Anna-Oktav: Zwischen revolutionären Gedanken und Tradition

Von: Stephan Johnen
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Pfarrer Hans-Otto von Danwitz
Pfarrer Hans-Otto von Danwitz sprach mit der DZ über die Oktav. Foto: Johnen

Düren. „Die Welt auf den Kopf gestellt” - so ist die Anna-Oktav, die Ende der Woche beginnt, überschrieben. „Es geht um Aufbruch”, sagt Pfarrer Hans-Otto von Danwitz im Gespräch mit unserer Zeitung. Um einen Aufbruch in eine friedlichere, gerechtere Welt - aber auch um Aufbruch in der Kirche.

Wieder einmal? „Es ist ein Aufbruch aus der Krise der Kirche”, sagt von Danwitz. Die Oktav soll dazu Denkanstöße geben, neue Perspektiven eröffnen.

„Es gibt derzeit durchaus revolutionäre Gedanken”, greift Hans-Otto von Danwitz beispielsweise die österreichische Pfarrerinitiative und die öffentliche Diskussion darüber auf, ob Geschiedene wieder zur Kommunion zugelassen werden sollen, auch wenn sie wieder heiraten. Auch die These, dass Wortgottesfeiern ein Ersatz für die Messe sind, wird als Verlautbarung der Kirche als revolutionär empfunden.

Mit Blick auf das kirchliche Leben sieht der Regionaldekan allerdings zwei Seiten einer Medaille. Auf der einen Seite gebe es Bemühungen, Neuerungen zu diskutieren und einzuführen, die Leitung von Pfarren demokratischer und synodaler zu gestalten. Und auf der anderen Seite gebe es konservativere Tendenzen.

Veränderung sei prinzipiell von vielen Gläubigen gewünscht. „Nur springen wenige Leute darauf an”, sagt von Danwitz. Oder zugespitzt formuliert: „Sobald alle spüren, dass es so nicht mehr weitergehen kann, darf sich plötzlich nichts mehr ändern.” Hans-Otto von Danwitz spricht von einer Selbstblockade der Reform, die manchmal zu beobachten sei. Generell sei das Bistum Aachen, „in dem viel ausprobiert und zugelassen wird”, aber mit seinem Dialogprozess auf einem guten Weg, findet der Pfarrer.

Die Tendenz, sich wieder eine konservativere Kirche zu wünschen, begründet er mit Verunsicherung der Gläubigen - aber auch der Priester. „Manchmal ist es schwer zu erkennen, was getan werden muss und wer es tun muss”, sagt von Danwitz. Das letzte Wort habe dann meist der Pfarrer. Dass es nicht so sein muss, zeigten die Beschlüsse zur Umsetzung des Kirchlichen Immobilienmanagements in St. Lukas, die von den verantwortlichen Laien-Gremien mit entwickelt und getragen wurden und umgesetzt werden.

Doch sind diese Entschlüsse nicht umstritten, wie die Gründung eines Vereins zum Erhalt der Bonifatiuskirche zeigt? Herrscht statt Aufbruchsstimmung nicht Untergangsstimmung?

Die Entschlüsse seien die Umsetzung des zuvor erarbeiteten Pastoralkonzepts, unterstreicht Hans-Otto von Danwitz. Und ja, es handle sich auch in diesem Fall um einen Neuanfang. „Eine relativ kleine Gruppe will eine Tradition aufrecht erhalten”, sagt von Danwitz. „Aber gleichzeitig wird so verhindert, dass sich Neues entwickeln kann.”

So gebe es durchaus Überlegungen, das Haus der Begegnung weiter zu nutzen und auch einen Sakralraum zu erhalten. „Ein echter Aufbruch in Bonifatius ist eine Chance, die Gemeinde wieder zu öffnen.” Die Kräfte würden gebündelt. Gleiches geschehe in anderen Gemeinden. „Irgendwann müssen wir uns auf den Weg machen”, sagt von Danwitz.
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