Düren - Angebote für Ältere: Zu zentral, zu schlecht erreichbar

Angebote für Ältere: Zu zentral, zu schlecht erreichbar

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Seniorenratsvorsitzener Karl-Heinz Pakulat (Mitte) und seine Stellvertreter Peter Vogt (l.) und Jürgen Meier hoffen, dass die Erkenntnisse aus ihrer Fragebogenaktion nicht nur in irgendwelchen Rathaus-Schubladen verstauben. Sie sind sich einig: „Es besteht Handlungsbedarf.” Foto: Johnen

Düren. Vielleicht hat die neue NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens vor ihrer Forderung, die Lebensqualität der Senioren in ihren Wohnvierteln zu verbessern, mit dem Dürener Seniorenrat telefoniert. Die Städte im Land nehmen nicht genug Rücksicht auf Ältere, sagt Steffens beispielsweise.

Die Stadtplanung werde zu wenig aus dem Blickwinkel älterer Menschen gesehen, es gebe viel zu wenig seniorengerechten, also barrierefreien Wohnraum. „Senioren wollen selbstbestimmt und selbstbewusst leben”, bilanziert die Ministerin. Doch wo ist da die Neuigkeit versteckt?

1700 Fragebögen ausgewertet

Vor einem Jahr schon kam eine Umfrage des Dürener Seniorenrates zu ähnlichen, ja gleichen Ergebnissen. „Die Senioren wollen so lange wie möglich selbstbestimmt leben”, fasst Karl-Heinz Pakulat, der Vorsitzende des Gremiums, das Ergebnis zusammen. Nur die Infrastruktur gebe das oft nicht her. 2500 Fragebögen wurden verteilt, 1700 kamen zurück und wurden von den Ehrenamtlern ausgewertet. Seitdem liegen sie in den Schubladen der Verwaltung. Und drohen, dort vergessen zu werden, befürchtet Pakulat. Mit allen Kritikpunkten, mit allen Hinweisen auf Verbesserungen. „Es wäre schon einmal ein Anfang, wenn Politik und Verwaltung mal einen Punkt unserer Umfrage anpacken”, sagt der Vorsitzende. Vielleicht bringt ja die Initiative der Ministerin etwas Schwung in die Sache.

Auf jeden Fall bestehe Handlungsbedarf, finden Karl-Heinz Pakulat und seine Stellvertreter Peter Vogt und Jürgen Meier. Das Ergebnis der Umfrage müsse dabei aber sehr differenziert betrachtet werden. Den Senioren gibt es ebenso wenig wie das Problem. Beispiel Einkaufsmöglichkeiten: Während es in der zentralen Innenstadt keinen großen Aufwand verursache, auf ein großes Sortiment zurückzugreifen, sehe das in den Ortsteilen schon anders aus. „In Birgel und Derichsweiler gibt es heute fast nichts mehr”, nennt Peter Vogt ein Beispiel. Ohne eigenes Auto seien viele Senioren dort in ihrer Mobilität sehr eingeschränkt. Die Fahrt mit dem Bus sei „für viele Rentner sehr teuer”, und auch die Taktung der Fahrpläne erleichtere das Einkaufen nicht gerade. Das gleiche Problem gebe es bei Beratungsangeboten, die meist zentral in der Innenstadt angeboten werden, und auch bei Ärzten. Eine Möglichkeit, die Versorgung in den einzelnen Stadtteilen zu verbessern, könnte aus Sicht der Senioren ein mobiles Angebot sein. Das Bürgeramt würde dann beispielsweise montags, die Verbraucherzentrale dienstags und der Arzt mittwochs Dienste dezentral im Stadtteil anbieten. „Das Problem auf Dauer ist, dass sich in Düren beinahe alles in der Innenstadt ansammelt. In den Stadtteilen dünnt sich das Angebot stetig aus”, urteilt Jürgen Meier.

Gleiches gelte auch für das kulturelle Angebot. „Senioren aus anderen Ortsteilen kommen vielleicht zu einer Veranstaltung hin - aber die Rückfahrt wird schon zum logistischen Akt”, sagt Karl-Heinz Pakulat. Das größte Manko liege jedoch an anderer Stelle. „Das kulturelle Angebot in Düren ist reichhaltig”, sagt Pakulat, „aber für einen normalen Rentner oft nicht erschwinglich.” Die Mitglieder des Seniorenrates erlebten immer wieder, dass viele Senioren jeden Pfennig umdrehen müssen. Daher regt das Gremium an, analog zum Ticket für Hartz-IV-Empfänger, auch eine Buskarte für die ältere Generation einzuführen. „Auch bei den Senioren manifestiert sich die Zweischichtengesellschaft”, bedauert Jürgen Meier.

Diese Spaltung offenbare sich auch bei der Versorgung. Einen Platz bei Angeboten des betreuten Wohnens beispielsweise könnten sich nur die Wenigsten aus eigener Tasche leisten. Auf der anderen Seite habe die Umfrage ergeben, dass der Wille bei Vermietern, Wohnungen seniorengerecht umzubauen, nicht allzu groß ist. „Die Stadt sollte die Initiative ergreifen und ein Projekt für alternative Wohnformen entwickeln”, findet Karl-Heinz Pakulat.

In naher Zukunft will der Seniorenrat nun seine Umfrage nutzen, um zunächst exemplarisch einen Stadtteil genau zu analysieren.

Mit eigenem Büro im Rathaus vertreten

Der Seniorenrat der Stadt Düren hat 24 direkt gewählte Mitglieder. Das Gremium hat in allen Ausschüssen beratende Funktion und soll die Mitwirkung der älteren Generation an der politischen Willensbildung stärken.

Das Büro im Rathaus ist montags bis freitags von 9.30 bis 11.45 Uhr besetzt. Dort stehen jeweils zwei Mitglieder des Gremiums als Ansprechpartner zur Verfügung. Das Büro ist erreichbar unter 02421/252055.

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