650 marschieren im Geist der Völkerverständigung

Von: Heike Eisenmenger
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Die Reservisten hatten es nicht leicht. Dauerregen hatte die Wege im Hürtgenwald in eine Schlammlandschaft verwandelt. Foto: Eisenmenger

Hürtgenwald. Dauerregen hat den Hürtgenwald in ein Schlammlandschaft verwandelt: Hauptfeldwebel Andreas Recktenwald am Steuer des „Wolfs” muss schon sehr aufpassen, damit sich der Geländewagen nicht festfährt. Den ganzen Tag lang kurvt der 29-Jährige durchs unwegsame Gelände, um den ein oder anderen Teilnehmer, der Blasen an den Füßen oder seine Kräfte überschätzt hat, einzusammeln.

Es sind aber nur wenige der 650 Teilnehmer, die am Samstag beim 26. Internationalen Hürtgenwaldmarsch aus eigener Kraft nicht ins Ziel kommen.

Organisiert wird die Traditionsveranstaltung von der Bundeswehr und Reservistenkameradschaften. Start und Ziel des Marsches mit Rahmenprogramm wie einer Waffenausstellung und Hubschrauberlandung ist der Sportplatz in Vossenack. In der Hauptsache sind Berufssoldaten und Reservisten unterwegs, aber auch Zivilisten haben sich angemeldet.

Der Marsch ist den 68.000 Gefallenen - der Hürtgenwald war 1944/45 Schauplatz einer der erbittersten Kämpfe im Zweiten Weltkrieg - gewidmet und ist zugleich Mahnung zum Frieden. Im Sinne der Völkerverständigung beteiligen sich auch in diesem Jahr Einheiten aus Holland, Belgien und Österreich am Marsch; unter ihnen Henri Pek und seine Kameraden von der niederländischen Nationalreserve.

„Wir kommen im 14. Jahr zum Hürtgenwaldmarsch. Vorher treffen wir uns immer mit den Reservisten aus Lamersdorf, mit denen wir seit vielen Jahren eine Partnerschaft haben. So etwas wie früher darf einfach nicht mehr passieren”, betont der 60-Jährige.

Auch Marc Boiting marschiert für die Völkerverständigung. „Märsche wie dieser gehören zur Versöhnung über den Gräbern”, formuliert es der 46 Jahre alte Reservist. Für Michael Nowka aus der Nähe von Köln ist der Marsch auch eine Zeitreise in das Jahr 1944/45, als sich im Hürtgenwald Deutsche und Amerikaner bekämpften.

„Wenn man die Strecke abgeht, kommt man gar nicht umhin, das Ganze aus militärischer Sicht zu betrachten. Man überlegt die ganze Zeit, wo im Gelände wohl Stellungen waren”, beschreibt der 37-jährige Reservist seine Gedanken. „Für die Strecke, die wir in ein paar Stunden schaffen, haben die Soldaten damals Tage gebraucht - das muss man erst mal verinnerlichen”.

Für Bernhard Maqua aus Stolberg ist vor allem die gute Kameradschaft ein Grund, mitzumachen. „Es ist für mich Ehrensache, mit meinen Kameraden beim Marsch anzutreten”, erzählt der 45-Jährige. „Es ist aber auch immer sehr gesellig, nach dem Marsch sitzen wir alle noch beisammen.”

Sabine Schuster, 43 Jahre, aus Linnich ist eine der wenigen Frauen beim Hürtgenwaldmarsch. „Ich habe einfach Freude am Wandern und gern mit Soldaten zu tun. Darum mache ich hier mit”, erklärt die Frau eines Berufssoldaten.

Auch Wilhelm Ross (59) ist ein treuer Teilnehmer. Er gehört zu den zahlreichen Helfern, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen. „Ich bin hier das Mädchen für alles”, sagt der Aachener fröhlich und taucht die Kelle in einen riesigen Topf mit Erbsensuppe.

Auf die Frage, warum er sich engagiert, antwortet er ohne zu Zögern: „Wegen der Kameradschaft natürlich.” Denn die gehört beim und nach dem Hürtgenwaldmarsch zwingend dazu.
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