Aktion „Offene Gartenpforte“: Kleines Paradies auf 500 Quadratmetern

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
12364447.jpg
Rosen und Clematis mag er besonders: Arnold Bauer ist Hobbygärtner und verbringt täglich rund zwei bis drei Stunden in seinem 500-Quadratmeter-Paradies. Am Wochenende kann man es besuchen. Foto: Valerie Barsig

Echtz. In Arnold Bauers Garten tönt der dumpfe Klang eines Holzwindspiels, das leise Plätschern einer Teichpumpe und von weit her das Gackern einiger Hühner. Eine Palme steht am Beginn des mit Rindenmulch ausgelegten Weges, der in verschlungenen Pfaden über das rund 500 Quadratmeter große Grundstück führt.

Zwei kreisrunde Grasinseln befinden sich darin, der Rest ist dicht an dicht bepflanzt mit zum Teil seltenen Blumen und Sträuchern. Überall versteckt finden sich kleine Figuren – Froschkönige, Reiher, ein Buddha und eine Vogeltränke, in der die abgefallenen Blüten der diversen Rosenbüsche noch das letzte Wasser finden, bevor es mit ihnen vorüber ist.

Überhaupt: Viel zu viel Wasser in Form von Regen habe es bisher gegeben, die vielen bunten Blüten seien längst nicht in dem Zustand, in dem sie ohne die Gewittergüsse der vergangenen Wochen sein könnten. Bauer nimmt mit seinem Garten an der Aktion „Offene Gartenpforte“ teil und öffnet ihn am kommenden Wochenende für interessierte Besucher.

Namen findet er nicht wichtig

Rosen und Clematis haben es Bauer besonders angetan. Fragt man ihn nach den genauen Namen seiner Schätze, winkt er ab. „Mit Namen kann ich nichts anfangen.“ Schön müssen sie sein, ihm gefallen, dann gibt er auch mal mehr Geld für eine Pflanze aus. So zum Beispiel für seinen Liebling im Garten: den australischen Baumfarn, der gut vor der Sonne beschützt im Halbschatten eines kleinen Bäumchens direkt an der ersten Grasinsel des Gartens wächst.

Bauer hat den Farn zwar nicht in Australien gekauft, bringt aber von seinen Urlaubsreisen gern Pflanzen mit – so wie den Oleander, der nur ein kleines Stück unweit des australischen Baumfarns wächst und seine Blüten gerade noch vorsichtig der Sonne entgegenreckt. So ganz blühen wollen sie noch nicht, das kommt später im Jahr. Den Steckling hat Bauer auf einer Wanderwoche in der Pfalz von einem großen Oleanderbusch abgepflückt. „In Süddeutschland gibt es viel Oleander. Dort wächst auch viel Wein, das bedeutet viel Sonne. Und das mag auch der Oleander.“

Längst nicht immer habe er Glück mit seinen Mitbringseln, manchmal aber schlagen sie Wurzeln, so wie die Pflanze aus der Pfalz, die bereits eine beachtliche Größe hat. Gleich neben ihr steht eine meterhohe quadratische Hecke in der eine blaue Bank eingelassen ist. Bauer sitzt hier gern sonntags morgens nach dem Frühstück und lässt sich von der Sonne bescheinen.

Rund zwei bis drei Stunden verbringt er täglich in seinem Garten. Wäre es nicht sein Hobby, wäre es zu viel Arbeit, sagt er. Seit 1990 wohnen er und seine Frau in dem Haus an der Maternusstraße, der Garten wuchs nach und nach. Anfangs gab es hier hauptsächlich Gemüse – das befindet sich jetzt hinten im Garten. In einem kleinen Gewächshaus, gleich am Hühnerstall, zieht Bauer Tomaten, Gurken, Zucchini und Aubergine.

Im Herbst dient das Gewächshaus als Unterstand für die Pflanzen, die drinnen überwintern müssen und als Aufzuchtsort für Geranien. Draußen, an der Seite des Gewächshauses, beginnt das Nutzpflanzenbeet. Dort wachsen Salate, Bohnen und Rhabarber. Den ersten Salat hat Bauer bereits geerntet und auch schon neuen nachgesetzt. Es wächst nur so viel, wie er und seine Frau auch essen.

Bei der Aktion „Offene Gartenpforte“ ist Bauer zum ersten Mal dabei. Auf die Idee mitzumachen kam er durch eine Anzeige in einer Gartenzeitschrift. „Ich lese ziemlich viele davon“, sagt er und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Aufgeregt ist er nicht. „Wenn keiner kommt, habe ich natürlich Pech gehabt.“

In andere Gärten schnuppern will er natürlich auch. Neid gäbe es unter Gartenfreunden keinen, sagt er. Schließlich habe einfach jeder einen anderen Geschmack und stehe man doch einmal in einem vollkommen überwältigenden Garten, erfreue man sich einfach am Schönen dort und vergleiche nicht.

Dass das Schöne auch vergänglich ist, ist Bauer bewusst. Dennoch gehört er nicht zu den Gärtnern, die auch noch den letzten Strauch päppeln. Einmal habe er beim Anlegen eines Weges die Wurzel eines Bäumchens gekappt. „Im Jahr danach war der Baum kaputt“, erzählt er. „Manchmal hat man jahrelang Pflanzen und von einem auf den anderen Tag wollen sie nicht mehr. Aber soll man sich darüber wirklich ärgern?“

Bei der Frage, ob Bauer denn mit seinen Blumen spreche, windet er sich und muss lachen. Dann gibt er zu: „Mit den Rosen und Orchideen drinnen spreche ich. Mit den anderen nicht.“ Ein wirkliches Garten-Geheimnis, das alle Pflanzen gesund hält, gebe es nicht, sagt er. Und denkt noch einmal nach. Nur die Liebe zu den Pflanzen, sagt er dann schließlich, „die ist wesentlich“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert