Morschenich - Aktivisten blockieren Gleise der Hambachbahn

Aktivisten blockieren Gleise der Hambachbahn

Von: Sarah Maria Berners und Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Aktivisten haben sich gestern an die Gleise gekettet und die Hambachbahn lahmgelegt. RWE rückte mit Spezialgerät an, um die Schienenstränge zu durchtrennen und aus der „Umklammerung“ zu ziehen. Foto: sj, smb
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Aktivisten haben sich an den Gleisen der Hambachbahn festgekettet. Foto: Johnen

Morschenich. Alle fünf bis zehn Minuten rollt auf der Strecke der Hambachbahn ein mit 1400 Tonnen Braunkohle beladener Zug. Rund um die Uhr werden die Kraftwerke und Brikettfabriken mit Kohle aus dem Tagebau Hambach versorgt. Am Dienstag allerdings ging auf der Strecke lange Zeit nichts mehr.

Braunkohlegegner hatten die Hambachbahn bei Morschenich an zwei Stellen blockiert. Es gab ganz in der Nähe der Landstraße 257 eine Sitzblockade von sechs Aktivisten, die von der Polizei schnell geräumt wurde. Doch während dieses Einsatzes ketteten sich etwa anderthalb Kilometer entfernt zwei weitere Aktivisten an die Gleise. Und zwar derart gründlich, dass die „Entfesselung“ bis in den frühen Nachmittag dauerte. Die Schienen mussten durchtrennt werden, um die Braunkohle-Gegner zu befreien.

Um 5.27 Uhr hatte ein Notruf die Polizei erreicht, weitere Anrufe gingen bei RWE ein. Ein Zugführer hatte zuvor schon Personen auf der Böschung beobachtet und den Werkschutz alarmiert. Der Verkehr auf der Strecke wurde umgehend gestoppt, die Polizei rückte mit Unterstützung der sogenannten Technischen Einheit an. Ein Aktivist war auf eine Konstruktion aus drei Holzbalken geklettert und befand sich damit in luftiger Höhe (siehe „Die Räumung“). Erst nach dem Eintreffen eines vorsorglich hinzugerufenen Notarztes ging die Räumung weiter, die vor zehn Uhr abgeschlossen war, sechs Aktivisten wurden vorläufig festgenommen. Die Einsatzkräfte erreichte jedoch die Nachricht, dass es zwischenzeitlich eine weitere Blockade gab.

Ein Mann und eine Frau hatten sich an die Gleise gekettet. Die beiden hatten ihre Hände unter dem Gleis in einem speziell präparierten Ofenrohr mit Ketten verbunden und die Rohre – die ihnen fast bis zu den Ellenbogen reichten – mit Bitumenmasse verklebt.

„Wir werden wieder, wieder und wieder Steine, Sand und Drahtseile in RWEs tödliches Getriebe werfen. Solange der Wahnsinn weitergeht, werden wir immer wiederkommen, um durch unsere Körper und unsere Kraft die Leben zu schützen, die der fossile Kapitalismus zerstört!“, äußersten sich die Braunkohle-Gegner im Internet. Sie wollen seit 2012 mit der Besetzung eines Waldstücks und Aktionen die Abholzung des Hambacher Forstes verhindern. Angesichts des Klimawandels müsse gehandelt werden, betonte die Aktivistin, die sich an die Gleise gekettet hatte: „Uns reicht es nicht, nur unsere Meinung zu sagen.“ Angesprochen auf die Illegalität der Blockade und die Sachbeschädigungen sagte sie: „Ich finde, bei der Frage nach Gewalt und Friedfertigkeit wird total oft vergessen, dass wir in einer Welt leben, in der zum Beispiel von Konzernen wie RWE Gewalt ausgeübt wird, indem sie die Natur zerstören.“

Die Technische Einsatzeinheit der Polizei hat das Ofenrohr samt Aufschweißungen Stück für Stück aufgetrennt und entfernt. Damit die Arme und Hände der Aktivisten unverletzt blieben, wurden laut Polizei spezielle Schutzmaßnahmen getroffen. Unter anderem wurde während der Arbeiten mit Wasser gekühlt. Die Ketten wurden mit Bolzenschneidern aufgetrennt. Beide Aktivisten wurden zur Feststellung der Personalien ebenfalls in Gewahrsam genommen.

„Wir tragen auch Verantwortung für den körperlichen Zustand der Personen“, erklärte Polizeisprecher Ralf Meurer, warum die Polizei die selbst angelegten Fesseln löste. „Wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst“, betonte er. Es gehe dabei um die Unversehrtheit und die Haftfähigkeit der Personen. „Das ist eine absolut illegale Form des Protests, es handelt sich um Straftaten“, ordnete Meurer ein. „Es liegen mehrere Formen der Nötigung vor.“ Die Polizei hat die Aktivisten mit zur Wache genommen, wo einige Sympathisanten demonstrierten. Nach der Feststellung der Personalien wurde der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Der Energiekonzern wird Anzeige gegen die Aktivisten erstatten. Bei ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit wurden bereits Betretungsverbote ausgesprochen, an die sich die Aktivisten jedoch oftmals nicht halten. Der Schaden gehe laut RWE „in die Tausende“.

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