Tierpark

400 Jahre alte Linde ist aus der Stadtmitte verschwunden

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
Foto 3: Stück für Stück wur
Stück für Stück wurde der hohle Baum abgetragen. Foto: bel

Nideggen. In dieser frühen Morgenstunde hatten sich doch schon einige Bürger Nideggens eingefunden, um mitzuerleben, wie „ihre” Linde auf dem Marktplatz gefällt wurde. Punkt 9 Uhr drang dann die Motorsäge mit einem ersten Aufheulen in den oberen Teil des Stammes.

Peu à peu, ganz langsam, so dass die Kameras verschiedener Medien auch alles auf die Platte bannen konnten, wurde der knorrige Baum abgetragen. Sorgfältig wurden die Stücke verladen. Bürgermeisterin Margit Göckemeyer gab bekannt, dass das Holz des uralten Baumes während des Frühlingsfestes am 24. und 25. März 2012 stückweise versteigert wird.

Bildhauer Wolfgang Wendt, der seine Werkstatt im Zülpicher Tor aufgeschlagen hat, wird aus einem Teil des Baumes eine Skulptur anfertigen. Die Bürgermeisterin konnte aber auch weiterhin Erfreuliches verkünden. An der alten Stelle wird eine neue Linde gepflanzt.

Schon nach der ersten Zeitungsmeldung sind die ersten Spenden im Rathaus eingegangen, so dass die Finanzierung wahrscheinlich gesichert ist. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Herbert Bohland, versprach, sein Verein wolle sich auch finanziell beteiligen. „Sollte Geld übrig bleiben”, sagte Göckemeyer, „wird damit der Marktplatz neu gestaltet.”

Ein neuer Baum wird etwa 1500 Euro kosten. Wie viele Euros die Anlage um den neuen Baum verschlingen wird, darüber liegen noch keine Zahlen vor.Schon vor Jahren, als in Nideggen noch ein Bürgermeister und ein Stadtdirektor, die sogenannte Doppelspitze, herrschten, wollte der über 400 Jahre alte Baum schon nicht mehr so recht. Die Blätter blieben aus.

Eine neue Linde wurde unweit in der Nähe des Brunnens gepflanzt. Doch die alte Linde erholte sich - vielleicht angesichts der jugendlichen Konkurrenz - wieder und trug wieder Blätter.

Auto zerdeppert

Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts - einige Schaulustige auf dem Markt erinnerten sich noch genau - war ein großer Ast an einem sonnigen Sonntagnachmittag abgebrochen und hatte ein Auto zerdeppert. Damals war der Stamm mit Beton verfüllt worden, so dass die Sägen jetzt nur die äußere Schale schneiden konnten und dem Bagger die restliche Arbeit überlassen mussten.

Bei vielen Zuschauern war an diesem Morgen so etwas wie Wehmut zu spüren. „Weißt du noch”, fragte der Pensionär seinen Nachbarn zur Linken, „wie oft wir da „Ochs am Berge, eins, zwei, drei, ich komme”, gespielt haben?” Er wusste es noch. Nideggen wird eine neue Linde bekommen. Ob sie je wieder zum Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird, bleibt abzuwarten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.