Horm - Aktion „Flieg um die Welt“: Bumerang aus Horn nimmt einen Umweg

Aktion „Flieg um die Welt“: Bumerang aus Horn nimmt einen Umweg

Von: Carsten Rose
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Heinz-Willi Dammers besitzt verschiedenste Bumerang-Formen: zum Beispiel das wohl bekannteste Design (oben), ein Herz-Unikat und das Weitwurf-Exemplar. Foto: Rose

Horm. Irgendwo im australischen Hinterland ist sein Bumerang gerade unterwegs. Heinz-Willi Dammers kann aber nicht ansatzweise schätzen, wo genau – es ist ihm eigentlich auch egal, sagt er. „Es könnte natürlich noch lange dauern, bis der Bumerang wieder hier ist.

Aber wer wäre prädestinierter für die Aktion, als die Aborigines?“, meint der 59-jährige Bumerang-Experte. Dammers hat im Sommer 2015 ein selbst gebautes Wurfholz auf eine Reise rund um die Welt geschickt, nach etwa drei Jahren sollte er zurückkommen. „Das wird nichts, der Zeitraum war zu optimistisch“, gibt er zu. „Ich finde das aber nicht ärgerlich – eher schön.“

Brasilien, USA, Indonesien, zwischendrin mal wieder kurz Deutschland und jetzt eben Australien. Bumerang-Sportler haben Dammerse' Exemplar bereits auf fünf Kontinenten durch die Luft geworfen, seine Stationen wechselt er per Post. „Über das zügige Weiterschicken herrscht überall eine andere Ansicht: Die Brasilianer haben den Bumerang etwa sechs Monate behalten“, erzählt Dammers. Wenn das Stück Holz zurückkehrt, soll es in der Bumerang-Szene zugunsten von Peter Borsdorffs Aktion „Running for Kids“ versteigert werden. Jeder, der den mit etlichen Länder-Flaggen beklebten Bumerang in die Hand bekommt, muss als Beweis ein Foto oder Video im Internet hochladen. Ein in der Bumerang-Szene bekannter Australier gab das Wurfholz dann an die australischen Ureinwohner weiter – und die sie bekanntlich teilweise noch wie Nomaden unterwegs. Dammers wartet jetzt ab, wann er wieder etwas hört.

In diesem Zusammenhang betont er, dass der Bumerang nicht nur aus Australien stammt – weder das Wurfholz noch die Jagdwaffe, die selbstredend nach dem Wurf nicht zurückfliegt. Das mit 20.000 Jahren bislang älteste Exemplar wurde 1985 in den polnischen Karpaten gefunden.

Nicht professionalisieren

Dammers hat kein festes Ziel, wie viele Länder sein Bumerang durchfliegen wird. Frankreich, Italien, Schweiz, Dänemark, Schweden, England, Japan und Indien würden es aber sehr wahrscheinlich noch werden. „Es dauert jetzt halt so lange, wie es dauert“, meint Dammers, der sich seit 1988 für das Hobby fasziniert, das in seinen Augen noch „ein Amateursport schlechthin ist“. Sponsoren gebe es nicht und sollte es auch nicht geben, findet der 59-Jährige: „Ich glaube, dass etwa 90 Prozent der jetzt Aktiven nicht mehr so dabei wären, wenn der Sport professioneller werden würde.“

Im Prinzip kann jeder auf Facebook die Entwicklung der Bumerang-Szene mitverfolgen. Vor gut vier Jahren hatte Dammers dort eine Gruppe („The World of Boomerang“/„Die Welt des Bumerangs“) für Enthusiasten wie ihn gegründet, fast 1100 Mitglieder hat sie. „Über soziale Netzwerke kann man ja sagen, was man will, aber was da zusammenwächst, ist granatenmäßig.“ In Indonesien habe sich dank der Gruppe eine Szene gegründet, ein Inder habe es über diese als einziger seines Landes zu einer Weltmeisterschaft geschafft.

Etliche Mitglieder zeigen ihre Bumerang-Exemplare, tauschen sich aus, geben Bauanleitungen. Zum Beispiel hat ein Schweizer, der den Rekord darin hält, das Wurfholz fünf Mal hintereinander so schnell wie möglich im Kreis zu werfen, sein en Rekord-Bumerang zum Nachbau bereitgestellt. „Ob jemand den auch so wirft, ist eine andere Sache“, ergänzt Dammers grinsend.

Bumerang aus Multiplex-Holz

Der Heilpädagoge aus Horm ist Vorsitzender des Deutschen Bumerang Clubs (DBC), dem er seit 30 Jahren angehört. Unter dem DBC, der rund 300 Mitglieder und davon gut 60 Turniersportler zähle, gibt es keinen anderen Verein oder Verband. „Jeder Minigolf-Verein hat wahrscheinlich mehr Mitglieder als wir, aber das ist mir wurscht“, scherzt der 59-Jährige, der in Köln und Bonn auf die Nächsten treffe, die so Bumerang-begeistert seien wie er.

Die Weltmeisterschaft 2016 organisierte er mit, etwa 160 Werfer kamen – nur etwa 40 davon aus Deutschland. „Und 80 Prozent der Teilnehmer, schätze ich mal, sind in der Facebook-Gruppe“, sagt er. Dammers bietet beim BSV Gey auf dem Sportplatz auch Training an – die Resonanz in der Region lässt jedoch auf sich warten.

Interessenten könnte Dammers eine Menge über den Sport und die Wurfhölzer erklären: Er baut sie meist aus Multiplex-Holz selbst, hat etwa 1500 Exemplare zu Hause, unter anderem einen 130 Jahre alten Jagdbumerang aus Australien. Bestimmt würde er auch von seinem Millenniums-Wurf erzählen: „1999 habe ich an Silvester einen blinkenden Bumerang um kurz vor 24 Uhr geworfen und im Jahr 2000 gefangen.“ In der Facebook-Gruppe und generell können das wohl nicht so viele von sich behaupten.

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