Anästhesie: Ein junges Fach der Medizin stellt sich vor

Von: Thomas Vogel
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Kein Grund zur Angst: Tim (7)
Kein Grund zur Angst: Tim (7) lässt sich von Anästhesist Dr. Detlef Struck (l.) und dem angehenden Rettungssänitäter Andreas Weitz nur zeigen, wie Notfall-Patienten im Krankenwagen versorgt werden. Foto: Vogel

Düren. Eine junge medizinische Disziplin ist es, die Anästhesie. Vor gerade einmal 166 Jahren hat ein Zahnarzt sie quasi aus der Taufe gehoben. „Das war damals ein Knaller für die Medizin, einen betäubten Patienten zu operieren”, erzählt Dr. Detlef Struck begeistert.

Der Anästhesist des Krankenhauses Düren und ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Kreis Düren steht in seinem weißen Kittel mitten in der Fußgängerzone, als er einen Schlenker durch die Geschichte seines Fachs unternimmt. Zum Jubiläum hat die Zunft viele Aktionen gestartet, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen - meist in den Krankenhäusern. Struck und seine Kollegen haben sich für die Straße entschieden.

Alleine sind sie nicht gekommen. Die Feuerwehr Düren, der Malteser Hilfsdienst und das DRK sind mit von der Partie. Denn: „Patienten kann man heute nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit behandeln”, erklärt Struck. Das gilt eben auch für die Notfall-Medizin, die zur Arbeitswelt eines Anästhesisten dazugehört. Und genau die präsentieren die Rettungssänitäter, Ärzte und Helfer in der Innenstadt. Überhaupt muss ein Anästhesist mehr können, als Patienten zu betäuben. Der Beruf ruht auf vier Säulen.

Die Anästhesie-OP als erste Säule, in die das klassische Betäuben fällt. Die Intensivmedizin stellt die zweite Säule. Zu ihr gehören zum Beispiel die Stabilisierung von Vitalparametern oder die Beatmung. Die Notfallmedizin als dritte Säule kann jeder interessierte Spaziergänger in der Kölnstraße erleben. In der Schmerztherapie, der vierten Säule, sind die Spezialisten genauso zuhause wie in der Palliativmedizin. Die aber ist offiziell noch nicht zur fünften Säule erhoben.

Seit der Entstehung des Fachs im 19. Jahrhundert und der Etablierung im Deutschland der 60er Jahre hat sich viel getan. Kopfmäßig sind die Anästhesisten mit eines der größten Teams im Krankenhaus. „Wir organisieren gern”, sagt Dr. Struck. Operationen, Rettungsdienst, perioperatives Management und selbst die Vorstellungs-Aktion: Alles läuft unter Anästhesisten-Regie.

Im weißen Zelt liegt nicht nur typisches Anästhesisten-Werkzeug aus, um einen Eindruck vom technischen Faktor des Berufsstandes zu vermitteln. Die Puppe am Boden wird genutzt, um Besucher über die Laienreanimation aufzuklären, die den Ärzten am Herzen liegt. Ersthelfer sollen lernen, wie sie im Notfall reagieren müssen, um Opfer zu retten. In diesem Rahmen ist auch die Aktion Telefonreanimation zu sehen, bei der Erstretter vor Ort telefonisch Hilfe von der Leitstelle bekommen.

In Düren begann die Geschichte der Anästhesie 1967. Das sagt Dr. Hans-Heinrich Krause und er muss es wissen. Schließlich war es der heute 83-Jährige höchstselbst, der das Fach in die Region gebracht hat. „Wir sind damals durch den ganzen Kreis gefahren, um moderne Anästhesie einzuführen. Narkosen wurden damals von Schwestern mit Äther durchgeführt”, erinnert er sich.

Begonnen hatte Krause mit einer Ordensschwester, die damals bereits über 70 Jahre alt gewesen war, und zwei von ihm angelernten Pflegern. Weil er zu dieser Zeit der Einzige des Fachs war, befand er sich Tag und Nacht in Bereitschaft und konnte - Handys waren noch nicht erfunden - das Haus nicht verlassen.
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