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95 Jahre Wahlrecht für Frauen: Das sagen Dürener Politikerinnen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Frauen in der Wahlkabine: Vor 95 Jahren war das Wahlrecht für Frauen ein Meilenstein auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Foto: dpa, smb

Kreis Düren. 95 Jahre ist es her, dass Frauen zum ersten Mal ihr Kreuz bei einer Wahl machen durften, und genauso lange liegt es zurück, dass Frauen sich erstmals für ein politisches Amt zur Wahl stellen konnten. Anlässlich der Jahrestagssitzung zieht CDU-Politikerin Gaby Schmitz Esser ein Fazit: Frauen fehlen immer noch in der Kommunalpolitik.

In Sachen Gleichberechtigung hat sich im vergangenen Jahrhundert viel getan. Aber auch heute – 95 Jahre, nachdem Frauen sich zum ersten Mal wählen lassen durften und trotz einer Kanzlerin an der Spitze des Landes – ist die Kommunalpolitik noch immer eine Männerdomäne. „Ich schaffe es nicht, Frauen für die Politik zu gewinnen“, sagt Gaby Schmitz-Esser. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen sei schon nicht einfach. Vor einer dritten zeitintensiven Aufgabe würden Frauen oftmals zurückschrecken, zumal sie immer überall 100 Prozent geben wollten und Sorge hätten, genau das nicht leisten zu können. Männer seien da spontaner, würden eher ausprobieren.

Gaby Schmitz-Esser hat in der Politik angefangen, als ihre Tochter gerade geboren war. Damals begann sie, sich für Kinderspielplätze, Kindergärten, Schulen zu interessieren, für die „Frauen-Themen“ in der Kommunalpolitik. „Wer nicht aktiv ist, kann auch nichts bewegen“, war damals ihre Devise. Und sie gilt noch: „Es ist wichtig, seine Meinung zu vertreten und es ist wichtig, dass Frauen im Rat repräsentiert werden.“

Auch die Dürenerin Verena Schloemer hat als junge Mutter begonnen, in der Politik mitzumischen. Sie erinnert sich noch an Zeiten, in denen sie eines ihrer Kinder in den Ausschusssitzungen stillte und daran, dass sie ihre Kinder einfach mitbrachte, als eine Sitzung spontan verlegt worden war – auch, um ein Zeichen zu setzen. „So eine Situation stellt Mütter natürlich vor Probleme“, betont Schloemer. Sie kann sich gut vorstellen, dass die Kommunalpolitik familienfreundlicher gestaltet werden könnte. Unterstützung für Babysitter könnten die Kommunen zum Beispiel leisten. „Denn Ratssitzungen finden zu einer Zeit statt, die für Mütter wirklich nicht günstig ist.“

Bei den Tagungen der Frauen-Union gibt es laut Schmitz-Esser immer eine Kinderbetreuung. Aber bei anderen CDU-Veranstaltungen werde das gar nicht erst thematisiert.

Die Politikerinnen wissen, dass es schwer ist, Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen. Sie wissen aber auch, dass die Familie nicht alleiniger Grund ist, warum Frauen im Rat in der Unterzahl sind. „Vielen Frauen fehlt der Mut für den Schritt in die Politik“, sagt Gaby Schmitz-Esser.

Renate Schwarz von den Bürgern für Merzenich glaubt, dass viele Frauen Angst hätten, Fehler zu machen. „Aber das gehört dazu, wenn man sich aktiv für etwas einsetzt“ , betont die Ratsfrau.

„Frauen wollen oftmals nicht im Vordergrund stehen, sind weniger machtorientiert“, nennt Schloemer einen weiteren Grund für die geringe Frauenquote. Sie hält eine paritätische Besetzung der Gremien für unwahrscheinlich. „Aber eine Frauenquote von 30 Prozent wäre schön“, sagt sie. Wenn ausreichend Frauen mitmachen würden. Wichtig findet auch Gaby Schmitz-Esser gemischte Gremien, weil Männer und Frauen nunmal unterschiedliche Ideen und unterschiedliche Sichtweisen hätten. Diese könnten einander gut ergänzen. „Die politischen Gremien müssten die Bevölkerung repräsentieren“, fordert Renate Schwarz. Die Frauenförderung gelte, es politisch noch weiter voranzubringen. Schwarz ist davon überzeugt, dass Frauen stärker ein Auge auf die Schwächeren in der Gesellschaft hätten. „Frauen sehen Dinge, die viele Männer nicht sehen“, sagt sie und bemängelt, dass „Frauen im Vergleich zu Männern das Doppelte leisten müssten – für die gleiche Anerkennung“.

Schloemer findet – und das hat auch FDP-Politikerin Ingola Schmitz in einem Gespräch betont – dass das Thema Kommunalpolitik stärker auf den Agenden der Schulen stehen müsste. Dort komme die Kommunalpolitik zu kurz, das Thema politisches Engagement werde nicht ausreichend beachtet.

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