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Andrea Nahles besucht Dürener Berufsförderungswerk

Von: Anne Wildermann
Letzte Aktualisierung:
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Selbstversuch: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und der Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan (SPD) trugen Simulationsbrillen, mit denen beide nur sehr eingeschränkt sehen konnten. Foto: Wildermann

Düren. Mit sachten Schritten lief Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) den Flur des Berufsförderungswerkes zur beruflichen Rehabilitation Blinder und Sehbehinderter in Düren entlang. In ihrer rechten Hand hielt sie einen Blindenstock. Sie sah kaum, wo sie lang lief, weil sie eine spezielle Simulationsbrille trug.

Hinter ihr, mit der gleichen Ausstattung, ging der Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan (SPD). Beide besuchten am Freitagnachmittag die Einrichtung, um sich einen Eindruck von der Arbeit zu machen und mit Rehabilitanden zu sprechen.

Andrea Nahles wurde von Wolfram Siebert, der beim Berufsförderungswerk arbeitet, in einen Raum geführt und nahm an einem Tisch Platz. Vor ihr standen einige Alltagsgegenstände wie ein Glas, ein Tetrapack Saft und eine Flasche Wasser. Langsam goss sie Wasser in das Glas, bis ein schriller Warnton erklang.

Den sendete ein kleines gelbes Messegerät aus, damit das Wasser aus dem Glas nicht überlief. „Das war eine sehr anstrengende Erfahrung“, sagte Nahles, nachdem sie Blindenstock und Simulationsbrille wieder abgegeben hatte. „Plötzlich macht sich ein Gefühl von Unsicherheit breit“, ergänzte sie.

Vor dem Selbstversuch sprach die SPD-Politikerin in einer kleinen Diskussionsrunde mit Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Zeißig über die Möglichkeit von medizinischen Rehamaßnahmen in dem Förderungswerk. „Wer eine OP an der Hüfte hatte und eine neue bekommt, hat auch die Möglichkeit, eine Reha im Anschluss zu machen. Das muss auch für Menschen möglich sein, die plötzlich sehbehindert sind“, sagte Zeißig.

Kronkreter Fall: Eine 31-jährige Lehrerin ist in diesen Sommerferien vom Pferd gefallen, weil dieses scheute. Dabei traf der Huf des Tieres sie so heftig am Kopf, dass sie erblindet ist. „Nach den Ferien sollte sie eine Schule leiten, als eine der jüngsten in NRW“, erklärte Zeißig. Er appellierte an Nahles, dass sie ein Modellprojekt entwickeln solle, das Betroffenen sehr früh helfe und nicht erst viele Jahre später, damit sie in ihren alten Beruf zurückkehren und nicht in ein tiefes Loch fallen „und deshalb psychisch erkranken“, sagte Zeißig.

„Es gibt da anscheinend eine Gesetzeslücke, die man schließen kann. Ich muss mich dafür noch mit dem Bundesgesundheitsministerium auseinandersetzen, mit den Krankenkassen und der Rentenversicherung“, sagte sie. Dennoch, versicherte sie, sei sie „Feuer und Flamme“ für die Idee.

Monika Blankefort (30) hatte keine Hilfe, nachdem sie sehbehinderte wurde. „Das Arbeitsamt wollte mich in eine Behindertenwerkstatt schicken. Aber das wollte ich nicht. Nur durch eigene Recherchen bin ich auf das Berufsförderungswerk gestoßen. Hier schule ich um und beginne demnächst ein Praktikum in einer Seifenmanufaktur und werde eventuell übernommen“, erzählte sie. Früher arbeitete sie mit Senioren zusammen. Nach dem Besuch ging es für Nahles weiter zur Low-tec.

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