Ärzte ohne Grenzen: Bettina Pöpping hilft in Krisengebieten

Von: Jörg Abels
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Bettina Pöpping im Einsatz in Afrika. Ihre erste Station im Dienst von „Ärzte ohne Grenzen“ führet sie 2009 nach Sierra Leone, danach ging es ind en Norden Somalias in die nicht-anerkannte Republik Somaliland. Foto: Abels
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Gerade erst ist Bettina Pöpping aus Kambodscha zurückgekehrt. Foto: Abels

Kreuzau. In diesen Tagen ist Bettina Pöpping wieder öfter bei ihren Eltern in Kreuzau-Langenbroich. Und ganz ehrlich genießt sie ein wenig das Leben in der Heimat: Denn Luxus, Wohlstand und Konsumgesellschaft waren in den vergangenen Jahren Fremdwörter für die 54-Jährige.

2009 ließ die medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin erstmals ihren monotonen Laboralltag in München zurück und schloss sich der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ an. Seitdem war sie in verschiedenen Krisenregionen in Afrika und Asien unterwegs, um notleidenden und kranken Menschen zu helfen, um vor Ort neue Krankenhäuser aufzubauen. Gerade erst ist sie von einem 20-monatigen Einsatz aus Kambodscha zurückgekehrt, wo sie in einem Tuberkulose-Projekt tätig war.

„Ich habe in meinem Leben so viel Gutes erfahren. Mit meiner Arbeit für ‚Ärzte ohne Grenzen‘ kann ich etwas davon zurückgeben“, beschreibt Bettina Pöpping ihre Motivation. „Es macht mir einfach Spaß, mein Wissen weiterzugeben.“ Etwas von der Welt zu sehen, Land, Leute und fremde Kulturen kennenzulernen, spielt auch eine Rolle. Allerdings war das in den vier bisherigen Einsatzgebieten aufgrund der Sicherheitslage nicht immer möglich.

Ihr erstes Projekt führte Bettina Pöpping 2009 nach Sierra Leone, in eine Klinik für Kinder und Geburtshilfe. Anschließend ging es in die international nicht-anerkannte Republik Somaliland im Nordwesten Somalias, später nach Afghanistan. „Afghanistan ist im Vergleich zu Somaliland ein Paradies“, berichtet die 54-Jährige. Im Norden Somalias konnte sich das Team von „Ärzte ohne Grenzen“ ohne Begleitung bewaffneter Sicherheitskräfte überhaupt nicht frei bewegen. Und auch der Schleier gehörte dort ein Jahr lang zu ihrer täglichen Kleidung, weil Frauen in dem muslimischen Land in der Öffentlichkeit keine Haare zeigen dürfen. „Aber das wusste ich und respektiere ich auch“, betont die Kreuzauerin.

Auch bei den vier Projekten in Afghanistan musste sie die Sicherheitslage immer im Blick behalten. Sie arbeitete in einem Traumazentrum im Kundus, dort, wo auch die Bundeswehr stationiert ist, in einem Krankenhaus an der pakistanischen Grenze, im Südwesten des Landes und in Kabul. „Natürlich meidet man leere Straßen, aber auch Menschenansammlungen“, berichtet sie. Insgesamt aber sei die Lage in Afghanistan nicht so schlimm gewesen, wie sie in der Öffentlichkeit oft dargestellt wird.

Und dennoch war es ihr Wunsch, sich endlich auch wieder freier bewegen zu können. Bettina Pöpping ging nach Fortbildungen bei der Weltgesundheitsorganisation und bei einem tropenmedizinischen Institut in Antwerpen 2012 nach Kambodscha.

„Man gibt viel auf, bekommt aber auch sehr viel zurück“, berichtet die 54-Jährige von großer Dankbarkeit der Patienten in den alles andere als fortschrittlichen Ländern; Dank in Form strahlender Augen. „Eine Frau in Sierra Leone sagte mal zu mir, Allah habe mich geschickt.“ Aber natürlich ist auch der Tod täglicher Begleiter.

„In Somalia stand mir einmal nur eine Transfusion für zwei Patienten zur Verfügung und ich musste entscheiden, wer sie bekommt“, berichtet Bettina Pöpping. Die Laborantin musste lernen, emotionale Distanz aufzubauen, nicht jeden tragischen Fall gedanklich mit nach Hause zu nehmen. „In Somalia und Afghanistan habe ich versucht, das Geschehen mit Lesen und Videos ein wenig auszublenden, in Kambodscha konnten wir auch viel unternehmen.“

Obwohl die Arbeitsbedingungen in den Krisenregionen nicht mit denen in Deutschland vergleichbar sind, Geräte kaum auf dem neuesten Stand der Technik sind und nicht selten auch mal der Strom ausfällt, kann sich Bettina Pöpping ein anderes Leben kaum noch vorstellen. Nach Möglichkeit will sie bis zur Rente für „Ärzte ohne Grenzen“ unterwegs sein und Menschen in Krisenregionen helfen. Sie spricht vom „schönsten Job der Welt“ und ist sichtlich stolz, für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeiten zu dürfen.

Wohin das nächste Projekt sie führt, ist noch offen. „Ich hätte schon Mitte Mai nach Papua-Neuguinea gehen können“, berichtet sie. Das aber war ihr dann doch zu kurzfristig. Mitte Juli aber soll es wieder losgehen. Dann werden ihre Eltern in Langenbroich wieder längere Zeit auf sie verzichten müssen.

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