„Alte Musik“ in der Tonspuren-Konzertreihe

Von: Hannes Schmitz
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Sie boten einen Konzertabend voller faszinierender Virtuosität sowie enormer Klangvielfalt: das Barock-Trio mit Darja Großheide (r.) , Markus Märkel und Ulrike Schaar (l.) sowie Koloratursopranistin Marie Friederike Schöder. Foto: Hannes Schmitz

Düren. „Alte Musik“ in der Kulturfabrik Becker und Funck, gespielt auf einer Bühne, von der ansonsten Rock, Jazz und andere musikalische Genres erklingen. Cembalo, Flöte und Cello waren die Instrumente, auf denen Markus Märkel, Darja Großheide und Ulrike Schaar einen Konzertabend im Rahmen der Reihe „Tonspuren“ gestalteten – ein Abend mit fröhlicher Leichtigkeit, voll faszinierender Virtuosität und enormer Klangvielfalt.

Dazu trug in erheblichem Maße die Sopranistin Marie Friederike Schöder bei, die nicht nur Stimme, sondern auch den Schalk im Nacken hatte. Ihr Hund räkelte sich wohlig unter dem Cembalo und gab keinen Mucks von sich, als „Frauchen“, nach kurzer stimmlicher Eingewöhnungszeit ihren Ton fand und damit den Grundstein für einen Konzertabend legte, der durch exorbitante Lebendigkeit sowie intensive und eindrucksvolle Wiedergaben bestach, aber auch zeigte, dass ein „Live-Auftritt“ so seine Tücken haben kann.

Dialog mit Instrumentalisten

Der „geistlichen Liebe“ war der erste Teil des Konzerts gewidmet : Mit „Lauter Wonne, lauter Freude“ von Georg Philipp Telemann aus „Harmonischer Gottesdienst“ war ein Einstieg gefunden, in dem das „Barock-Trio Köln“ mit melodischen Linien die eindrucksvollen Koloraturen der Sopranistin umschmeichelte. In der Telemann-Kantate „Seele, lerne dich erkennen“ entwickelte sich ein spannungsreicher Dialog zwischen Sängerin und Instrumentalisten. Er war geprägt von emotionaler Übereinstimmung und spürbarem Verständnis; insbesondere mit Flötistin Darja Großheide.

Das Stück war ein musikalisches Glanzlicht, in dem die locker leichte Höhe der Sopranistin und ihre so sicheren Koloraturen zu bewundern waren.

Die andere Seite eines Auftritts hatte das Publikum zuvor erlebt. Die ausgewiesene Bach-Ariensängerin patzte bei der Johannes-Bach-Kantate „Ich bin in mir vergnügt“, reagierte aber mit Humor auf die „Pannenpremiere“ und nahm damit ihre Zuhörer schnell für sich ein. Zweimal probierte sie den Wiedereinstieg, beim dritten Male gelang er – das Publikum jubelte und hörte dann doch überzeugenden Bachgesang.

Nicht unbedingt von emotionaler Spannung geprägt war das Solo von Ulrike Schaar, die auf dem Cello Bachs Prelude sowie Sarabande und Gigue aus der Cellosuite d-moll spielte. Irgendwie fehlte es an flexibler Artikulation und dynamischen Akzenten.

Der „weltlichen Liebe“ war der zweite Teil des Programms mit Telemanns Kantate „Die Liebe“ gewidmet. Dabei handelt es sich um eine moralische Kantate und einen verklausulierten barocken Spaß – liebevoll und von den Protagonisten mit Augenzwinkern interpretiert.

Genauso war es bei der Johannes-Bach-Arie „Ei!wie schmeckt der Coffee süße“, in dem die Koloratursopranistin ihren Witz und Esprit erkennen ließ und zum Spaß der Zuhörer zeitweise in Bachs Originalsprache sang: Sie sächselte. „Kölsch kann ich nicht“, erklärte sie.

Glanzleistung auf dem Cembalo

Zuvor hatte Markus Märkel auf dem Cembalo eine Glanzleistung gezeigt, als er Bachs Ouvertüre aus der Partita nach französischer Art interpretierte – ein gelungener Auftritt, der vom Publikum mit tosendem Beifall belohnt wurde.

Dieser „Tonspuren“-Konzertabend wird nicht so schnell aus dem Gedächtnis verschwinden, sondern sich eingraben; vor allem nach der atemberaubenden Interpretation des Weihnachtsliedes „Gloria in excelsis deo“, das Marie Friederike Schöder mit einer Kaskade aus Koloraturen und gefühlsmäßigen Improvisationen aus den gängigen Fugen hob und damit nochmals ihre große Klasse zur Geltung brachte – immer unterstützt und bereichert durch ein großartiges Barock- Trio.

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