Als „Bufdi” im Alter Erfüllung finden

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
Sich austauschen, zuhören und
Sich austauschen, zuhören und vorlesen: Der Bundesfreiwillige Harald Lorberg und Seniorin Maria Elisabeth Schotten haben viele gemeinsame Interessen. Foto: Handschuhmacher

Düren. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gerät ins Schwärmen, wenn sie von ihm redet. Sie spricht von einem „großen Erfolg”, der „alle Erwartungen übertroffen” habe.

Schröder meint den Bundesfreiwilligendienst (BFD), der am 1. Juli 2011 als Ersatz für den Zivildienst eingeführt wurde und an dem sich bundesweit bisher 48.000 Menschen beteiligt haben.

Auch für Lussi Ziegler ist der Bundesfreiwilligendienst ein großer Erfolg. Vor allem ein persönlicher. „Wenn einer der Senioren meine Hand nimmt und einfach sagt: Danke, dass Sie da sind. Das berührt mich sehr. Dann weiß ich, dass meine Arbeit angekommen ist”, sagt die 52-Jährige. Seit Oktober arbeitet sie im Alten- und Pflegezentrum St. Nikolaus der Caritas, zuvor war sie dort bereits ehrenamtlich tätig.

Im Fernsehen hatte die gebürtige Kirgisin zum ersten Mal vom Bundesfreiwilligendienst gehört und war direkt begeistert. „Mit 50 steht man oft dazwischen, man ist weder alt noch wirklich jung”, sagt sie. „Der Freiwilligendienst war genau das Richtige für mich.”

Sie ist in Teilzeit in der Caritas-Einrichtung tätig und geht mit den Senioren spazieren, liest vor, singt mit ihnen oder schenkt ihnen einfach nur ein Stück ihrer Zeit. „Die Pflegekräfte machen ohne jeden Zweifel eine gute Arbeit, aber wir sind für die Seele da”, sagt Lussi Ziegler.

Dass die Bundesfreiwilligen eine große Bereicherung sind, findet auch der Zentrumsleiter des Caritasverbands Düren-Mitte, Bernhard Volkmer: „Mit den Bundesfreiwilligen haben wir ein hohes Maß an menschlicher Zuwendung gewonnen.” Während die Zivildienstleistenden überwiegend für logistische Aufgaben wie Hausmeistertätigkeiten oder die Getränkeversorgung zuständig waren, sind die Bundesfreiwilligen vor allem nah dran an den Menschen. Sie hören gemeinsam Musik, gehen spazieren oder begleiten die Senioren bei Arztbesuchen oder Ausflügen.

107 „Bufdis” gibt es nach Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben derzeit im Kreis Düren. Über 90 Prozent von ihnen sind jünger als 27 Jahre, liegen also unter der für andere soziale Dienste wie das Freiwillige Soziale Jahr geltenden Altersgrenze. In St. Nikolaus ist es genau umgekehrt: „Drei der vier Freiwilligen sind älter als 27 Jahre und bringen komplexe berufliche Biografien mit”, sagt Volkmer.

Einer von ihnen ist Harald Lorberg. Auf der 1. Etage sitzt der 61-Jährige im Zimmer von Maria Elisabeth Schotten. Er und die 91-Jährige teilen einige Interessen: Gedichte, klassische Musik und das aktuelle Tagesgeschehen. „Die Zeit mit Herrn Lorberg tut mir gut. Mit ihm kann ich mich über viele Themen austauschen.”

Und auch für Harald Lorberg ist die Tätigkeit eine wertvolle Erfahrung: „Für mich ist es die Bestätigung, dass das, was ich beruflich gemacht habe, richtig war.” Der examinierte Krankenpfleger und ausgebildete Physiotherapeut war fast 30 Jahre lang selbstständig. „Nachdem ich die Praxis schließen musste, war da erstmal ein Loch”, erinnert er sich. Der Bundesfreiwilligendienst ist für Lorberg eine Chance seine jahrzehntelange Berufserfahrung wieder einzubringen. Aber auch der Startschuss für einen behördlichen Hürdenlauf, denn für Arbeitsagentur und Job-com war das Konzept Bundesfreiwilligendienst vor einem Jahr noch Neuland.

Mit einem Bildungsgutschein der Job-com hat Lorberg dann an einem Qualifizierungskurs für den Umgang mit demenzerkrankten Menschen teilgenommen. Als Krankenpfleger oder Physiotherapeut wird er in St. Nikolaus nach dem BFD nicht arbeiten können. „Vielleicht ergibt sich aber dennoch die Möglichkeit, hier weiter beschäftigt zu bleiben.”

Auch Lussi Ziegler weiß noch nicht, wie es weitergeht. Sie hat ihren Dienst erst einmal auf 18 Monate verlängert. Ans Aufhören denkt sie ungern: „Diese Arbeit ist mein Leben.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert