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Alltag am Hambacher Forst: Polizei und Werksschutz im Einsatz

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Abgeriegelt: Die Zufahrt zur alten Kiesgrube, die am Montag gebaut wurde, ist nun demonstrativ verriegelt. Zudem hat die Gemeinde Merzenich aus juristischen Gründen Warnschilder aufgestellt. Foto: smb
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Protest kann auch kreativ sein: Rodungsgegner haben an vielen Bäumen Bilder befestigt. Foto: smb

Morschenich. Es ist ruhig am Rande des Tagebaus Hambach. Einige Polizisten haben ein Auge auf das, was im Wald und auf Wegen passiert, die gelben Westen der zahlreichen Werksschützer des RWE sind leuchtende Punkte in einer Kulisse aus Wald und Rodungsflächen, im Hintergrund ragen die Bagger hervor.

Der Personaleinsatz zur Sicherung der Arbeiten des Energiekonzerns im Bereich der alten Autobahn 4 ist groß. Er ist längst Alltag geworden. Und der ist am ersten Tag nach dem Großeinsatz in der alten Kiesgrube wieder eingekehrt. Es sieht aus wie zuvor. Fast. Rund um die stillgelegte Kiesgrube haben die Verantwortlichen der Gemeinde Merzenich noch am Montagabend Warnschilder aufgestellt.

Die Zufahrt zur Kiesgrube ist mit einem Bauzaun gesichert und mit einem Schloss verriegelt. „Mit den Warnschildern wollen wir verdeutlichen, dass das Gelände nicht betreten werden darf“, erklärt Georg Gelhausen. Besonders wichtig: Die Warnhinweise stellten auch eine rechtliche Absicherung dar, zu der Juristen der Gemeinde geraten hätten. Auch die Zufahrt in die alte Kiesgrube hat der Energiekonzern am Abend wieder zugeschüttet.

Einen halben Tag hatten Radlader, Bagger und riesige Laster gebraucht, um eine Zufahrt zu schaffen. Über diese konnte ein Bagger in die Senke fahren, um dort den in die Böschung gegrabenen Tunnel zu zerstören. „Viereinhalb Meter weit haben sich die Unbekannten horizontal in die Böschung gegraben, danach fiel der Tunnel steil zweieinhalb Meter tief ab“, erklärte Merzenichs Bürgermeister Georg Gelhausen.

Die Aktion der Gemeinde Merzenich, die aus Sicherheitsgründen einen Tunnel in der alten Kiesgrube entfernen ließ, hat im Internet wieder kontroverse Diskussionen ausgelöst. Einige loben das Engagement der Aktivisten für den Umweltschutz, andere kritisieren den Protest der Besetzer generell, auf größere Kritik stößt die zunehmende Gewalteskalation im Tagebaugebiet.

Auch die Kosten derartiger Großeinsätze bergen Zündstoff. „Wir haben die Polizei um Amtshilfe gebeten, die Kosten für deren Einsatz werden somit von der Polizei, nicht von der Gemeinde getragen“, erklärt Georg Gelhausen. Gleichwohl bleiben sie bei dem Steuerzahler hängen. Für die Erdarbeiten hat der Energiekonzern Personal und Maschinen gestellt.

Besetzer bereiten sich vor

Während der Aktion am Montag war es auf der Wiesenbesetzung und im Wald ruhig geblieben. Die nächsten Aktionen stehen aber schon bevor. Vom 25. März bis zum 3. April gibt es erneut ein Camp, in dem es wieder um den „Austausch von Fähigkeiten“ gehen soll. Dann ist es ziemlich genau vier Jahre her, dass die Braunkohlegegner zum ersten Mal ein Waldstück des Hambacher Forstes besetzt haben.

In ihrem „Lerncamp“ wollen die Besetzer den Schwerpunkt auf „Aktionen“ legen. Es soll aber auch um Themen gehen, die im „Widerständigenalltag anfallen“, so zum Beispiel das Kochen für viele Menschen. Das Camp findet auf der Wiese bei Morschenich sowie in einem Haus an der Kallsgasse in Gürzenich statt, in dem die Aktivisten seit einigen Jahren eine „Werkstatt für Aktionen und Alternativen“ eingerichtet haben, von der die erste Besetzung ausgegangen war.

In der Vergangenheit hat es ausgehend von solchen Camps, zu zusätzliche Aktivisten anreisen, größere Besetzungsaktionen auch der Kohlebahn gegeben.

Es geht auch friedlich

Dass der Protest gegen die Rodung von Wäldern und den Abbau von Braunkohle auch kreativ und friedlich sein kann, lässt sich an der Grenze zwischen Wald und gerade gerodetem Gebiet sehen: In dem Waldstück, das im kommenden Jahr gerodet werden soll, haben die Aktivisten etliche Bäume mit Bildern geschmückt. Mit den Motiven dokumentieren sie zum Beispiel, dass das Fällen der Bäume ihnen „das Herz bricht“ und dass für den Abbau von Kohle Bäume weichen müssen, die älter als viele Menschen sind.

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