Niederzier/Buir - Aktivisten legen die Hambachbahn lahm

Aktivisten legen die Hambachbahn lahm

Von: Jörg Abels
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Rund 50 überwiegend jugendlic
Rund 50 überwiegend jugendliche Umweltaktivisten der Kampagne „Wer anderen eine Grube gräbt...” aus dem Bundesgebiet, aber auch aus dem Ausland blockierten am Dienstag die Gleise der Hambachbahn, die Braunkohle aus dem Tagebau zu den Kraftwerken transportiert. Foto: Abels

Niederzier/Buir. Am Rande eines Klimacamps bei Kerpen-Manheim haben am Dienstag rund 50 Umweltaktivisten die Hambachbahn in Höhe der Autobahnanschlussstelle Kerpen-Buir mit einer Sitzblockade vorübergehend lahm gelegt und damit die Versorgung der RWE-Kraftwerke im benachbarten Rhein-Erft-Kreis mit Braunkohle aus dem Tagebau Hambach gestoppt.

Gegen 10.30 Uhr stürmten die jugendlichen Aktivisten der Kampagne „Wer anderen eine Grube gräbt...” trotz schriftlicher Warnung vor den Gefahren durch RWE Power im Vorfeld die Gleise. Sie fordern einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. „Klimaschädlicher kann keine Energie erzeugt werden”, erklärte Josef Guthmann, Sprecher der „Grube-gräbt”-Kampagne, und verwies darauf, dass das Rheinische Braunkohlerevier mit über 90 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr die größte Treibhausgasquelle Europas darstelle.

Bahnbetrieb sofort gestoppt

„RWE den Stecker ziehen - dezentrale Energieversorgung schaffen” und „Kohle nur noch zum Grillen” war auf den Plakaten der Umweltaktivisten zu lesen. „Auf keinen Fall darf der Atomausstieg dazu führen, dass zusätzliche Kohlekraftwerke gebaut werden”, erklärte Guthmann, nicht ohne auch auf die mit dem Tagebaubetrieb verbundene Staubproblematik einzugehen und den Verlust des Hambacher Forstes als wertvolles Ökosystem anzuprangern. Die Aktivisten fordern einen dezentralen Umbau der Stromversorgung auf Basis der Erneuerbaren Energien.

Das im Vorfeld über das Vorhaben der Aktivisten informierte Unternehmen reagierte erst einmal gelassen. „Aus Sicherheitsgründen haben wir den Betrieb der Hambachbahn in dem Abschnitt natürlich sofort gestoppt”, erklärte RWE-Power-Pressesprecher Manfred Lang vor Ort. Normalerweise fährt alle zehn bis 15 Minuten ein Zug mit 1400 Tonnen Braunkohle über die Strecke.

Weitergehende Maßnahmen wurden erst einmal nicht ergriffen. Und weil die Hambachbahn auf RWE-Betriebsgelände verläuft, schritt auch die Polizei aus dem zuständigen Rhein-Erft-Kreis zunächst nicht ein.

Noch am Abend ließ RWE Power die Aktivisten gewähren. „Die Stromversorgung der Bevölkerung ist nicht gefährdet”, versicherte Lang. Die Kohlebunker der Kraftwerke waren im Vorfeld gut gefüllt worden, so dass kein akuter Handlungsbedarf für den Energiekonzern bestand. Während sich die Aktivisten mit Schlaf- und Strohsäcken auf einen längeren Aufenthalt auf den Gleisen einstellten, ließ RWE Power lange offen, ob Anzeige erstattet werden soll; die Voraussetzung für ein Eingreifen der Polizei. Gleichzeitig wurden aber auch schon einmal Berechnungen über den wirtschaftlichen Schaden angestellt, um eventuell Regressansprüche gegen die Demonstranten geltend zu machen.

„Jeder Zug, der nicht fährt, ist für uns ein Erfolg”, betonte Guthmann. „Wir bleiben hier, bis wir geräumt werden”, antwortete der Sprecher auf die Frage, nach der Dauer der Aktion, die bei Redaktionsschluss noch andauerte.

Die Hambachbahn: RWE-eigene Eisenbahn

Die Hambachbahn ist eine Strecke im privaten Netz von RWE Power. Sie bindet den Tagebau Hambach an die sogenannte Nord-Süd-Bahn an, über die die RWE-Kraftwerke in Niederaußem, Frimmersdorf und Neurath mit Braunkohle versorgt werden, transportiert gleichzeitig aber auch Braunkohle, die zu Briketts veredelt wird.

Im Zuge des fortschreitenden Tagebaus wird die Hambachbahn derzeit von RWE Power auf einer Länge von 15 Kilometern in Richtung Süden verlegt - beginnend am Kohlebunker bei Ellen.

RWE Power investiert in die Verlegung rund 113 Millionen Euro.

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