Kreis Düren - Alzheimer: „Nur das Herz vergisst nicht“

Alzheimer: „Nur das Herz vergisst nicht“

Von: Sarah Maria Berners
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Alzheimerpatienten müssen rund um die Uhr umsorgt werden. Foto: stock/Westend61
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Gerda Recker pflegt ihren alzheimerkranken Ehemann. Foto: smb

Kreis Düren. Die Erinnerungen an die vielen schönen Erlebnisse, an das gemeinsame Leben verblassen, sind irgendwann wie ausgelöscht. An manchen Tagen sitzt Norbert Metzker neben seiner Ehefrau und doch sucht sie ihn.

Manchmal weiß sie nicht, wer es ist, der sich so liebevoll um sie kümmert. Norbert Metzkers Ehefrau hat Alzheimer. „Es hat vor zehn Jahren angefangen, meine Frau war 63 Jahre alt“, beschreibt Norbert Metzker. „Zunächst war es nur der Schlüssel, den wir immer wieder suchen mussten“, beschreibt er. Heute weiß seine Frau an manchen Tagen mit der Kartoffel in der einen und dem Messer in der anderen Hand nichts anzufangen.

„Für uns Angehörige bedeutet diese Krankheit aber auch ein Leben ohne Blick in eine gemeinsame Zukunft, da wir nicht wissen wie der weitere Verlauf und damit auch die Verschlimmerung der Krankheit sind. Dadurch gibt es aber auch ein bewussteres Leben im Hier und Jetzt“ , ergänzt Gerda Recker, deren Mann seit vier Jahren an Alzheimer erkrankt ist. „Demenz ist das Vergessen des Lebens“, definiert Norbert Metzker. Nur das Herz vergesse nicht, die Patienten seien sehr feinfühlig.

Die Diagnose Alzheimer ist schwer zu verdauen. Hoffnung auf Besserung gibt es noch nicht. Es schmerzt zu sehen, wie der Lebenspartner das gemeinsame Leben aus den Gedanken verliert, wie auch besondere Orte keine Erinnerungen mehr wecken. „Meine Frau und ich wohnen seit mehr als 30 Jahren in dem Haus, das wir gebaut haben. Aber ich muss sie an die Hand nehmen, um sie zur Toilette zu führen“, verdeutlicht Norbert Metzker. „Einen Alzheimerpatienten zu pflegen ist wie sich um ein kleines Kind zu kümmern. Nur noch intensiver.“

Normale Gespräche, wie sie jahrelang zum Alltag gehörten, gibt es nicht mehr. „Die Krankheit zu akzeptieren und sich damit abzufinden ist im Anfang sehr schwer. Aber man wächst in diese Aufgabe hinein“, sagt Gerda Recker. Die Alzheimererkrankung verläuft in Phasen – von Mensch zu Mensch unterschiedlich. „Die Anfangsphase ist für Patienten besonders schlimm. Sie stehen ständig unter Stress, merken, dass sie vergessen, stoßen ständig an ihre Grenzen“, hat die Dürenerin erfahren. Manche Patienten haben den Drang zu Orten ihrer Kindheit zurückzulaufen, manche büxen aus.

„Es gilt der bekannte Spruch: Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt Norbert Metzker. Als seine Frau erkrankte, kontaktierte er eine Selbsthilfegruppe. Auch Gerda Recker setzt auf den Austausch. „Seit mein Mann an Alzheimer erkrankt ist, trage ich die Verantwortung für zwei Menschen“, beschreibt sie ihre Situation. Sie trägt die Verantwortung wie selbstverständlich.

„Diese Belastung können viele Menschen leichter tragen, wenn sie mit anderen über ihre Gefühle sprechen, wenn wir uns gegenseitig erzählen, wie wir mit bestimmten Situationen und Herausforderungen umgegangen sind“, weiß Norbert Metzker. In der Selbsthilfegruppe werde gelacht und geweint. Die Teilnehmer bringen Erfahrungen ein, die andere für sich nutzen können, geben einander Lebenshilfen. Wer sich noch nicht öffnen möchte, kann zuhören. „Nach unseren Treffen gehen alle gelöst nach Hause“, beschreibt Norbert Metzker. In den Gruppen gibt es auch Fachvorträge, zum Beispiel zu rechtlichen Fragen.„Es ist wichtig, sich früh um solche Dinge zu kümmern“, wissen die Betroffenen.

In Situationen, in denen mehrere Menschen zusammen sind, fühlen sich die Erkrankten sehr schnell überfordert, alleingelassen und suchen die Nähe des Angehörigen. „Oft reicht dann schon ein Blick oder eine leichte Berührung um ihm ein sichereres Gefühl zu geben. Dahinter steckt eine enorme Lebensangst, die Angst, alleine zu sein“, weiß Gerda Recker.

Tiefe Traurigkeit

Es gebe Phasen, das sei den Patienten bewusst, dass sie vergessen. Das erfülle sie mit einer tiefen Traurigkeit, manche haderten mit ihrem Schicksal. Mit der Erkrankung des Partners lerne man umzugehen. „Es ist ein langer Lernprozess mit Höhen und Tiefen “, sagt Gerda Recker. Sie habe zum Beispiel auch gelernt, dass Widersprechen und Diskussionen nichts nützen: „Man muss Gesagtes oft einfach stehen lassen.“ Gerda Recker und Norbert Metzker haben gelernt, die Situation anzunehmen.

Tageweise betreuen andere Menschen ihre Partner. „Das ist wichtig, um selbst Kraft zu schöpfen“, sagt die Dürenerin. „Außerdem ist es wichtig, dass wir den Anschluss in die Gesellschaft nicht verlieren“, ergänzt Norbert Metzker. Einmal im Monat besucht seine Frau für eine Woche ein Seniorenheim. Das sei Teil eines Loslösungsprozesses: „Wenn meine Frau mich überwiegend nicht mehr erkennt, ist sie in einem Heim besser untergebracht.“ Er will alles gut vorbereiten – auch für den Fall, dass ihm selbst einmal etwas passiert. Gerda Recker und Norbert Metzker haben viel über das Thema „Demenz“ gelesen, verfolgen genau, was sich in der Forschung tut. Und sie hoffen für die nächste Generation dass es schon bald Fortschritte gibt.

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