80 Kinder auf der Jagd nach kleinen Fichten

Von: Sarah Maria Berners
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Kleine Fichten werden ausgezupft, um wieder Raum für die natürliche Vegetation im Tal der „Weißen Wehe“, einem kleinen Bach, zu schaffen. Foto: Sarah Maria Berners
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Leitet das Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde: Konrad Hecker. Foto: Sarah Maria Berners

Raffelsbrand. Mehr als 80 Kinder haben am Donnerstag dem Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde bei der Arbeit geholfen. Während ihre Profi-Kollegen den dicken Stämmen mit der Kettensäge an den Leib gehen, haben sie sich mit Handschuhen, Beilen, Sägen und Äxten auf die Jagd nach Fichten gemacht.

Die jüngsten Kinder rupften Minifichten aus, die älteren fällten die Bäume, die es doch schon auf einige Zentimeter Durchmesser gebracht haben. Die Kinder, die aus ganz Deutschland kommen, sind im Bundesferienlager der Deutschen Waldjugend auf dem Zeltplatz Finkenheide untergebracht. Dort steht neben vielen spaßigen Dingen auch das Thema „Nachhaltigkeit“ auf dem Plan. Und im Wald soll dieser komplizierte Begriff praktisch erfahrbar werden.

„Die Fichten gehören hier eigentlich nicht hin“, erklärt Konrad Hecker, der Leiter des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde. Nach dem Krieg habe man sich für das schnellwachsende Holz entschieden. Und jetzt versucht man, diese Entwicklung ein Stück weit wieder zurückzudrehen. Die Fichten haben nämlich keinen guten Einfluss auf die übrige Vegetation. Sie behindern Gräser und (Torf-)Moose in ihrem Wachstum, nehmen Binsen und Adlerfarnen das Licht.

Wären die Fichten nicht angepflanzt worden, würden entlang der „Weißen Wehe“ Eichen, Eschen, Birken und Erlen wachsen – und zu diesem Bild will man in dem Tal wieder zurückkommen. „Je naturbelassener Systeme sind, desto stabiler sind sie“, nennt Konrad Hecker einen Grund für die Aktion. Zudem würden die Feuchtwälder ganz anderen Tieren Lebensraum bieten. So sei mit Entfernung der Fichten in den Bachtälern auch der Schwarzstorch wieder zurückgekehrt, weil er nun im Hürtgenwald wieder Nahrung und damit einen Lebensraum findet.

Insekten, Pilze und Vögel könnten sich ansiedeln, die unter Fichten keine Chance hätten. Und einen weiteren positiven Aspekt hat die Entfernung am Rande des Baches noch: Das Tal sieht viel schöner aus. Wenn die Fichten entfernt sind, werden die Förster das Waldstück sich selbst überlassen. Laubbäume sollen wieder die Chance bekommen, zu wachsen. Und wenn sie groß genug sind, können einzelne Bäume gefällt und deren Holz genutzt werden. Aber an der „Weißen Wehe“ steht die Holzernte nicht im Vordergrund.

„Die Kinder sind uns eine große Hilfe“, lobt Konrad Hecker das Engagement. Vor allem sei es für die Mitarbeiter des Regionalforstamtes kaum möglich, die ganz kleinen Fichten alle zu entfernen. Und die Kinder hatten Spaß bei der Sache – und der kleine Bach bot eine willkommene Abkühlung.

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