Analphabetismus: Initiative öffnet neues Kapitel der Leseförderung

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Leseförderung wie aus dem Bil
Leseförderung wie aus dem Bilderbuch: Vorlesen ist der erste Schritt, um Kinder mit dem Medium Buch vertraut zu machen. Foto: Johnen

Düren. Analphabetismus ist nicht gerade ein Thema, das man seinem Sitznachbarn im Zug unter die Nase reibt. Die Chance, mit einem Leidensgenossen ins Gespräch zu kommen, ist jedoch recht hoch: 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland sind funktionale Analphabeten.

Sie können zwar Sätze lesen und auch schreiben. Aber zusammenhängende Texte verstehen sie nicht. Eine Studie ergab zuletzt: Die Zahl der Analphabeten ist doppelt so hoch wie bisher angenommen - eine besorgniserregende Entwicklung.

Dabei handelt es sich nicht um ein statistisches Problem: „Wer nicht über gute Lese- und Schreibkenntnisse verfügt, landet beruflich wie privat auf dem Abstellgleis”, sagt Dr. Elke Fettweis. Für die Betroffenen bedeute Analphabetismus zunehmend eine Zukunft ohne Perspektiven, für die Gesellschaft gehe es um Menschen, „die über Jahrzehnte für viel Geld von der Solidargemeinschaft versorgt werden müssen”. Die Dürener Verlegerin hat daher mit der Literaturpädagogin Manuela Hantschel die Initiative „Ausbildungschance Düren” (ABC) gegründet. Das Thema Analphabetismus soll enttabuisiert werden, die Initiatorinnen wollen ein Netzwerk zur Leseförderung knüpfen.

„Wir brauchen ein Wir-Gefühl in Sachen Bildung”, sagt Manuela Hantschel. Was fehle, sei ein Bewusstsein dafür, dass Lesen in unserer hoch technisierten und spezialisierten Welt die Basis jedweden weiteren Lernens ist. Zumal die Anforderungen in allen Berufen immer weiter steigen. „Man kann Lesekompetenz nicht allein auf die Schultern der Schulen abladen. Es ist Aufgabe aller, denn alle profitieren davon”, führt Elke Fettweis aus. Die Arbeit der Initiative soll in der Stadt daher ein möglichst breites Fundament gestellt werden.

Bereits heute unterstützen die Stadtbibliothek, der Verein City-Marketing, die St.-Angela-Schule, die Stadt Düren und Unternehmer Jürgen Roßkamp Manuela Hantschel und Elke Fettweis. „Es wird immer schwerer, qualifizierte AusWeitere Partner und Sponsoren aus Kirche, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Handwerksbetrieben seien jederzeit willkommen.Genauso Anregungen und Ideen. „Im Stillen passiert in Düren bereits ganz viel”, sagen die Initiatorinnen. Diese Kräfte sollen gebündelt werden. Der Grundsatz von ABC lautet: Je mehr Köpfe sich Gedanken machen, desto mehr Ideen entstehen auch.

Mit einem Wettbewerb möchte die Initiative das Thema Analphabetismus ins Gespräch und zugleich viele Mitstreiter an einen Tisch bringen. Zum bundesweiten Tag des Vorlesens am 18. November sind alle Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen (bis zur 10.Klasse) eingeladen, sich ab dem 1. Juni mit einem Projekt zur Leseförderung zu bewerben. Einsendeschluss ist der 7. November (siehe Infokasten), zu gewinnen gibt es Workshops mit Autoren.

Wie ein solches Projekt aussehen könnte? „Es gibt in vielen Schulen wunderbare Bibliotheken. Aber kaum ein Schüler leiht sich Bücher aus”, beschreibt Elke Fettweis einen Ansatz für ein Projekt. „Bücher müssen erschlossen werden”, sagt sie. Gefragt sei die richtige Anleitung dazu. Je früher, desto besser. Eine Leseförderung setze nicht nur bei den Kindern an. Die Eltern sind es, die als Vorbilder zum Buch greifen - und auch die Großeltern, die ihren Enkeln etwas vorlesen.

Kindern und Jugendlichen soll das „lustbetonte Lesen” schmackhaft gemacht werden. „Leseförderung ist Lebensförderung”, ist Manuela Hantschel überzeugt. Zugleich sei die Förderung auch eine Investition in die wirtschaftliche Zukunft der Stadt und ihrer Bewohner. Mit dem Wettbewerb hat die Initiative ein neues Kapitel aufgeschlagen, weitere Aktionstage sollen folgen. Das Buch „Leseförderung” wird so schnell nicht aus der Hand gelegt.

Wettbewerb: Ab 1. Juni bewerben

Zum bundesweiten Vorlesetag am 18. November 2011 hat die Initiative einen Wettbewerb ausgelobt. Ausgezeichnet werden sollen Projekte zur Leseförderung.

Alle Unterlagen zum Wettbewerb gibt es ab 1. Juni als Download im Internet.

Weitere Informationen zur Initiative und zum Wettbewerb erteilen Dr. Elke Fettweis (E-Mail: post@dix-verlag.de oder Tel. 02421/501889) und Manuela Hantschel (E-Mail: manuela.hantschel@t-online.de oder Tel. 02464/7125).

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert