Ängste im Straßenverkehr: Mehr Sicherheit durch Fahrsimulator

Von: Gudrun Klinkhammer
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Fahrlehrer Stefan Wessel im Fahrsimulator, den er Mitte November für seine Fahrschüler anschaffte. Geeignet ist das Gerät sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Im richtigen Leben gibt es keinen „Reset“-Knopf. Baut ein Autofahrer einen Unfall, dann ist das nicht wieder gut zu machen. Die Schäden sind nicht, wie bei einem Computerspiel, mit einem Knopfdruck reparabel.

Für viele Fahranfänger und Wiedereinsteiger bedeutet diese Situation des Definitiven im Straßenverkehr Stress. Die Fahrer sitzen am Steuer und es fällt ihnen schwer, den Stress außen vor zu lassen, selbst, wenn ein erfahrener Lehrer neben ihnen sitzt.

Aus diesem Grund kaufte der 47-jährige Fahrschullehrer Stefan Wessel für seine gleichnamige Fahrschule einen Fahrsimulator. Der Simulator, der 19.000 Euro kostete, soll den Schülern helfen, Angst abzubauen und Sicherheit zu gewinnen, möglichst vor der ersten Fahrstunde. Stefan Wessel erklärt: „Der Fahrer übt alleine mit dem Simulator und kann sich voll auf die Übungen konzentrieren. Alles wird wiederholt, bis es sitzt.“

Das Übungsgerät besteht aus einem Sitz, vier Monitoren, wovon drei vor und einer hinter dem Fahrer positioniert wird, und einer Kamera. Die Kamera und das Softwareprogramm kontrollieren jede Aktion des Fahrers, speichern die Fakten, werten sie aus und senden das Ergebnis per Mail an den Schüler. Macht ein Fahrer Unfug oder massiv etwas falsch, dann wird er mit einem „blauen“ Bildschirm bestraft.

Diese ungewollte Auszeit kostet Zeit und somit Geld. Dreht der Aspirant den Simulatorschlüssel am Lenkrad herum, dann wird das Laufen eines Motors sowohl akustisch als auch per Vibration täuschend echt nachempfunden.

Fährt der Fahrer gegen einen imaginären Bordstein, der vor ihm auf dem Bildschirm auftaucht, dann wackelt die ganze Maschine und das Lenkrad wird ihm aus der Hand geschlagen. Stefan Wessel führt weiter aus: „Die größten Probleme erleben wir tatsächlich in den ersten Stunden. Was sehr auffallend ist: Die Motorik der Jugendlichen hat sich total verändert.“

Die Koordination von Händen und Füßen fällt den meisten jungen Menschen heute nicht wirklich leicht. Auch müssen manche Schüler „runtergeholt“ werden, gehen sie doch aufgrund von langjährigem Playstation-Konsum sehr stürmisch und unangemessen an das Autofahren heran.

Nach sechs oder sieben Stunden im Simulator steigt der Fahrschullehrer in der Regel mit seinen Schützlingen auf das Auto und den regulären Straßenverkehr um. Wessel: „Nach dieser ersten Trainingsphase können wir ganz woanders anfangen, auch spart das Training in der Maschine möglicherweise bares Geld.“ Denn eine Übungseinheit im Simulator kostet 18 Euro, eine Fahrschuleinheit mit Fahrlehrer 37 Euro.

Interessant ist diese Art der ungefährlichen, aber lebensechten Übung auch für ältere Menschen. Stefan Wessel weiß aus Erfahrung, dass immer wieder folgendes passiert: „Bei den älteren Ehepaaren fährt fast immer der Mann.“ Wird dieser allerdings krank, dann muss die Frau fahren. Diese besitzt zwar meist einen Führerschein, allerdings so gut wie keine Fahrpraxis mehr. Die Frauen, die Praxis erlangen möchten, können im Simulator ihre Ängste ablegen und an Sicherheit gewinnen.

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