Aktionskunst: „Was lassen wir mit uns machen, ohne aufzumucken?”

Von: Sarah Maria Berners
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Was stört heute noch? Etwa ei
Was stört heute noch? Etwa eine Sicherheitskontrolle im Papiermuseum? Die Designmetropole hat es ausprobiert. Foto: Berners

Düren. Für das Papiermuseum gelten seit Jahresbeginn neue Sicherheitsvorschriften. Weil die Ausstellungsobjekte leicht entflammbar sind, werden am Eingang die Taschen kontrolliert. Feuerzeuge, Streichhölzer und Deospray müssen beim Sicherheitspersonal abgegeben werden.

Wie an einer Garderobe erhalten die Besucher eine Nummer. Nach dem Besuch der Ausstellung oder einer Veranstaltung können die Gegenstände wieder abgeholt werden.

Bei den Besuchern des ersten Museumsdialogs des Jahres haben diese neuen Sicherheitsvorkehrungen für große Verwunderung gesorgt. „Ich habe es ehrlich gesagt ein bisschen belächelt, in diesem Umfeld so eine Riesen-Kontrolle, aber man lässt es halt so über sich ergehen”, sagte ein älterer Herr.

Genau auf dieses „Über-Sich-Ergehen-Lassen” wollen die Künstler der Designmetropole Aachen aufmerksam machen. Die neuen Sicherheitsvorkehrungen sind nämlich frei erfunden, Uniformen und der Aufdruck einer Sicherheitsfirma sind im Handel zu haben. Die Künstler wollen ausloten: „Was stört heute noch? Was lassen wir mit uns machen, ohne aufzumucken?”

„Wir leben in einer Gesellschaft, die vieles nicht mehr hinterfragt”, sagt Patricia Yasmine Graf. Offiziell aussehende Sicherheitskontrollen schon gar nicht. Die Künstler wollen zum Nachdenken über das Totschlagargument „Sicherheit” anstoßen. Dabei haben sie auch im Sinn, wie viel der ohnehin schon durchleuchtete Mensch freiwillig von sich Preis gibt. Sei es im Internet bei Facebook oder wenn er die Paybackkarte benutzt. Die Künstler stehen dabei aber keineswegs mit dem erhobenen Zeigefinger da. Viele von ihnen haben ein Facebook-Profil. „Und sicher würden wir uns auch in die Reihe eingliedern”, sagt Graf.

In den 60er und 70er Jahren richteten sich Kunstaktionen im öffentlichen Raum häufig gerade gegen diese Autorität, die heute wie selbstverständlich hingenommen wird. Und da schließt sich der Kreis. Ganz abseits der künstlerischen und gesellschaftskritischen Aspekte, hat die Aktion einen ganz praktischen Nutzen: Sie ist ein Werbegag, eine Marketingkampagne für den Besuch der Museen in der Region und vor allem für die Ausstellung „Nie wieder störungsfrei. Aachener Avantgarde”.

Die Kunst, Menschen zu erreichen

„Heutzutage, in dieser enormen Informationsflut, ist es auch eine Kunst, die Menschen zu erreichen”, sagt Graf. „Die Grenze zwischen Kunst, Design und Marketing sind fließend.”

Manche lachen zwar über die Vorkehrungen, aber wirklich kritisch hinterfragt werden sie nur selten, sich weigern - das macht kaum jemand. Aber wundern und nachdenken. Und das will die Aktion schließlich auch erreichen.

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