An diesem Tag bleiben Mädchen unter sich

Von: chh
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Auch Mädchen können eine sta
Auch Mädchen können eine starke Rechte zeigen: Die Schülerinnen Christiane Herrmann, Julia Helme und Lara Rudorf (v.l.) trainierten beim Mädchentag mit der Dürener Boxlegende Ernst Müller. Foto: Handschuhmacher

Düren. Immer schön die Deckung oben halten. Das hat Christiane Herrmann gelernt. „Und links, rechts und wieder links. Und Pause”, ruft Boxtrainer Ernst Müller, nachdem die Mädchen mit ihren in Handschuhen sicher verpackten Fäusten auf den Sandsack eingedroschen haben. Ist Boxen nicht eher was für Jungs?

Müller schüttelt den Kopf: „Warum sollten Mädchen das nicht genauso können?” Die Zahl der Mädchen in Müllers Verein „Boxring Düren 55” ist dennoch sehr übersichtlich. Die Zwölfjährige Christiane ist eine von ihnen. „Beim Boxen kann man sich auspowern und ich bin dadurch auch stärker geworden”, sagt sie.

Theater und Kosmetik

Aber nicht nur den Boxsport konnten die Fünft- bis Siebtklässlerinnen beim Mädchentag, der am Donnerstag im Haus der Stadt und im Jugendzentrum Multikulti stattfand, ausprobieren. Von Kursen zu gesunder Ernährung über das eigenständige Herstellen von Kosmetik, von Improvisationstheater bis hin zu entspannendem Hatha-Yoga und der Trendsportart Zumba bot der Mädchentag alles, was Mädchenherzen höher schlagen lässt. Vor allem konnten die Mädchen eins: Selbst entscheiden, was sie ausprobieren möchten.

Der Mädchentag hat mittlerweile Tradition in Düren. Seit 16 Jahren wird er vom Frauenbüro der Stadt und zahlreichen Dürener Einrichtungen veranstaltet. „Die Mädchen wollen einfach mal unter sich sein. Deshalb ist der Mädchentag nach wie vor ein Renner”, sagte Gilla Knorr, Chefin des Frauenbüros der Stadt Düren. Mit rund 830 Anmeldungen wurden die Zahlen vom Vorjahr noch einmal getoppt. Auch die Zahl der Airbrush-Tattoos wird wohl einen neuen Rekord erreicht haben.

Auf 500 schätzte Mitarbeiterin Talla Gajewski die Zahl der an diesem Tag mit einer Spritzpistole auf die Haut gesprühten Tattoos. Lange Schlangen bildeten sich vor dem Jugendbus „Die wilde 13”. Im Bus arbeitete Kollege Jens Musche im Akkord und sprüht Sterne, Salamander und chinesische Schriftzeichen auf Knöchel und Oberarme. Auch Jana Oepen und ihre Freundinnen ließen sich alle einen Salamander auf die Innenseite des Handgelenks spritzen. „Das hält ja nur ein paar Tage. Ein echtes Tattoo will ich gar nicht”, sagte die 13-Jährige.

Am Mädchentag waren das Haus der Stadt und das Multikulti ganz in weiblicher Hand. Bis auf Boxtrainer Müller und einige wenige andere Männer leiteten Frauen die Workshops und berieten die Mädchen. Das sei auch Absicht, sagte Knorr. „Die Mädchen brauchen weibliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.” Und: „Uns ist wichtig, dass die Mädchen hier Ansprechpartner für alle ihre Anliegen kennenlernen.” Deshalb ist der Verein „Basta” gegen sexuellen Missbrauch von Jungen und Mädchen ebenso vor Ort wie etwa die Drogenberatungsstelle der Caritas und die Beratungsstelle „Pro Familia”.

Ob es irgendwann auch einmal einen Jungentag gibt, der parallel stattfindet? Gilla Knorr, die schon seit Jahrzehnten gezielte Mädchenförderung betreibt und den Projekttag organisiert, würde sich das wünschen. „Das ist aber nicht unsere Aufgabe”, sagt sie.
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