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Abtei Mariawald: Unruhe nach dem Rücktritt von Joseph Vollberg

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
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Zurückgetreten: Joseph Vollberg, ehemaliger Abt des Klosters Mariawald (links), setzte sich massiv gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerks am Rursee ein. Kürzlich trat er als Abt der Abtei zurück. Foto: gkli
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Seit 500 Jahren ist die Abtei Mariawald ein Hort der Stille und Besinnung. Auf dem Rücken des Kermeters liegt das einzige Trappistenkloster Deutschlands unweit der Stadt Heimbach.

Mariawald. Hoch oben auf dem Rücken des Kermeters liegt die Abtei Mariawald. Bei ihr handelt es sich um das einzige Trappistenkloster in ganz Deutschland. Seit 500 Jahren ist sie eine Institution der Einkehr und Besinnung, viele Menschen pilgern aus religiösen Gründen, aber auch wegen der Erbsensuppe dorthin. Jetzt gibt es Unruhe bei den Mitbrüdern der historischen Stätte.

Kürzlich ereignete sich ein Schritt, den es in der Geschichte der Abtei in Mariawald noch nie gegeben hat: Der neunte Abt von Mariawald, Joseph Vollberg, trat zurück.

2006 wurde der jetzt 53-Jährige in Mariawald zum „Abt auf Lebenszeit“ gewählt. Er führte den strengen Ritus nach den Büchern, die bei den Zisterziensern vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 1963 in Gebrauch waren, in Mariawald wieder ein.

Die Trappisten sind Mönche der Erneuerungsbewegung der Zisterzienser im 17. Jahrhundert, also ein Abzweig dieser Glaubensgemeinschaft. Mit der Einführung des strengen Ritus erhoffte sich Vollberg, neue, junge Mitbrüder zu finden. In einem offenen Brief von Oktober 2012 berichtete er jedoch nach der Einführung über „Spannungen mit älteren Mitbrüdern“. Der strengere Ritus schreibt zum Beispiel das erste Gebet in der Nacht um drei Uhr vor. Vollberg formulierte damals öffentlich: „Das ist anstrengender und anspruchsvoller als bisher.“

Ein Fragenkatalog, den diese Zeitung dem zurückgetretenen Abt, seinen Vorgesetzten beziehungsweise den Verwaltungsmitarbeitern vorlegte, wurde nicht beantwortet. Stattdessen kommt wieder der Verweis auf die Internetseite. Dort steht, dass nach einem Gespräch mit den Visitatoren Dom Bernardus und Dom Eric die Einsicht zum Rücktritt erfolgt sei und Joseph Vollberg in Mariawald nun den Posten des Priors, also des Hausoberen, bekleide. Vollberg: „Zum Wohle der Zukunft, um absehbare Änderungen der Statuten zulassen zu können.“ Sonst drohe die Schließung des Konvents. Die Mitarbeiter der Abtei bräuchten „zunächst jedoch keine Veränderung zu fürchten“.

Auflösung des Klosters?

Zehn interne und externe Brüder zählt der Konvent laut Stand 10. April 2016, 217 Mitglieder gehören dem Förderverein an. Hinzu kommen weitere Mitarbeiter in der Kantine und im Buchladen der Einrichtung. Vollberg dementiert in seinem Internet-Statement Gerüchte über eine Auflösung des Klosters. Dom Bernardus Peeters aus Tillburg, dem nun die Würde des Abts von Mariawald und damit die Hauptverantwortung für die Einrichtung übertragen wurde, soll dafür Sorge tragen, dass vor allem die älteren Mitbrüder besser versorgt werden können. Auch soll er „mit Rat und Tat“ zur Seite stehen, gehe Vollberg „mit jüngeren Brüdern weiter den Weg der Tradition“.

Aus internen Klosterkreisen kam der Hinweis, dass durch den Rücktritt Vollbergs die Entscheidungen bezüglich Mariawald leichter fallen könnten – ob Fortbestand oder Auflösung, das wurde nicht konkretisiert. „Mariawald ist das spirituelle Zentrum unserer Gemeinde“, formuliert Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer. „Hoffen wir, dass uns alles noch lange erhalten bleibt.“

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