Obermaubach - Alles ist im Fluss beim Thema Trinkwasser

Alles ist im Fluss beim Thema Trinkwasser

Von: Stephan Vallata
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Auch ein Labor ist Teil des Wasserwerks in Obermaubach. Dort forscht Christin Ahne, Ingenieurin für Biotechnolgie. Foto: Vallata

Obermaubach. Trinkwasser ist nichts, was einfach so vom Himmel fällt. Es unterliegt strengen Qualitätsstandards, muss gereinigt, gefiltert und aufbereitet werden - mal mehr, mal weniger aufwändig. Auf das Obermaubacher Wasserwerk an der Rur trifft Ersteres zu.

„Wir sind als Flusswasseraufbereiter bundesweit ein Exot”, sagt Werksleiter Winfried Zach. Von der Mikrosiebanlage bis zum Aktivkohlebecken: Fünf Filterstufen sind notwendig, um aus dem Flusswasser einwandfreies Trinkwasser herzustellen. Das kostet. Die Stadtwerke Düren als örtlicher Wasserversorger denken deshalb über Alternativen nach.

Auf die Qualität des Endprodukts lässt der Diplom-Ingenieur nichts kommen: „In den zurückliegenden Jahrzehnten ist es uns mit anerkannt gutem Erfolg gelungen, aus dem ungeschützten Rohwasser der Rur Trinkwasser aufzubereiten.” Allerdings gibt Zach zu bedenken, dass der gesamte Prozess mit Risiken behaftet ist. Komme es etwas zu Störfällen - etwa durch einen Ölunfall, eine Blaualgenblüte oder andere Verunreinigungen - sei die Trinkwassergewinnung akut gefährdet. Zwar könne der Bedarf im Notfall über die Wehebachtalsperre gedeckt werden, doch angesichts beschränkter Kapazitäten nur für einen kurzen Zeitraum.

Gleichzeitig müssen sich die Stadtwerke mit einer Forderung der Bezirksregierung Köln auseinandersetzen: Sie sollen sich finanziell am Bau von Retentionsfilterbecken für Kläranlagen beteiligen, die das Rurwasser mikrobiologisch reinigen. Doch viele anthropogene, also durch den Menschen verursachte Schadstoffe müssten weiterhin mit höchstem technischen Aufwand vor Ort in Obermaubach entfernt werden. Zach tritt dafür ein, „unserer Zeit vorauszudenken.” So sei die gesetzlich geforderte Trinkwassserqualität nicht in Stein gemeißelt. Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen stiegen auch die Anforderungen. Steigende Anforderungen wiederum bedeuteten auch Mehrausgaben. Bereits heute sind 80 Prozent der Kosten für den Betrieb des Wasserwerks Obermaubach Fixkosten. Die Frage lautet deshalb nach Ansicht der Stadtwerke: Ist es strategisch und qualitativ sinnvoll und für alle Beteiligten überhaupt vernünftig, weiterhin das Wasser auf der Rur aufzubereiten wie bisher?

Noch im Laufe dieses Jahres will das Versorgungsunternehmen ein Konzept erarbeiten, das eine konkrete Antwort darauf enthalten soll. Unstrittig scheint der Erhalt der Grundwassergewinnungsanlagen an der Dr.-Overhues-Allee in Düren und in Ellen sowie des Wasserrechts an der Wehebachtalsperre zu sein. Ein denkbares Szenario könnte nach derzeitigem Kenntnisstand darin bestehen, das Wasserwerkes Obermaubach als ausschließliche Notversorgungsanlage zu betreiben. Dann müssten sich die Stadtwerke auf die Suche nach einem Anbieter machen, der das zusätzlich benötigte Trinkwasser in der geforderten Qualität preisgünstig anbieten kann.

Zahlenspielereien? Winfried Zach verneint. Angesichts des steigenden Kosten und der mit Trinkwasserversorgung aus der Rur verbundenen Unwägbarkeiten sei es ein Gebot der Stunde, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Denn mit einmal getätigten Investitionen binde man sich auf Jahre an eine Versorgungsstrategie. Das Wasserwerk komplett zu schließen, steht laut dem Leiter nicht zur Debatte. 13 Mitarbeiter beschäftigen die Stadtwerke dort. Ein Teil davon im eigens eingerichteten Labor, das der Qualitätssicherung dienet. Neben der Eigenanalytik betreut das Labor auch externe Kunden wie Wasserwerke, Kommunen und beteiligt sich an Forschungsprojekten. Die Autonomie der Trinkwasserversorgung in Düren sieht Zach auch durch den Zukauf von externen Ressourcen nicht gefährdet. Ein Mitbestimmungsrecht sei in jedem Fall auszuhandeln. Dass nun vieles auf dem Prüfstand steht, bewertet er positiv: „Die Chance, sich neu zu strukturieren, wird so schnell nicht wiederkommen.”
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