Absolute Standsicherheit für die Dörfer am Indesee

Von: hfs.
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Kraftakt: Die Umsiedlung von über 4000 Menschen aus Inden und Altdorf nach Inden/Altdorf und der Bau eines komplett neuen Kommunalzentrums samt Kirchen ist gelungen. Jetzt warten andere Aufgaben. Foto: Dolfus

Inden/Altdorf. Einen Erdrutsch wie in Nachterstedt wird es im hiesigen Braunkohletagebau nicht geben. Davon sind jedenfalls Rolf Petri von der Bergverwaltung Düren und Klaus Buschhüter vom Geologischen Dienst NRW überzeugt.

Die Experten äußerten sich bei einer Informationsveranstaltung in Inden/Altdorf vor rund 80 Rats- und Gemeindevertretern zur Standsicherheit von Böschungen im Tagebau Inden.

Als am 21. Juli ein Haus mit drei Bewohnern in einem Tagebau-See in Sachsen-Anhalt versank, wurden Stimmen laut, im rheinischen Braunkohlegebiet könnte sich ein solches Unglück wiederholen. Nicht nur die Politik forderte auf entsprechende Fragen Antworten, auch die Bewohner, die in der Nähe der Tagebaue leben oder denen in absehbarer Zeit ein Restsee vors Haus geschaffen wird.

Buschhüter vermied das Wort „Schlampigkeit”, als es um die Frage ging, warum das Haus in den Concor-diasee stürzte. Die Zuhörer fragen mehrmals nach dem Warum. Denn vor den Erläuterungen der beiden Sachverständigen hatten diese bekundet, unmittelbar nach dem Erdrutsch vor Ort gewesen zu sein, um Ursachenforschung zu betreiben.

„Im Uhrzeigersinn zurück”

„In Nachterstedt sind aus der Not heraus viele Fehler gemacht worden”, sagte Buschhüter. So habe man auf der Suche nach weiterer Braunkohle eine bestehende Kippe erneut angeschnitten, den Tagebau dann nochmals „im Uhrzeigersinn zurück” ausgekohlt. Bei der Rekultivierung hätte dann vieles im Argen gelegen. „Auch die Befüllung des Concordiasees erfolgte aus der Not”, so der Geologe. Er erwähnte aber auch, dass in den ostdeutschen Tagebauen rund 1000 Kilometer Böschung vernünftig saniert wurden, „aber die eingebrochenen 350 Meter dann für das Unglück gesorgt haben”. Insgesamt flossen rund zehn Milliarden Euro zur Rekultivierung von Tagebauflächen in den Osten.

Wenn es um die Standsicherheit von Böschungen im rheinischen Braunkohlegebiet geht, könne man von einer hundertprozentigen Sicherheit ausgehen. „Ein Setzungsfließen wie in Sachsen-Anhalt gibt es im Rheinland nicht”, sagte Petri. So werden seit vielen Jahren Verformungen an Böschungen mittels Sonden oder hochmodernem GPS-System überprüft. Per Laserstrahl würden die Böschungen abgetastet, wobei jede Veränderung registriert wird.

Zudem sei es, im Gegensatz zu Nachterstedt, verboten, Siedlungen auf Kippen zu bauen. Ferner ist der Sicherheitsabstand von der Wohnbebauung zur Abraumkante auf über 1000 Meter festgesetzt. Unter diesen Sicherheitsaspekten sind die unmittelbar am künftigen Indesee gelegenen Ortschaften untersucht worden.

Aussage der Experten: Für Lucherberg, Merken, Schophoven und die Goltsteinkuppe könne „absolute Standsicherheit” signalisiert werden. Auch auf die Frage aus der Zuhörerschaft, ob durch die Größe des Restsees die verstärkte Wind- und Wellenbildung berücksichtigt worden sei, konnte „Entwarnung” gegeben werden.

Die Standsicherheit einer Böschung ist auch vom Befüllungszustand des Sees beziehungsweise von der Geschwindigkeit der Befüllung abhängig. Das stellte der Geologe Klaus Buschhüter heraus. So wird der Wasserstand bei der Füllung des Indesees immer etwas höher gehalten als der des umliegenden Grundwassers, damit das Wasser vom See immer nach außen abfließen kann.
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