Aggressiver Bettler muss neun Monate hinter Gitter

Von: hp
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Düren. Betteln ist hierzulande nicht verboten. Anders sieht es aus, wenn das „Schnorren um ein paar Cent oder gar einen Euro“ allzu hartnäckig geschieht. Diese Erfahrung machte ein Dürener, der als Bettler fast stadtbekannt ist und bereits mehrfach vor dem Einzelrichter des Amtsgerichts stand.

Im Mai wurde er offensichtlich so aggressiv, dass die Staatsanwaltschaft Aachen ihn unter anderem wegen versuchter räuberischer Erpressung anklagte und er sich vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte.

Hinzu kamen zahlreiche weitere Tatvorwürfe, die zwischen dem Frühjahr 2014 und dem Frühsommer 2015 angezeigt wurden. Zu Beginn der Hauptversammlung stellte sich dann heraus, dass der Verteidiger über vier weitere Verfahren noch gar nicht informiert war, sondern sich nur auf neun verschiedene Anklagevorwürfe vorbereiten konnte.

Um das Verfahren nicht in die Länge zu ziehen, werden diese neuen Verfahren in einem weiteren Prozess verhandelt. Wichtig war es zunächst, keine Zeit zu verlieren, weil der Angeklagte auf Antrag der Staatsanwaltschaft Köln in U-Haft sitzt.

Der schwerste Tatvorwurf betraf einen Vorfall vom 12. Mai 2015. Am jenem Vormittag hatte der 48-Jährige an der Kölnstraße in Düren einen gleichaltrigen Maurer aus Niederzier um „einen Euro anpumpen“ wollen. Als er damit keinen Erfolg hatte, wurde er offenbar aggressiv, beschimpfte und beleidigte den Niederzierer und führte unter entsprechenden Drohungen die Hand unter seine Jacke, um damit den Besitz einer Waffe vorzutäuschen. Doch der beherzte Mann vom Bau ließ sich nicht einschüchtern und bat den Betreiber eines benachbarten Kiosks, die Polizei zu rufen.

Der Angeklagte leugnete den schweren Vorwurf, ebenso die mehrfache Leistungserschleichung bei Fahrten mit der Rurtalbahn. Als Hartz-IV-Empfänger besitze er ein Sozial-Ticket, für das ihm ein kleiner Beitrag von den staatlichen Leistungen als Eigenanteil abgehalten werde. Er habe lediglich das Ticket nicht bei sich gehabt. Anders seine Fahrten mit der Bundesbahn, etwa nach Horrem und Köln, für die eine solche Sozial-Fahrkarte nicht gültig ist.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft glaubte dem Handwerker mehr als dem Angeklagten, der nach eigenem Bekunden das erbettelte Geld für seinen Drogenkonsum brauchte. Der Angeklagte räumte ein, am 12. Mai an der Kölnstraße wegen Entzug unter Druck gestanden zu haben. Der Bettler wurde wegen versuchter räuberischer Erpressung, Bedrohung, Leistungserschleichung in fünf Fällen, Hausfriedensbruch in acht Fällen, Beleidigung sowie dem Diebstahl von 50 Euro aus dem Nebenraum einer Physio-Praxis zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Sollte der 48-Jährige in der Zwischenzeit einen stationären Platz für die Drogentherapie finden, kann die Haftstrafe in eine solche Unterbringung umgewandelt werden.

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