„Anmut und Arabeske”: Die Kamera wird zum Pinsel

Von: Beate Weiler-Pranter
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Während Betin Günes selbst v
Während Betin Günes selbst vergessen am E-Piano improvisierte, fingen Arnd Richter (l.) und Matthias Hage die intensive Stimmung mit der Kamera ein. Foto: bwp

Heimbach. „Den Himmel auf die Erde holen.” Solche Sätze sagen entweder frisch Verliebte. Oder Enthusiasten, die sich mit Leib und Seele der Fotografie verschrieben haben. Im Sonderprogramm der Internationalen Kunstakademie Heimbach gestaltete der 1961 in Hamburg geborene Foto-Künstler Martin Timm erstmals den dreitägigen Kurs „Anmut und Arabeske.”

Gemeinsames Ziel war es, von Musik ausgelöste Emotionen fotografisch festzuhalten.

Für dieses spannende Experiment konnte Akademie-Direktor Professor Frank Günter Zehnder auch den türkischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten Betin Günes begeistern. In freier Natur - manchmal mitten im Wald - intonierte der weltweit gefeierte Musiker die Klänge von Claude Debussys „Arabesques” und spielte eigene Kompositionen.

Auf der Tastatur seines E-Pianos zauberte er atmosphärische Stimmungen, die von den Kursteilnehmern in fotografische Bilder umgesetzt wurden. Mit extrem langen Belichtungszeiten von bis zu acht Sekunden bewegten sich die Fotografen mit ihrer Kamera zum Metrum der Musik. So wurde selbst eine im Wald achtlos weggeworfene Goldfolie zum irisierenden Zaubervogel. Lichtreflexe, die durch das dichte Laubwerk schimmerten, verwandelten sich durch die von der Musik getragenen, langsamen Kameraschwenks in anmutig fliegende Fabelwesen.

Figuren verschwimmen

Selbst feste Konturen verschwimmen bei dieser Aufnahmetechnik zu stimmungsvollen Bildern, die an die Malerei der frühen Impressionisten erinnern. „Durch diese Technik wird die eigene Kamera zum Pinsel. Alles schwebt”, schilderten die Teilnehmer abschließend ihre intensiven Erfahrungen während des dreitägigen Kurses.

Es sei ein absolutes Glücksgefühl, solche Fotos zu „finden”, formulierte Matthias Hage, der sich schon seit Jahren mit Fotografie auseinandersetzt. Doch im Gegensatz zu anderen Kursen wurde während des Heimbacher Seminars nichts am Computer geschönt. Bei diesem Workshop hieß es: Einfühlen und auslösen.

„Bilder sind dafür da, Brücken zu füllen, die Worte nicht bringen”, präzisierte Kursleiter Martin Timm die intensive Zusammenarbeit. Joachim Höhne (53), der für diesen Kurs eigens aus München nach Heimbach gekommen war, zeigte sich fasziniert von Timms philosophischen Ansatz der Fotografie.
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