„Alpenglüh’n“: Ein ganz besonderer Heimatabend

Von: Beate Weiler-Pranter
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Ralf Kramp, Hubert vom Venn, Jacques Berndorf und Erika Kroell sorgten für eine amüsante Lesung. Foto: bwp

Heimbach. Wattig weiche Wolken spiegeln sich im kristallklaren Bergsee. Ganze Vogelchöre jubilieren, als Martin dem Ruf seines Herzens folgt. In lederner Bundhose stürmt der Skilehrer hinauf auf die Alm, um endlich in die sanften Reh-Augen von Christel, der Wirtin vom Seehof, zu blicken…

Und wie ein dramaturgisch geplantes Moment, beginnen genau in diesem Augenblick der Lesung die Heimbacher Kirchenglocken zu läuten.

Es wurde ein „Heimatabend“ der ganz besonderen Art. Unter dem Motto „Alpenglüh’n“ nahmen Jacques Berndorf, Ralf Kramp, Erika Kroell und Hubert vom Venn auf Burg Hengebach das Genre des „Groschenromans“ unter die Lupe – und auf die Schippe.

60 Romanhefte

Krimi-Autor Ralf Kramp hatte den ungewöhnlichen Literatur-Abend vorbereitet. Um sich in die Welt der Groschenromane einzulesen, kontaktierte er im Vorfeld den Bastei-Verlag, der ihm 60 Roman-Hefte zur Verfügung stellte. Aus dieser Fülle von Schmalz und Schmerz, aus der Vielfalt von „atemberaubenden Küssen, brennenden Lippen und lodernder Leidenschaft“ stellte Kramp für die „Lit.Eifel“ ein abendfüllendes Programm zusammen. Das Perfide daran: Nur er kannte den Inhalt der Lesung. Seine drei Mitstreiter erhielten erst kurz vor dem Auftritt ein Text-Manuskript, in dem farblich markiert war, wer wann welchen Part vortragen sollte.

Mit verteilten Rollen interpretierten die vier Krimi-Autoren die einzelnen Szenen. So entwickelte sich ein rasanter Abend voller Wortwitz, Situationskomik und brillanter Stand-up Comedy! Wenn Christels Vater – mit sonorer Stimme von Jacques Berndorf gelesen – in den Bergen lautstark nach seiner Tochter ruft, werden die Anderen aus dem Stegreif heraus zum Echo. Rettet Landarzt Dr. Karsten Fabian eine ohnmächtige Frau aus prasselndem Regen, lässt Hubert vom Venn blitzschnell Mineralwasser am Mikrofon vorbei in ein Glas rauschen.

„Wir waren von jedem einzelnen Wort selber überrascht“, amüsiert sich Erika Kroell im Nachhinein über das gelungene Experiment. „Eine ‚Blütenlese’ aus Heimatidylle und Sentimentalität“ hatte Gastgeber Professor Frank Günter Zehnder, Direktor der Internationalen Kunstakademie, in seiner Begrüßungsrede schmunzelnd versprochen. Allein die Namen der Adelsfamilien, an deren Schicksal die Groschenheft-Leser allwöchentlich teilhaben können, klangen wie ein „Who is who“ für Fantasten: Tobias Graf Trutz von Wolkenstein, Gräfin Helene von Bergen, Fürstin Annabelle von Stein.

„So viel Klang“, hauchten die vier Bühnen-Protagonisten ergriffen ins Mikrofon und mogelten – zur unverhohlenen Freude der Zuhörer – einen Franz-Peter Tebartz-van Elst in die illustre Riege.

Nach der Pause gab es tiefere Einblicke. Nicht nur in das Dekolleté , sondern auch in das Liebesleben der Groschenheft-Helden. „Ist hier ein Arzt anwesend, ich glaube in der ersten Reihe kollabiert gerade ein Zuschauer“, konstatierte Ralf Kramp mit bierernster Miene, als sich eine Zuschauerin – vor Lachen laut glucksend – die Tränen aus den Augenwinkeln tupfte. Es war ein Abend der Extra-Klasse.

„Bleiben Sie lieb zueinander und achten Sie auf den Fürsten an Ihrer Seite“, rief Ralf Kramp ins Publikum, nachdem das Happy End perfekt war: „Mit leisem Seufzer bot sie ihm den Mund zum Kuss.“ Und Alexander raunt seiner Constanze zu: „Kleine Herrin vom Schlösselgarten, lass uns heimgehen.“

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