Merken - "Ärzte sollen wieder richtige Ärzte sein"

Radarfallen Bltzen Freisteller

"Ärzte sollen wieder richtige Ärzte sein"

Von: sj
Letzte Aktualisierung:
6370223.jpg
Hans-Kaspar Tugendheim ist Hausarzt in Merken. Foto: sj

Merken. Laut Statistik des NRW-Gesundheitsministeriums ist in acht von 15 Kommunen im Kreis Düren die hausärztliche Versorgung auf mittlere Sicht gefährdet, weil viele Landärzte in den Ruhestand gehen. Aber ist die Lage so dramatisch, wie es am Schreibtisch der Statistiker aussieht?

„Die medizinische Versorgung der Menschen ist gewährleistet“, gibt Hans-Kaspar Tugendheim zunächst eine Entwarnung. Der Mediziner ist Landarzt in Merken und Mitglied des für den Kreis Düren zuständigen Vergabeausschusses, der darüber entscheidet, ob Ärzte eine freie Praxis übernehmen oder eine neue eröffnen dürfen.

Diesem Gremium gehören Ärzte und auch Vertreter der Krankenkassen an. Der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung kommt die Aufgabe zu, die Ärzte auf dem Gebiet des Kreises Düren so zu „verteilen“, dass auf 1671 Patienten ein Hausarzt kommt. Im sogenannten Bedarfsplan ist diese Quotierung festgelegt.

Die Vorgaben legt der gemeinsame Bundesausschuss von je fünf Ärzten und Kassenvertretern und drei Unabhängigen fest. Das Netz ist bei Hausärzten am dichtesten geknüpft, bei Fachärzten sind weitere Wege zumutbar, es kommen mehr Einwohner auf einen Arzt.

„Das Problem ist derzeit ein statistisches“, erklärt Tugendheim. Auf dem Papier werden Ärzte, die über 60 sind, in den Ruhestand geschickt. „Viele Kollegen denken aber gar nicht ans Aufhören“, sagt der Merkener, der selber im Rentenalter ist. „Unser Beruf ist eine Berufung. Oder zumindest war er es einmal“, findet Tugendheim, der die Entscheidung, als Landarzt zu arbeiten, nie bereut habe.

Systemreform

Dennoch: Die Zahl der Bewerber für Praxisübernahmen sinke kontinuierlich. Sinnvolle Anreize wie Weiterbildungsveranstaltungen für angehende Hausärzte und finanzielle Förderungen (Infokasten) hätten diesem Trend bislang nicht ausreichend entgegenwirken können.

„Gerade jüngere Mediziner entscheiden sich für lukrativere Möglichkeiten mit geregelteren Arbeitszeiten“, sagt Tugendheim. Und die Großstadt werde dem ländlichen Raum auch aufgrund einer besseren Logistik vorgezogen.

„Wenn Sie auf weiter Flur als einziger niedergelassener Arzt arbeiten, wird die Vertretungsregelung eine Herausforderung“, gibt Tugenheim zu bedenken.

Hinzukomme eine steigende bürokratische Belastung und ein Budgetsystem für die medizinische Arbeit, dessen finanzielle Decke zu kurz sei. „Ärzte sollten wieder richtige Ärzte sein dürfen“, fordert Tugendheim eine tiefgreifende Reform des Gesundheitssystems.

Wer sich dazu entscheide, eine Praxis zu übernehmen oder zu eröffnen, gehe ein hohes Risiko ein. Planungssicherheit dagegen gebe es keine.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert