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30 Sekunden für die optimale Desinfektion

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
Hände
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Birkesdorf. Elke Stein, Mitarbeiterin der Radiologie, hat ein paar dunkle Flecken auf den Händen. Den Grund dafür nennt Beatrix Niesen umgehend. „Sie müssen mehr Hygienemittel nehmen”, sagt die Fachschwester für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.

Im Birkesdorfer St.-Marien-Hospital war am Dienstag der Händehygiene, und so ziemlich alle Mitarbeiter machten mit.

Hygiene im Krankenhaus ist nicht zuletzt seit den erneuten Todesfällen von Frühchen in einem Bremer Krankenhaus ein großes Thema. Einmal pro Jahr gibt es im Marien-Hospital daher diesen Tag der Händehygiene. Für Mitarbeiter und alle Patienten und Besucher, die einmal testen wollen, wie gut sie ihre Hände desinfizieren.

Und das funktioniert wie folgt. Aus einem üblichen Spender entnehmen die Mitarbeiter Desinfektionsmittel. Einziger Hinweis: Sie sollen genug entnehmen, damit die kompletten Hände gut desinfiziert werden können. Es ist in diesem Fall ein besonderes Mittel. Ein fluoreszierendes. Also eines, das unter Schwarzlicht leuchtet.

Weiße Hände bedeuten also, dass ausreichend benetzt wurde, an dunklen Flecken muss noch nachgebessert werden. Zur Kontrolle wandern die Hände in einen Kasten. Mit Schwarzlicht und unter den Augen von Beatrix Niesen und Johanna Lüttgen, die derzeit ausgebildet wird und Beatrix Niesen künftig unterstützen wird.

Denn in der Krankenhaushygiene gibt es weit mehr zu tun als einmal jährlich die Mitarbeiter in die richtige Art und Weise der Händedesinfektion einzuweisen.

Beatrix Niesen ist den ganzen Tag viel unterwegs. Sie ist dabei, wenn die Raumlufttechnik geprüft wird, hat ein Auge drauf, wenn Patienten isoliert werden müssen, erstellt Hygieneanweisungen für Labor und Küche und ist Ansprechpartnerin für das Gesundheitsamt. Die gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßigen mikrobiologischen Untersuchungen leitet sie, außerdem lädt sie die Mitarbeiter zu vier bis sechs Fortbildungen pro Jahr ein, vor allem, wenn es um aktuelle Infektionskrankheiten wie Vogelgrippe und ähnliches geht.

Zurück zur Händedesinfektion. Rund 200 Mitarbeiter besuchen die kleine Station in der Eingangshalle jedes Jahr. „Das sind fast alle, die in dieser Zeit auch Dienst haben”, freut sich Beatrix Niesen. Ebenfalls freut sie sich, dass nicht nur Krankenschwestern und -pfleger und Ärzte dabei sind, sondern dass auch das Interesse von Küchen- und Reinigungspersonal geweckt wurde. „Es ist gut, dass die Mitarbeiter auch mit Fehlern umgehen, wenn sie ihre Hände etwa einmal nicht richtig desinfiziert haben”, sagt Niesen.

Neben der „Kontrolle” gibt es für die Mitarbeiter wichtige Tipps. So sollte für einen ausreichenden Schutz vor Keimen ausreichend Hygienemittel verwendet werden. Ebenfalls wichtig ist Handpflege. „Nur eine gut gepflegte Hand, kann man auch gut desinfizieren”, betont Beatrix Niesen.

Etliche Mitarbeiter hörten am Dienstag, dass ihre Hände zu trocken sind und besser gepflegt werden müssen. Etwa 30 Sekunden Zeit sollte sich jeder nehmen, um die Hände mit dem Mittel zu versehen. Und damit die Zeit nicht zu lange wird, gibt es auch dafür Tipps. „Dabei kann man ein nettes Gespräch mit dem Patienten führen oder auch einen Weg zurücklegen”, sagt Niesen. „Diese 30 Sekunden sind das billigste und einfachste, um Infektionen zu vermeiden”, sagt die Fachschwester für Krankenhaushygiene.

„Sind Sie Linkshänder?”

Hände waschen ersetze die Desinfektion in keinem Fall. Eher im Gegenteil. So sollten Krankenhausmitarbeiter ihre Hände möglichst selten waschen und stets auf Desinfektion achten. „Mit einer richtigen Desinfektion werden 100 mal mehr Keime abgetötet als beim Hände waschen”, betont Niesen.

Mitunter staunten die Mitarbeiter nicht schlecht. „Sind Sie Linkshänder?”, kommt da schon mal als Frage von Beatrix Niesen. Nach der zögerlichen Antwort „Ähm, ja” klärt die Hygieneexpertin auf: „Ihre rechte Hand ist besser desinfiziert. Das lässt darauf schließen, dass Sie Linkshänder sind.”

Um dem Thema Desinfektion der Hände noch mehr Gewicht zu verleihen, wurde die Zahl der Entnahmegeräte im vorigen Jahr um weitere 150 erhöht. Rund 4500 Liter Desinfektionsmittel wurden allein im Jahr 2011 im Marien-Hospital verbraucht. Elke Stein und ihre Radiologie-Kollegin Carmen Vent haben für die Aktion nur lobende Worte übrig. „Desinfektion ist sehr wichtig, um sich und die Patienten vor Keimen zu schützen. Es ist gut, dass wir einmal im Jahr eine solche Aktion haben”, sagt Elke Stein.

Die kleinen dunklen Flecken auf ihren Händen waren beim zweiten Versuch dann auch verschwunden.
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