Annahaupt kehrt auf einer Glocke heim

Von: Burkhard Giesen
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In der Metall-Gießerei in Stolberg-Atsch wurde auch eine Kirchenglocke gegossen. Heute erinnert allerdings kaum noch etwas an den Betrieb. Foto: Archiv

Düren. Noch hat sie ihren Platz in der Dürener Annakirche nicht gefunden. Und wie sie genau klingt, hat Pfarrer Hans-Otto von Danwitz auch noch nicht testen können. Rund 25 Kilo ist die 36 Zentimeter große und 33,5 Zentimeter breite Glocke schwer, die aus dem Jahr 1510 stammt und für Düren eine Besonderheit darstellt.

Sie zeigt eine Dürener Wallfahrtsmedaile mit dem Annahaupt. Dabei dürfte es sich um die einzig bekannte Abbildung dieser Medaille handeln.

Aufmerksam auf die Glocke wurden Pfarrer Hans-Otto von Danwitz und Dr. Anne Krings vom Dürener Stadtmuseum durch einen Hinweis aus dem Leopold-Hoesch-Museum. Der Wiener Kunsthändler Reinhold Hofstätter hatte die Glocke dem Hoesch-Museum angeboten. Museumschefin Dr. Renate Goldmann leitete die Anfrage dann ans Stadtmuseum weiter. „Für mich war sofort klar, dass diese Glocke nach Düren gehört“, sagt von Danwitz.

Die Glocke hatte sich zuletzt in Privatbesitz des Wiener Sammlers Professor Dr. Georg Wagner befunden, dessen Nachlass nun von dem Kunsthändler Hofstätter angeboten wird. Dabei ist die Historie der Glocke noch bis heute nachvollziehbar. Sie wurde 1510 in Innsbruck von Peter Löffler gegossen, der im Dienste von Kaiser Maximilian I. eine Glocken- und Geschützgießerei betrieb. Teil der Glocke ist die Wallfahrtsmedaille, die zwischen 1501 (der Ankunft des Annahauptes in Düren) und 1510 entstanden sein muss. „Die Wallfahrtsmedaille muss von einem Pilger in Düren gekauft worden und nach Österreich gelangt sein“, vermutet Dr. Anne Krings vom Stadtmuseum. „In der Innsbrucker Werkstatt wurde die Medaille dann bei der Vorbereitung zum Glockenguss in die Gussform gedrückt und somit auf der späteren Glocke abgeformt.“

Für Krings ist das ein „eindeutiges Zeugnis der hohen überregionalen Bedeutung der Dürener Annawallfahrt“ – und zwar schon kurz nach der Ankunft des Annahauptes. Auch von Danwitz weiß, dass die Annaverehrung damals sehr ausgeprägt war. Wie die Medaille den Weg von Düren nach Österreich gefunden hat, ist nicht ganz klar. Allerdings gibt es einen Hinweis. In Auftrag gegeben wurde sie von einem Erzpriester von Calepio bei Bergamo. Sein Siegel schmückt auch die Glocke. Von Danwitz und Anne Krings gehen deshalb davon aus, dass dieser Erzpriester in Düren gewesen sein könnte und die Medaille in seine Heimat nach Österreich mitgenommen hat. Anne Krings: „Die Glocke stellt für die Dürener Geschichte ein einzigartiges kulturhistorisches Artefakt dar. Mit dem Ankauf der Glocke gelangt zudem die einzig bekannte Wiedergabe dieser ersten Wallfahrtsmedaille nach Düren.“

Allerdings ergeben sich daraus auch gleich zwei Probleme, die Pfarrer Hans-Otto von Danwitz noch lösen muss. Zum einen geht es dabei um die Frage, wo die Glocke künftig sicher verwahrt werden kann. Von Danwitz: „Vor vier Wochen haben Unbekannte versucht, ein Bronze-Kreuz aus dem Annaschrein herauszubrechen.“ Und sind Gott sei Dank gescheitert. Soll aber heißen: sie kann nicht einfach unbeaufsichtigt ausgestellt werden. Deshalb dürfte sie auch frühestens zur Annaokatv präsentiert werden, wenn gleichzeitig der geöffnete Annaschrein samt Reliquie bewacht wird.

Das andere weltliche Problem: Die Glocke konnte zwar für 10.000 Euro erworben werden, finanziert ist sie aber noch nicht. Pfarrer von Danwitz: „Wir überlegen jetzt gemeinsam mit dem Stadtmuseum, wie wir das Geld aufbringen können. Einen Teil können wir selbst beitragen, wir hoffen aber auch auf Privatspender und Institutionen, die uns unterstützen.“

Spendenkonto St. Lukas, Sparkasse Düren, IBAN DE20 3955 0110 0000 6133 72, Stichwort Annaglocke.

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