34-fache Untreue: Berufsverbot für Dürener Anwalt

Von: hp
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Düren. Für Richter Dr. Stephan Ebeling hatte ein „alter Bekannter“ auf der Anklagebank Platz genommen. Dabei handelte es sich nicht etwa um einen unverbesserlichen Straftäter, sondern um einen in Düren tätigen Anwalt, den der Richter nach eigenem Bekunden eher als angenehmes Organ der Rechtspflege kennengelernt hatte.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 42-jährigen Familienvater vor, sich zwischen Januar 2008 und Juni 2012 insgesamt 34-mal der Untreue in besonders schwerem Fall schuldig gemacht zu haben. Die ihm zur Last gelegten Fälle ergaben sich im Zuge seiner Tätigkeit in der Immobilienverwaltung sowie als Rechtsanwalt, der für seine Mandanten erstrittene Entschädigungen nicht an die rechtsmäßigen Empfänger weiterleitete. Dabei stolperte der Anwalt über seinen – salopp gesagt – fahrlässigen Umgang mit dem Geld anderer Leute.

Die genaue Schadenshöhe war nicht zu beziffern, weil der Jurist inzwischen einige größere Beträge an die rechtmäßigen Empfänger überwiesen hat. Im Gerichtssaal war allerdings von rund 39.000 Euro aus der Tätigkeit als Verwalter die Rede. Hinzu kamen Schadenersatzzahlungen von Versicherungen in mehreren Fällen zwischen 3000 und 5000 Euro. Ein Anklagepunkt, bei dem es um eine Abbuchung von 82 Euro ging, die nicht eindeutig zu belegen war, wurde vorläufig eingestellt.

Zwei Fälle zeigen exemplarisch, dass der Angeklagte offenbar jegliche Übersicht verloren hatte. So sprach der neue Verwalter eines Büro- und Wohnhauses von zahlreichen fehlenden Kontoauszügen, Rechnungen und anderen Belegen, die eine genaue Inventur unmöglich machten. So habe sich in den Unterlagen eine Ölrechung befunden, obwohl es in der Immobilie überhaupt keine Ölheizung gab. Auch habe er Überweisungsvermerke an Firmen gefunden, die offenbar gar nicht existieren, von ordentlichen Rechnungen ganz zu schweigen.

In einem anderen Fall hatte sich eine Mandantin mit ihrem Zahnarzt auf ein Schmerzensgeld von 9000 Euro geeinigt, was – so Oberstaatsanwalt Alexander Geimer – für die Verkäuferin „ein kleines Vermögen“ darstellte. Diesen Betrag zahlte der Angeklagte, der das Geld treuhänderisch entgegengenommen hatte, erst nach einer halben Ewigkeit und auch erst, als die Frau die Hilfe eines neuen Anwalts in Anspruch genommen hatte.

Richter Dr. Stephan Ebeling verurteilte den bisher unbescholtenen Rechtsanwalt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Gleichzeitig verhängte das Gericht gegen den Juristen ein Berufsverbot als Rechtsanwalt von einem Jahr und sechs Monaten.

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