz zu vermessen.“

Für Cremer steht indes fest, dass der 15-köpfige Steuerausschuss auch in Zukunft das entscheidende Gremium sein müsse, dessen Vorgaben die Verwaltung umzusetzen habe. Ein schwer aufzulösender Konflikt. Eine Alternative bringt Rolf Delhougne (CDU) ins Spiel, selber seit Jahrzehnten Mitglied des Steuerausschusses. Er schlägt die Gründung einer GmbH vor, die für die Planung und Umsetzung der Annakirmes verantwortlich wäre. Dabei denkt er nicht etwa an eine Privatisierung des Volksfestes, sondern an einen städtische Tochtergesellschaft mit Experten.

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