Düren - Aktionstag gegen Gewalt an Frauen

Aktionstag gegen Gewalt an Frauen

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Jede fünfte Frau in Deutschland wird Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Foto: Keystone

Düren. Quizfrage: Wie hoch schätzen Sie den Anteil an Frauen in Deutschland, die im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal körperliche Gewalt durch ihren Beziehungspartner erlebt haben? Antwort A: jede zwanzigste Frau. Antwort B: jede zehnte Frau. Antwort C: jede fünfte Frau. Richtig ist Antwort C.

Es ist wohl nicht untertrieben, wenn man angesichts dieser Zahlen von Millionen Betroffenen spricht. So mancher, der am Mittwoch am Aktionsstand des Frauenbüros der Stadt Düren im Stadtcenter sein Wissen testen ließ, geriet danach wohl ins Grübeln. Ob man es nun wahrhaben möchte oder nicht: Gewalt an Frauen ist ein Alltagsphänomen.

Die Mitarbeiterinnen des Frauenbüros und vieler weiterer Gruppen wollten deshalb auf die oftmals trostlose Lage der vielen Opfer hinweisen. Und sie hatten das Datum für ihre Aktion unter dem Titel „Ihre Meinung ist gefragt!” mit Bedacht gewählt. Am Mittwoch war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, den Menschenrechtsorganisationen 1981 ausriefen und den die Vereinten Nationen im Jahr 1999 als offiziellen Aktionstag anerkannten.

Hintergrund bildete die Folterung und Ermordung dreier Schwestern in der Dominikanischen Republik am 25. November nach monatelanger Folter durch die damalige Militärdiktatur. Der Mut der Mirabal-Schwestern, gegen das Regime vorzugehen, gilt seither als Symbol für Frauen weltweit, Kraft für das Eintreten gegen jegliches Unrecht zu entwickeln.

Fast 50 Jahre später ist die Problematik immer noch virulent - auch in Düren. „Unser Ziel ist, darauf hinzuweisen, wie schlimm das Ausmaß an Gewalt gegen Frauen ist”, bringt es die Frauenbeauftragte der Stadt Düren, Gilla Knorr, auf den Punkt. Allein im ersten Quartal dieses Jahres sind bei der Kreispolizeibehörde Düren 119 Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt gegen Frauen eingegangen. Im Jahr 2008 waren es insgesamt 519 Strafanzeigen. Hinzu kommen 253 polizeiliche Wohnungsverweise.

„Es gibt eine unheimlich hohe Dunkelziffer”, davon ist Gilla Knorr überzeugt. Viele betroffene Frauen würden ihre Situation vor der Öffentlichkeit verbergen, da ihr „Schamgefühl extrem hoch” sei. Damit ein langer Leidensweg von vornherein ausgeschlossen bleibt, sagt Knorr, sei es deshalb wichtig, Gewaltopfern frühzeitig zu vermitteln: „Das ist nicht deine Schuld.” Denn wer einma zuschlage, tue dies sehr wahrscheinlich wieder. Und mit jedem neuen Vorfall sinke die Hemmschwelle, weiß die Frauenbeauftragte. Nicht selten gehe es um Leben und Tod.
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