Valenciennes - 800 Millionen Euro für neues Lebensgefühl in Valenciennes

800 Millionen Euro für neues Lebensgefühl in Valenciennes

Von: Christoph Lammertz
Letzte Aktualisierung:
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Neues Lebensgefühl: Die Menschen fühlen sich wohl im runderneuerten Stadtkern Valenciennes - vor allem wenn die Frühlingssonne in die Straßencafés rund um das Rathaus (im Hintergrund) lockt. Foto: Lammertz

Valenciennes. Würden wir uns irgendwo in Deutschland befinden, lägen die Zahlen sauber aufgelistet auf dem Tisch. Was im Grunde gar nicht nötig wäre, denn die Verantwortlich könnten sie natürlich auswendig aufsagen. Die Mentalität der Franzosen ist da ein wenig anders. „800 Millionen Euro? Wenn Sie es sagen...”

Vor viereinhalb Jahren war uns diese Summe bei unserem letzten Besuch im Norden Frankreichs genannt worden. 800 Millionen Euro würden in den nächsten Jahren investiert, um Valenciennes, die Partnerstadt Dürens, neu zu erfinden. Damals war Valenciennes eine einzige Baustelle. Und es bedurfte einer Menge Fantasie, um sich vorzustellen, was in wenigen Jahren aus der Stadt werden könnte. Heute ist der Wandel zumindest im Zentrum vollzogen. Und das neue Valenciennes präsentiert sich als eine moderne, lebenswerte Stadt mit Charme.

Das Ergebnis zählt. Und darauf sind die französischen Partner Dürens stolz. Ob nun der Staat 160 Millionen Euro beigesteuert hat oder ob das der Beitrag der Kommune selber war - geschenkt. „Das meiste Geld haben wir aus europäischen Fördertöpfen bekommen”, bleibt auch Genevive Adam, Vizebürgermeisterin und Vorsitzende des Komitees für die Partnerschaft mit Düren, unpräzise. Eine ganz genaue Vorstellung hatten sie und die anderen Verantwortlichen im Rathaus dafür immer von dem, was sie mit dem vielen Geld erreichen wollten: „Eine neue Stadt - ein neues Leben”, hieß der Slogan, mit dem man den Umbruch startete. Die Menschen in der 43.000-Einwohner-Stadt und im Ballungsgebiet Valenciennes, das es auf 35.0000 Einwohner bringt, standen im Mittelpunkt aller Überlegungen.

Der Wohlfühlfaktor sollte kolossal gesteigert werden. Im Zentrum ist das bereits gelungen. Die Straßen sind alle erneuert, die Plätze saniert, teils umgestaltet und doch in ihrem Charakter erhalten worden. Die vielen Straßencafs sind in diesen Frühlingstagen Treffpunkt für das urbane Leben. Auf hochwertigem Pflaster flanieren die Kunden an den Läden vorbei. Neue Bürogebäude und Wohnungen sind entstanden. Dazu eine Einkaufsgalerie. Und mitten durch die Szenerie schlängelt sich das Herzstück der Erneuerung - die Straßenbahn. Im Zentrum wirkt sie wie die neue Lebensader einer Stadt, deren Puls deutlich schneller schlägt als zu Beginn des Jahrtausends. Nach außen ist sie ein Zeichen für den Aufbruch. Wenn der moderne Zug, ausgestattet mit den neuesten Wagen aus der Bombardier-Werkstatt, etwa am trostlosen Bahnsteig von Dutemple hält, dem ärmsten unter den Vororten Valenciennes, wirkt er auf den ersten Blick fast deplatziert. Doch auch dieses Quartier ist in Bewegung.

Die schäbigen alten Bergmannsreihenhäuser, die seit Jahrzehnten nicht renoviert worden sind, haben ausgedient. Nur einen Steinwurf von ihrer ärmlichen Behausung entfernt, können die Menschen beobachten, wie neue moderne Sozialwohnungen entstehen, in die sie Schritt für Schritt umgesiedelt werden. „Alle sollen von der Erneuerung der Stadt profitieren”, betont Genevive Adam und erinnert daran, dass sich die Planer deshalb auch stark an den Bedürfnissen und wünschen der Menschen orientiert haben. „Die Beteiligung der Bevölkerung ist bei uns extrem wichtig. Im Rathaus wird keine Entscheidung gefällt, die nicht von den Menschen mitgetragen wird. Einige Projekte sind nach intensiven Beratungen mit den Bewohnern vor Ort geändert worden”, erklärt die Vizebürgermeisterin.

Vielleicht findet sich darin auch das Geheimnis, warum in den zurückliegenden Jahren, als Valenciennes eine einzige Baustelle war, niemand auf die Barrikaden ging. Unterschriftensammlung wegen einer gesperrten Straße? Das Dürener Beispiel der Bismarckbrücke amüsiert die Verantwortlichen im Valencienner Rathaus. Die Kanalisation hat man komplett erneuert, alle Versorgungsleitungen ersetzt - das Schild „Route Barre” (Straße gesperrt) prägte lange das Stadtbild. Jetzt findet man es fast nur noch in den Außenquartieren, wo vor allem im großen Stil noch neuer attraktiver, aber bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Auch dafür stehen Strukturfördermittel zur Verfügung. Wie viel nun genau aus welchem Topf stammt, ist sicher nicht die wichtigste Frage.
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