Düren - Alternativer Karneval: Düren im „Skunk“-Fieber

Alternativer Karneval: Düren im „Skunk“-Fieber

Von: Sandra Kinkel
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Die „Skunks“ haben sich eine Zeitmaschine besorgt und reisen munter in der Weltgeschichte umher. Zukunft und Vergangenheit – nichts ist vor Dürens alternativen Karnevalisten sicher. Foto: Sandra Kinkel
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Die „Skunks“ haben sich eine Zeitmaschine besorgt und reisen munter in der Weltgeschichte umher. Zukunft und Vergangenheit – nichts ist vor Dürens alternativen Karnevalisten sicher. Foto: Sandra Kinkel
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Die „Skunks“ haben sich eine Zeitmaschine besorgt und reisen munter in der Weltgeschichte umher. Zukunft und Vergangenheit – nichts ist vor Dürens alternativen Karnevalisten sicher. Foto: Sandra Kinkel
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Die „Skunks“ haben sich eine Zeitmaschine besorgt und reisen munter in der Weltgeschichte umher. Zukunft und Vergangenheit – nichts ist vor Dürens alternativen Karnevalisten sicher. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Na endlich! Das leidige Problem, in einer blöden Koalition dauernd Kompromisse finden zu müssen, ist gelöst. Im Jahr 2038 entsteht das „Dürener Konzept“: Jede Partei bekommt einen genauso großen Anteil an Stadtfläche, wie sie Wählerstimmen bekommen hat. Und kann dort schalten und walten, wie sie will.

 Für Düren bedeutet das konkret, dass die FDP das Gelände der LVR-Klinik als experimentellen Raum nutzen, und die Christdemokraten sich mit ihren SUV und den feinen Läden im Dürener Osten austoben kann. Die „Grusos“ (also Grüne und SPD) bekommen den Westen, dort wird vorzugsweise bei einem großen, französischen Sportartikelhersteller und im Biosupermarkt eingekauft.

Es ist Donnerstagabend, kurz nach halb acht, und Düren ist wieder im „Skunk“-Fieber. Bereits zum 16. Mal gibt es alternativen Karneval an der Rur. Und die Akteure um die beiden Regisseure Kai Meister und Thomas Lüttgens haben sich wieder jede Menge einfallen lassen und eine tolle Revue mit viel Klamauk, noch mehr Lokalkolorit, aber auch dem ein oder anderen ernsten Gedanken auf die Beine gestellt.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Die „Skunks“ glauben, auf dem Trödelmarkt ein wahnsinnig modernes Küchengerät erstanden zu haben, in Wahrheit haben sie aber einen „Timemix“, also eine Zeitmaschine, gekauft. Und eigentlich wollen die Bewohner von Schloss Burgau eine Nacht lang überlegen, was sich mit so einer Maschine alles Sinnvolles machen ließe, um die Welt ein Stückchen besser zu machen. Dann ist jedoch die Verführung einfach zu groß, und alles kommt ganz anders. Die „Skunks“ reisen munter durch die Weltgeschichte und erleben die tollsten Geschichten.

Einer, der von Anfang an, also seit nunmehr 16 Jahren, bei Dürens alternativen Karnevalisten dabei ist, ist der Schauspieler und Regisseur Kai Meister, der gemeinsam mit dem Chef des Dürener „Komm“-Zentrums, Thomas Lüttgens, im Theater „Die Mimosen“ aktiv ist. „Ich fand es spannend, so ein Projekt von Anfang zu betreuen“, sagt Kai Meister. „Und es macht mir immer noch riesigen Spaß, dabei zu sein.“

Die Mitglieder der „Skunk“-KG schreiben ihre Texte zum größten Teil selbst, am Ende landen alle Sketche aber noch einmal auf Kai Meisters Schreibtisch. „Ich bin so eine Art Schnittstelle“, sagt der 51-Jährige. „Ich überarbeite viele Texte noch einmal und versuche am Ende, die Nummern in eine gute Reihenfolge zu bringen. Und zwar so, dass eine gelungene Mischung aus Politik, Slapstick, ernsteren Themen, Weltgeschichte und Dürener Sachen entsteht.“

Das ist Meister diesmal wieder sehr gut gelungen. War die karnevalistische Revue der „Skunks“ zu Beginn noch etwas langatmig, nahm sie ziemlich schnell deutlich an Fahrt auf. Mit dem Timemix machten die „Skunks“ sich auf den Weg zu den alten Ägyptern, wo deutlich wurde, dass Politiker und Prostituierte ziemlich viel gemeinsam haben („Beide versprechen den Menschen, was sie sich wünschen.“).

Sie lassen sich in den Hambacher Forst beamen, wo nur noch ein einziger Baum steht, obwohl im Dürener Land längst keine Kohle mehr abgebaut wird („Die Aktivisten haben den Rest der Bäume für ihre Baumhäuser gebraucht oder verheizt. Die wussten ja sonst nicht, was sie tun sollten.“) und beobachten eine Touristengruppe, die im Jahr 2037 nach Düren kommt. Das Rathaus ist 2024 eingestürzt, an der Rur gibt es seitdem einen riesigen Marktplatz mit dem ewigen Biermarkt und der ewigen Annakirmes, weil Düren ja schon immer „Stadt der Märkte“ war.

Die spritzige und witzige Show mit viel Musik, viel Geist und viel Tempo gipfelt dann in einem Besuch bei einem Ehepaar in Nie- derau, irgendwann Mitte des Jahres 1955. Die „Skunks“ haben sich überlegt die Zeugung von Paul Larue, der später einmal Bürgermeister in Düren werden sollte, zu verhindern – ohne Erfolg.

Sie springen einfach viel zu oft in verschiedenen Zeiten hin und her, der „Timemix“ wird ihnen schließlich wieder abgenommen. Und zwar ohne, dass sie die (Welt-)Geschichte auch nur ein klitzekleines bisschen besser gemacht hätten. Aber für rund vier Stunden eben deutlich lustiger. Immerhin.

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